6. Dezember 2005 · Quelle: ND

»Der Tanz« soll für Toleranz werben

Die ursprünglich vorge­se­hene Demon­stra­tion gegen einen Nazi-Auf­marsch am 10. Dezem­ber in Sen­ften­berg ist abgemeldet. Den Recht­sex­trem­is­ten nur in eini­gen hun­dert Metern Ent­fer­nung hin­ter­herzu­laufen, waren die Land­tagsab­ge­ord­neten Gerd-Rüdi­ger Hoff­mann (Linkspartei) und Mar­ti­na Gre­gor (SPD) nicht einverstanden.

Sie pla­nen inzwis­chen einen »Tag für Demokratie und Tol­er­anz« und rufen dazu auf, erst ein­mal um 10 Uhr ins Bürg­er­haus Wendis­che Kirche in der Bader­straße 10 zu kom­men. Man möchte im Stadtzen­trum »Gesicht zeigen«. Hier zieht die Demon­stra­tion der Neon­azis voraus­sichtlich gegen 11 Uhr vorbei.

Auf­marschieren möchte in Sen­ften­berg ein so genan­ntes Lausitzer Aktions­bünd­nis. Dahin­ter ver­ber­gen sich mehrere recht­sradikale Grup­pen. Zu den Unter­stützern zählen Gliederun­gen der neo­faschis­tis­chen NPD und ihrer Jugen­dor­gan­i­sa­tion JN und einige Kam­er­ad­schaften aus Dres­den, Hoy­er­swer­da, Guben und Eisenhüttenstadt.
Für Gege­nak­tio­nen wirbt ein bere­its in ein­er Auflage von 300 Exem­plaren gedruck­tes Plakat nach einem Entwurf des Sen­ften­berg­er Malers Bernd Win­kler. Als Vor­lage nutzte der Kün­stler das Ölbild »Der Tanz« – ein im Jahr 1910 ent­standenes Gemälde des franzö­sis­chen Expres­sion­is­ten Hen­ri Matisse (1869 bis 1954). Der Bezug auf Matisse ist nicht zufäl­lig, denn seine Werke gal­ten den Faschis­ten als »entartete Kun­st«. Die Plakate im For­mat A1 – von den Abge­ord­neten Hoff­mann und Gre­gor finanziert – sollen dem­nächst gek­lebt werden.

Die Neue Bühne Sen­ften­berg will an ihren eige­nen Lit­faßsäulen, an denen über das Pro­gramm des The­aters informiert wird, auf Plakat­en eben­falls das Matisse-Motiv ver­wen­den. Eine der Lit­faßsäulen ste­ht am Bahn­hof, wo sich die Neon­azis tre­f­fen wollen. Den Aufruf zum antifaschis­tis­chen Protest unter­schrieben von der Neuen Bühne der Inten­dant Sewan Lats­chin­ian, der Regis­seur und Dra­maturg Jür­gen Eick und die Schaus­pielerin Anna Hop­perdi­etz. Unterze­ich­net haben auch Pfar­rer Mar­tin Schwarz, Mar­tin Walde vom Sor­bis­chen Insti­tut sowie etliche Poli­tik­er von Linkspartei, SPD, CDU, Bünd­nis ’90/Die Grü­nen und der Wahlal­ter­na­tive Arbeit & soziale Gerechtigkeit (WASG), außer­dem Vertreter des DGB und der Gew­erkschaft ver.di.

»Wir brauchen für die Lösung der Prob­leme im Land, im Kreis und in der Stadt keine Neon­azis«, heißt es in dem Aufruf. »Wir wollen zeigen, dass Neon­azi-Demon­stra­tio­nen in der Stadt uner­wün­scht sind.«

Nach Infor­ma­tio­nen des Land­tagsab­ge­ord­neten Hoff­mann pla­nen junge Antifas noch eigene Aktionen.

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