17. September 2003 · Quelle: LR

«Wenn die Soldaten wüssten …»

Recht­sex­treme bei der elften Ein­seg­nungs­feier auf dem Geor­gen­berg

Die elfte Ein­bet­tungs- und Ein­seg­nungs­feier für die sterblichen Über­reste
von zehn Kriegstoten fand am ver­gan­genen Sam­stag auf dem
Geor­gen­berg-Fried­hof statt (die RUNDSCHAU berichtete). Unter die nor­malen
Gästen hat­ten sich auch Besuch­er gemis­cht, die nach ihrem Äußeren deut­lich
als zur recht­sex­tremen Szene zuge­hörig zu erken­nen waren. RUND­SCHAU-Leser
macht­en die Redak­tion später auch auf einen Kranz an den Gräbern der
Kriegstoten aufmerk­sam, der offen­sichtlich von einem «Kam­er­ad­schafts­bund
Cot­tbus» niedergelegt wor­den war.

Eine «Kam­er­ad­schaft Cot­tbus» ist unter anderem dem Bran­den­burg­er
Ver­fas­sungss­chutz bekan­nt. In einem Vor­trag erwäh­nt sie der
Ver­fas­sungss­chutz-Mitar­beit­er Michael Hüllen: «Ein aktuelles Beispiel für
diese Ver­net­zungs­be­mühun­gen durch Kam­er­ad­schaftsver­bunde ist der «Märkische
Heimatschutz» (MHS). Laut Eige­naus­sage ist der MHS ein Ver­bund von
«Nation­al­is­ten» aus den Land­kreisen Barn­im, Uck­er­mark und Ober­hav­el.
Kon­tak­te ins südliche Bran­den­burg, zur Kam­er­ad­schaft Cot­tbus, sind eben­falls
vorhan­den.»

Wer sich hin­ter der «Kam­er­ad­schaft» beziehungsweise dem «Kam­er­ad­schafts­bund
Cot­tbus» ver­birgt, dafür hat man auch bran­den­bur­gis­chen Mobilen
Beratung­steam gegen Recht­sex­trem­is­mus, Frem­den­feindlichkeit und Gewalt
einige Anhalt­spunk­te. Dort ver­mutet man, dass es sich bei dieser Grup­pierung
um einen Reor­gan­i­sa­tionsver­such von jun­gen Neon­azis aus Cot­tbus Sach­sendorf
han­delt, die ursprünglich aus dem Dun­stkreis der 1992 ver­bote­nen Deutsch­er
Alter­na­tive (DA) und ander­er Auf­fang­beck­en für rechte Nation­al­is­ten stam­men.

Überse­hen kon­nte man die mit Bomber­jack­en, Stiefeln und zum Teil mit
Landser-Mützen bek­lei­de­ten Besuch­er auf dem Sprem­berg­er Geor­gen­berg nicht.
Auch Bürg­er­meis­ter Dr. Klaus-Peter Schulze, als Ober­haupt der Stadt bei der
Ein­seg­nungs­feier anwe­send, erin­nert sich: «Es ist mir aufge­fall­en, dass
wieder ein­mal welche da waren, die einen rechts­gesin­nten Ein­druck macht­en.
Im ver­gan­genen Jahr war das genau­so. Ich habe auch den niedergelegten Kranz
gese­hen und werde entsprechende Maß­nah­men ergreifen.» Welche Maß­nah­men das
sein kön­nten, darauf wollte der Bürg­er­meis­ter gestern allerd­ings noch nicht
genauer einge­hen. Er wolle erst mit den ver­ant­wortlichen Mitar­beit­ern in der
Stadtver­wal­tung Rück­sprache hal­ten, ob und wie man solche Auftritte in
Zukun­ft ver­hin­dern könne.

Ruth Bar­nasch ist ehre­namtliche Geschäfts­führerin des Volks­bun­des Deutsche
Kriegs­gräber­für­sorge in Sprem­berg, durch dessen sehr aktive Recherche- und
Umbet­tungsar­beit in den let­zten Jahren zahlre­iche Kriegstote eine let­zte
Ruh­estätte auf der Zen­tralen Kriegs­gräber­stätte auf dem Geor­gen­berg gefun­den
haben. Auch sie wohnte der Ein­bet­tungs- und Ein­seg­nungs­feier am ver­gan­genen
Sam­stag bei. Wed­er die recht­en Jugendlichen noch der Kranz seien ihr aber
aufge­fall­en, sagt sie. Über einen Miss­brauch solch­er Ver­anstal­tun­gen für
fremde Zwecke sei der Volks­bund aber nicht glück­lich: «Ich erin­nere mich,
dass es bei ein­er früheren Feier sog­ar einen Zwis­chen­ruf gegeben hat, der
inhaltlich gar nicht in unserem Sinne war und die Ver­anstal­tung gestört
hat.»

Worte der Trauer und des Trostes sprachen während der ökomenis­chen Feier am
Sam­stag Pfar­rer Nor­bert Jok­l­itschke von der katholis­chen Kirchge­meinde St.
Ben­no und Pfar­rer Johann-Jakob Werdin von der evan­ge­lis­chen
Michaelkirchge­meinde. Auch Johann-Jakob Werdin waren die Recht­sex­tremen am
Rande der Ver­anstal­tung aufge­fall­en: «Zum Glück waren sie unauf­fäl­lig. Ich
dachte mir nur: Wenn die hier bestat­teten Sol­dat­en wüssten, mit welchen
Ein­stel­lun­gen ihr hier seid, die wür­den sich im Grabe umdrehen. Für mich war
es schon schw­er eine Wei­he abzuhal­ten, wenn Leute anwe­send sind, die nur da
sind, um ihre Ide­olo­gie zu vertreten. Ich selb­st kann so etwas aber nicht
ver­hin­dern.»

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