13. Juli 2005 · Quelle: MAZ

Satteln für Frieden und gegen Preußenkult

(HEIKE BERGT, MAZ) ORANIENBURG “Wer braucht denn Kriegshelden? Mutig sind doch die, die den Krieg ver­weigern”, find­et Christi­na Wendt. “Die Welt hat so viele Prob­leme. Keines ist mit Krieg zu lösen. Also, desertiert, wo ihr kön­nt”, ruft sie auf und steigt aus dem Sat­tel. Die junge Frau aus Bernau gehört zu den 17 Reit­ern, die gestern hoch zu Roß durch Oranien­burg zogen. Ein bunter Zug, der “Frieden­sritt 2005”, zu dem sie am Sonnabend in Bernau aufge­brochen waren. 

Seit 1984 organ­isieren Freizeitre­it­er den meist ein­wöchi­gen Wan­der­ritt zu poli­tis­chen The­men quer durch die Bun­desre­pub­lik. Geboren wurde die Idee 1981, als erst­mals Men­schen mit ihren Vier­bein­ern an der Gedenkver­anstal­tung “Blu­men für Stuken­brock” an der inter­na­tionalen Kriegs­gräber­stätte in West­falen teil­nah­men. Seit­dem protestierten sie auf dem Pferde-rück­en u. a. mit einem Ritt von Gor­leben nach Morsleben, rund um den Kon­rad-Schacht, gegen Gen­tech­nik auf der Expo oder im let­zten Som­mer gegen das Bom­bo­drom in der Witt­stock­er Heide. 

In diesem Jahr vere­inte die Reit­er zwis­chen 17 und 70 Lenzen aus Kas­sel, Köln, dem Wend­land und Berlin der Gedanke “Den Deser­teuren zur Ehre, den Kriegern zur Mah­nung”. Denn den “Krieg gewin­nt immer der Tod. Wir sat­teln für Frieden, Abrüs­tung, Umwelt und Men­schen­rechte”, so Christi­na Wendt. 

Nach dem Start in Bernau und ihrem Protest am dor­ti­gen Deser­teurs­denkmal fan­den sie Quarti­er in Friedrich­sthal. Um 11 Uhr gedacht­en sie gestern der Opfer des KZ Sach­sen­hausen. Auch hier wur­den Deser­teure hin­gerichtet. Einen Kranz aus Wiesen­blu­men legten sie an der Sta­tion Z nieder und riefen auf, sich nicht für Stahl und Öl in einem Krieg miss­brauchen zu lassen von denen, “die den Frieden in die Herzen schießen” wollen — Text eines Songs von Lie­der­ma­ch­er Rein­hard Mey. 

Nach ihrem Ritt durch die Innen­stadt mit Polizeiesko­rte ging es bis zum Abend nach Groß Ziethen auf einen Reit­er­hof. “Wir brauchen nur eine Wiese und Wass­er”, so Sabine Schattschnei­der. Bei der Rei­t­erin aus Kreuzberg liefen die Fäden des diesjähri­gen Frieden­sritts zusam­men. Über die Tiere kom­men sie mit Men­schen ins Gespräch, sprechen sie zudem mit Straßenthe­ater an. So auch am Sonnabend zum Abschluss in Pots­dam ab 12 Uhr mit ein­er satirischen Kundge­bung: Der Preußen­wahn treibt Blüten, kri­tisiert Christi­na Wendt, “Wir sind gegen einen Wieder­auf­bau der Gar­nisonkirche, gegen zweifel­hafte preußis­che Tra­di­tio­nen wie Anpas­sung und Unter­wür­figkeit.” Doch wenn schon Preußenkult, dann richtig, wollen die Frieden­sre­it­er provozieren und mit Pick­el­haube durch die Stadt ziehen. Denn kon­se­quenter­weise plädieren sie dann auch für die Wiedere­in­führung des Pfer­des als barock­es Nahverkehrsmit­tel in ganz Potsdam!

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