17. September 2003 · Quelle: Diverse

Der Sprengstoff kam aus der Uckermark

Ermit­tler filzen Woh­nung eines Neon­azis

Spur der in München ver­hafteten Plan­er eines Anschlags auf die
Haupt­sy­n­a­goge führt auch nach Menkin

(Nord­kuri­er-Tem­plin, Moni­ka Strehlow und Nicole Hinz) Uck­er­mark. Bayrische Ermit­tler filzen eine Woh­nung in Menkin. Damit
führt die Spur der in München ver­hafteten Neon­azis, die offen­bar
einen Anschlag bei der Grund­stein­le­gung der dor­ti­gen Haupt­sy­n­a­goge
geplant hat­ten (der Uck­er­mark Kuri­er berichtete), auch in die
Uck­er­mark.

Der Auf­marsch von Polizeifahrzeu­gen mit Dien­sthun­de­führern vor dem
Neubau in der Dorf­s­traße fand, wie erst jet­zt bekan­nt wurde, am 9.
Sep­tem­ber — zeit­gle­ich mit bun­desweit­en Durch­suchungsak­tio­nen in der
Neon­azi-Szene — statt.

Am 10. Sep­tem­ber informierte via Inter­net die Press­es­telle des
Polizeiprä­sid­i­ums München, dass im Zuge der Ver­haf­tung “von
Mit­gliedern der recht­en Szene wegen Ver­dachts eines geplanten
Sprengstof­fan­schlags” in Bran­den­burg ein 37-Jähriger und in
Meck­len­burg-Vor­pom­mern ein 37-Jähriger vor­läu­fig festgenom­men wur­den.
Die Menk­in­er wis­sen, um wen es sich han­delt. Sie erin­nern sich noch
gut an den Abend im Mai, als in der­sel­ben Woh­nung die Polizei schon
ein­mal nach Waf­fen suchte. Nach­fra­gen beim Schutzbere­ich Uck­er­mark
brin­gen bis heute lediglich das offizielle Zugeständ­nis, dass die
Polizei des Schutzbere­ich­es mit eige­nen Kräften hier im Nor­den der
Uck­er­mark Maß­nah­men des Polizeiprä­sid­i­ums München unter­stützte. Das
Polizeiprä­sid­i­um Frankfurt/Oder und das Lan­deskrim­i­nalamt Bran­den­burg
ver­weisen an das Münch­en­er Polizeiprä­sid­i­um.

Muni­tion gesucht

Die Bun­de­san­waltschaft in Karl­sruhe über­nahm schließlich die
Ermit­tlun­gen. Bis zum Redak­tion­ss­chluss äußerte sich diese jedoch
trotz mehrma­liger Anfra­gen durch den Uck­er­mark Kuri­er nicht dazu. In
Haupt­st­tadt-Medi­en wird ver­mutet, dass drei in der Uck­er­mark lebende
Män­ner, die Mil­itär­plätze nach Muni­tion abge­sucht haben sollen,
Sprengstoff für die Anschläge in München besorgt hät­ten.

Detlef Neu­mann, Amts­di­rek­tor von Brüs­sow, weiß offiziell nichts von
den Vorgän­gen. Aus den Medi­en erfährt er von Ver­mu­tun­gen, dass drei
Ein­wohn­er seines Amts­bere­ich­es damit in Zusam­men­hang gebracht wer­den,
die als Mil­i­taria-Samm­ler bekan­nt seien. “Wenn ich Ken­nt­nis davon
erhielte, dass jemand bei uns Muni­tion oder Waf­fen sucht, würde ich
sofort die Polizei ein­schal­ten. Schließlich geht davon Gefahr für
Leib und Leben aus.” Erst am 17. Juni wurde in der Kies­grube von
Wollschow eine Bombe gefun­den, musste das Dorf evakuiert wer­den.
Die Randown­iederung im Nor­dosten des Brüs­sow­er Amts­bere­ich­es ist als
Kampfge­bi­et des II. Weltkrieges bekan­nt. Immer wieder gibt es
Muni­tions- und Waf­fen­funde. Nach Ein­schätzung des Grün­berg­er
Forstre­vier­leit­ers Ulf Wos­nizek müssten bis zu 200 Hek­tar des
Gebi­etes nach Muni­tion abge­sucht wer­den. Vor drei Jahren schon musste
wegen Granaten­fun­des ein Wald­ab­schnitt ges­per­rt wer­den. Gle­ich nach
der Wende seien im Forstre­vi­er Leute mit Met­allde­tek­toren angetrof­fen
wor­den. In sein­er Amt­szeit habe er schon Leute belehren müssen, die
er bei entsprechen­dem Tun am Menk­in­er See angetrof­fen habe, so
Wos­nizek.

“Die Suche auf ehe­ma­li­gen Trup­penübungsplätzen ist grund­sät­zlich
nicht ver­boten”, erk­lärt Burkhard Heise, Press­esprech­er des Uck­er­mark-
Schutzbere­ich­es. “Außer wenn Rechte Drit­ter berührt wer­den, also
Ver­botsss­childer mis­sachtet oder Umfriedun­gen über­wun­den wer­den.”
Gefun­dene Muni­tion oder Waf­fen unter­liegen dem
Kriegswaf­fenkon­trollge­setz oder Waf­fenge­setz.

“Ver­stöße nach let­zterem kön­nen sowohl als Ord­nungswidrigkeit bis zu
10 000 Euro oder als Straftat mit bis zu drei Jahren Frei­heit­sentzug
geah­n­det wer­den”, so Heise. Bei Ver­dacht eines unbefugten Waf­fen-
oder Muni­tions­be­sitzes hat die Polizei einzuschre­it­en, wobei auch
Lan­des- oder Bun­deskrim­i­nalamt ein­be­zo­gen wer­den. Dem Schutzbere­ich
seien keine so genan­nten Mil­i­taria-Samm­ler bekan­nt, die für
ihr “Hob­by” eine polizeiliche Genehmi­gung besitzen müssen.

Durch die Bun­de­san­waltschaft wur­den einige der Verdächti­gen wieder
auf freien Fuß geset­zt. Den­noch kommt Menkin nicht zur Ruhe. Gerüchte
ver­men­gen sich mit Wahrheit­en. Der Betr­e­f­fende selb­st war für den
Uck­er­mark Kuri­er nicht zu sprechen. Und auch die Ein­wohn­er des
kleinen Dor­fes reden nur hin­ter vorge­hal­tener Hand über den
Vor­fall. “Bis jet­zt habe ich immer gedacht, das sind ordentliche
Jungs. Höflich und nett”, sagte ein Mitvierziger, der eigentlich in
Brüs­sow wohnt, öfter aber in Menkin zu tun hat. Dass der Beschuldigte
eine Glatze trug, hat den Brüs­sow­er nicht gestört. Schließlich könne
man nie­man­den wegen seines Haarschnittes vorverurteilen.

Betrof­fen von dem Vor­fall

Der Gast­wirt in Menkin ken­nt das Gerede um den aus der recht­en Szene
stam­menden Mann. Auch den Auf­marsch der Polizei hat er ver­fol­gt. Vor
einiger Zeit hätte er mit der­ar­tig gesin­nten Leuten Prob­leme gehabt,
die seinem Gewerbe schade­ten. Eine junge Frau zeigte sich gestern
sichtlich betrof­fen von dem Vor­fall. Es sei schade, dass Menkin nur
so Schlagzeilen macht. Dabei sei man jedes Mal stolz, wenn man etwas
Neues auf die Beine stellt. “Durch diese Sache wird alles zunichte
gemacht”, meinte sie.

Sprengstoff von Neon­azis aus Bran­den­burg?

(BM) Pots­dam — Zu den zehn Tatverdächti­gen, gegen die die Bun­de­san­waltschaft
zurzeit im Zusam­men­hang mit dem Sprengstoff-Fund in München wegen des
Ver­dachts der Bil­dung ein­er ter­ror­is­tis­chen Vere­ini­gung ermit­telt, gehören
auch drei Bran­den­burg­er aus der Uck­er­mark. Andreas J., Ste­fan Z. und Mar­cel
H. sollen Panz­er­granat­en aus dem Zweit­en Weltkrieg gesam­melt haben. Deren
explo­siv­er Inhalt sollen Münch­en­er Fah­n­der unlängst bei der Durch­suchung der
Woh­nung der Neon­azis Mar­tin Wiese und Alexan­der Met­z­ing gefun­den haben. 1,7
Kilo­gramm TNT und min­destens zwölf Kilo ein­er “sprengstof­fähn­lichen”
Sub­stanz stell­ten die Beamten sich­er.

Gestern war allerd­ings noch unklar, ob die drei Bran­den­burg­er im Auf­trag des
gebür­ti­gen Meck­len­burg­ers Wiese, Anführer der “Kam­er­ad­schaft Süd” und
mut­maßlich­er Drahtzieher eines geplanten Sprengstof­fan­schlags auf den Neubau
des Jüdis­chen Gemein­dezen­trums in München, die Granat­en gesam­melt haben, um
Wiese waf­fen­tauglichen Sprengstoff zu liefern. Bis auf einen der
Tatverdächti­gen, er ist NPD-Mit­glied, seien die inhaftierten Män­ner bis­lang
wed­er beim Bran­den­bur­gis­chen Ver­fas­sungss­chutz noch bei der
Staatss­chutz­abteilung der Polizei bekan­nt. “Das sind unbeschriebene
Blät­ter”, hieß es im Innen­min­is­teri­um.

Offen­bar sind die drei Verdächti­gen als Mil­i­taria-Händler aktiv und suchen
gezielt in muni­tions­verseucht­en Gebi­eten nach Blind­gängern. Das allein wäre
schon ver­boten, weil das Betreten der nicht beräumten Gebi­ete unter­sagt ist.
Soll­ten sie mit TNT gefüllte Granat­en an Wiese weit­ergegeben haben, auch
wenn sie über die Atten­tat­spläne nicht informiert waren, so dro­ht ihnen
wegen des Ver­stoßes gegen das Sprengstof­fge­setz ein Ver­fahren.

Lan­des­be­hörde ermit­telt wegen Neon­azi-Plä­nen

Verbleib von Verdächti­gen weit­er unklar

(Berlin­er Zeitung) POTSDAM/PRENZLAU. Auch das bran­den­bur­gis­che Lan­deskrim­i­nalamt ermit­telt nun
wegen der geplanten Anschläge gegen jüdis­che Ein­rich­tun­gen in München. Aus
Sicher­heit­skreisen war zu erfahren, dass dies im Auf­trag der
Bun­de­san­waltschaft in Karl­sruhe geschieht, die weit­er die Ermit­tlun­gen
führt. Die Bran­den­burg­er Krim­i­nal­is­ten sollen genau­so wie das
Lan­deskrim­i­nalamt in Meck­len­burg-Vor­pom­mern fest­stellen, woher genau der
Sprengstoff stammt, der bei den geplanten Anschlä­gen ver­wen­det wer­den
sollte.

Die Bun­de­san­waltschaft ermit­telt allein in Brande
nburg gegen drei Män­ner aus
dem Amts­bere­ich Brüs­sow in der Uck­er­mark. Die drei Mil­i­taria-Samm­ler sollen
den Sprengstoff aus alter Kriegsmu­ni­tion ent­nom­men und weit­ergegeben haben.
Sie selb­st seien aber keine ide­ol­o­gisierten Neon­azis, hieß es. Die
Bran­den­burg­er Ermit­tler haben lediglich eine sehr begren­zte Ein­sicht in die
Ermit­tlungsak­ten, die Gen­er­al­bun­de­san­walt Kay Nehm führt. Unklar ist, wo
sich die drei Män­ner aus der Uck­er­mark derzeit befind­en. Min­destens zwei von
ihnen sollen sich wom­öglich doch noch in U‑Haft befind­en. Ange­hörige
berichteten von ein­er Jus­tizvol­lzugsanstalt in Bay­ern.

Tre­ff­punk­te der recht­en Szene

Beobachter der Neon­azi-Szene in der Uck­er­mark gehen indes davon aus, dass
die drei Waf­fen­samm­ler, die den Sprengstoff beschafft haben sollen, keine
harm­losen Mil­i­taria-Fans sind. Die Orte Menkin, Wollschow und Brüs­sow, aus
denen sie stam­men, gal­ten in der Ver­gan­gen­heit als Tre­ff­punk­te der
recht­sex­tremen Szene. In ein­er Gast­stätte in Menkin soll es
Skin­head-Konz­erte gegeben haben. Der recht­sex­trem­istis­che Kam­er­ad­schafts­bund
Anklam aus Vor­pom­mern, ein Gruppe von rund 20 straff organ­isierten Neon­azis,
soll mehrmals Reisen zu Dorffesten im Amts­bere­ich Brüs­sow organ­isiert haben.
Rund 200 Skin­heads hät­ten die Dorffeste der Region dann “qua­si annek­tiert”,
sagen Beobachter. Auch der Neon­azi Mar­tin Wiese, der als Rädels­führer der
Recht­ster­ror­is­ten in München festgenom­men wor­den ist, soll sein­erzeit dabei
gewe­sen sein. Wiese stammt aus Anklam.

Der Ver­fas­sungss­chutz in Meck­len­burg-Vor­pom­mern geht von engen Verbindun­gen
zwis­chen Neon­azis in Vor­pom­mern und denen im Nor­dosten Bran­den­burgs aus. In
Vor­pom­mern seien der Kam­er­ad­schafts­bund Anklam und die Kam­er­ad­schaft Use­dom
beson­ders aktiv, während sich in Bran­den­burg der recht­sradikale Märkische
Heimatschutz straff organ­isiert habe. Zwis­chen den Neon­azi-Organ­i­sa­tio­nen
gebe es zahlre­iche Verbindun­gen.

Mit ander­er Wahrnehmung

Die Münch­n­er Gefahr und der tägliche Ter­ror im Osten

(Frank­furter Rund­schau) Der vere­it­elte Anschlagsver­such von Neon­azis in München wirft einige Fra­gen
auf: Was ist anders an dem geplanten Ter­ro­rakt? Und was müsste getan wer­den,
um solch­es für die Zukun­ft zu ver­hin­dern?

Nun, es gibt den braunen Ter­ror schon seit langem. Nach der
Wiedervere­ini­gung sind über 100 Men­schen von Recht­sex­tremen getötet wor­den.
Es ent­stand ein Kli­ma der Angst für Asyl­be­wer­ber, Migranten, Obdachlose und
alter­na­tive Jugendliche beson­ders im Osten Deutsch­lands. Doch diese Art von
Ter­ror erschien in der Öffentlichkeit nie als Bedro­hung des Staates und
seines demokratis­chen Selb­stver­ständ­niss­es, son­dern als bedauer­liche
Samm­lung einzel­ner Gewalt­tat­en, deren Ziele mehr oder weniger zufäl­lig
gewählt erschienen. Die Opfer gehörten den ohne­hin diskri­m­inierten,
gescholte­nen oder ver­nach­läs­sigten Teilen der Gesellschaft an. Ein Angriff
auf sie kor­re­spondierte mit pop­ulis­tis­chen Sig­nalen aus der Poli­tik, die mit
der Stim­mung in der Bevölkerung ein­hergin­gen.

Die Reak­tio­nen der Öffentlichkeit auf die sadis­tis­chen Folter- und
Mor­dak­tio­nen von Skin­heads und Neon­azis waren unter­schiedlich — sie reicht­en
von echter Betrof­fen­heit bis zu vol­lkommen­er Gle­ichgültigkeit. Im Osten
gehört der Ter­ror von rechts zu ein­er Art selb­stver­ständlich­er Folk­lore, der
bis zum heuti­gen Tag diesen Land­strich weit­ge­hend aus­län­der­frei hält und
diejeni­gen unter Recht­fer­ti­gungs­druck stellt, die solche Zustände bekla­gen.

Die Qual­ität des geplanten Anschlags, deren ost­deutsche Pro­tag­o­nis­ten gewiss
nicht ohne Grund die Haupt­stadt des Freis­taats Bay­ern für ihr Vorhaben
wählten, unter­schei­det sich vom bish­er gekan­nten. Es sind in den let­zten
Jahren ver­schiedene Atten­tate began­gen wor­den: auf das Grab von Heinz
Galin­s­ki, auf den jüdis­chen Fried­hof in Berlin-Char­lot­ten­burg. Bei­de Male
waren es Anschläge mit Rohrbomben. Es wur­den auch früher schon Waf­fen und
Sprengstoffe bei Neon­azis gefun­den und Lis­ten mit Per­so­n­en und möglichen
Anschlagszie­len. Der Begriff von der “braunen RAF” geis­terte damals schon
durch die Medi­en. Was ist jet­zt anders?

Nun ist es München, und das liegt im West­en. Und die Öffentlichkeit schre­it
auf. Anders ist auch, dass von allen in Betra­cht gezo­ge­nen Zie­len der
üblichen Art wie Ein­rich­tun­gen von Migranten, Moscheen und einzel­nen
Poli­tik­ern das­jenige in die engere Wahl gezo­gen wurde, das am deut­lich­sten
den Kern des Feind­bildes der Neon­azis ver­rät: die Juden. In der Hoff­nung auf
hohe Sym­pa­thiew­erte wollte man sie tre­f­fen, und das bei einem Staat­sakt mit
viel poli­tis­ch­er Promi­nenz.

Die Anschläge von Neon­azis hat­ten immer etwas zu tun mit gesellschaftlichen
Bewe­gun­gen. So wie es eine Bewe­gung gegen Aus­län­der gab, gestützt von
Entschei­dun­gen und Sig­nalen der Aus­län­der­poli­tik von Law and Order auch und
ger­ade in Bay­ern, so gibt es zur Zeit eine gesellschaftliche Welle des
Anti­semitismus, für die man sich bei der Kam­er­ad­schaft Süd offenkundig
entsch­ieden hat. Sie beruht auf ein­er Debat­ten­lage in recht­en, aber auch in
linken Kreisen, die der Durch­schnitt der Bevölkerung eben­so teilt. In ihr
dreht das Gespenst von den alles dominieren­den Juden, beson­ders in der
Welt­macht USA, heftig seine mod­er­nen Run­den.

Noch etwas ist anders: Das Ziel ist nicht die Dres­d­ner Syn­a­goge in ein­er
beliebi­gen Nacht, son­dern die in München am 9. Novem­ber in voller Mon­tur.
Das trifft den Staat nicht nur an ein­er moralis­chen Stelle. Hier wer­den
seine Vertreter und Sym­bole unmit­tel­bar bedro­ht und nicht nur einige
Asyl­be­wer­ber oder Punks oder ein vergessen­er jüdis­ch­er Fried­hof in Zit­tau.

Dass die Kam­er­ad­schaft Süd sich dies zutraut, deutet auch auf eine bessere
Ver­net­zung und Bewaffnung hin. Ohne Zweifel, die vom Osten inspiri­erte
Szene — ihre Anführer kom­men aus Meck­len­burg und Bran­den­burg — ist
gefährlich­er und die Bedro­hung der Demokratie deut­lich­er gewor­den. Doch was
kann man dage­gen tun? Der Ver­fol­gungs­druck auf solche Täter muss hoch
bleiben, das ist klar. Doch der Ruf nach dem Staat reicht auch hier nicht
aus.

Die vorgeschla­ge­nen Gegen­maß­nah­men müssen sich auf Ini­tia­tiv­en und Pro­jek­te
der zivilen Gesellschaft beziehen, die sehr gut in der Lage sind, diese
Auf­gabe auch mit dem Staat zusam­men zu erfüllen. Viele Pro­jek­te im Osten
beweisen das. Und der Anti­semitismus muss ernst genom­men wer­den, er ist
längst kein Spiel­ball mehr für intellek­tuelles Geplänkel.

Doch dazu braucht es den poli­tis­chen und gesellschaftlichen Willen und
aus­re­ichend Geld — und das auf lange Zeit. Das ist ein alter Hut. Doch er
passt auch auf die neue Gefahr.

Sprengstoff für Anschlag aus der Uck­er­mark

(MOZ) Frank­furt (Oder) Mit Sprengstoff aus der Uck­er­mark soll­ten offen­bar
Anschläge gegen jüdis­che Ein­rich­tun­gen in München verübt wer­den. Drei Män­ner
wur­den in den Orten Brüs­sow, Menkin und Wollschow durch Münch­en­er Ermit­tler
festgenom­men. Größere Men­gen an Waf­fen und Muni­tion kamen bei den
Haus­suchun­gen ans Tages­licht, bestäti­gen woll­ten das wed­er die
Bun­de­san­waltschaft noch der Schutzbere­ich Uck­er­mark.

Als Steven Z. aus Wollschow Mitte voriger Woche nicht zur Arbeit auf der
Baustelle der Brüs­sow­er Garten­bau­fir­ma A. Mar­tin GmbH erschien, wußte
nie­mand, warum nicht. Erst allmäh­lich sprach es sich herum, dass Z. tags
zuvor “Besuch” aus München und Pren­zlau bekom­men hat­te. Schwer­be­waffnete
Polizis­ten durchkämmten auf der Suche nach Waf­fen und Muni­tion seine Woh­nung
in Wollschow. Gle­ich­es erlebten Andreas J. aus Menkin und Mar­cel K. aus
Brüs­sow.

Den drei Uck­er­märk­ern wird vorge­wor­fen, einen Großteil des Sprengstoffs
geliefert zu haben, den Recht­sex­trem­is­ten in München für Anschläge benutzen
woll­ten. Alle drei ver­brin­gen ihre Freizeit damit, auf alten
Trupp
enübungsplätzen oder auf dem Gelände ein­er alten Muni­tions­fab­rik bei
Löck­nitz (Meck­len­burg-Vor­pom­mern) nach Granat­en und Panz­er­mi­nen zu suchen,
um waf­fen­tauglichen Sprengstoff zu ent­nehmen.

Die drei sind der Polizei bestens bekan­nt. Dass die drei Festgenomme­nen
Kon­tak­te zur recht­sex­trem­istis­chen Ter­rorszene unter­hal­ten, sorgt in der
Region für einen Schock. “Dass sie Waf­fen­nar­ren waren, wussten viele. Aber
das jet­zt kann nicht toleriert wer­den”, sagt Torsten Wolff,
Orts­bürg­er­meis­ter von Wollschow-Menkin.

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