21. Dezember 2007 · Quelle: ND

Der »Tausendsassa« war ein Faschist

Der Schrift­steller Felix Haven­stein (1893–1970) grub in Schöne­iche bei Berlin Über­reste ein­er bronzezeitlichen Sied­lung aus und präsen­tierte die Funde in seinem Haus an der Dor­faue 8. In dem von ihm ver­fassten Buch »Schulze Grätz« tauchen Gestal­ten aus dem Dorf auf. Ein »Tausend­sas­sa«, hört man, dieser Felix Haven­stein – und ein Faschist.

Seit Wochen sorgt eine am 9. Sep­tem­ber eröffnete kleine Ausstel­lung im Heimath­aus für Aufre­gung. Eine Nichte Haven­steins hat­te dem Heimatvere­in einige Dinge aus der Hin­ter­lassen­schaft des Onkels übergeben. Der Vere­in zeigte Manuskripte, Fotos und Büch­er jedoch zunächst ohne Hin­weis auf das Ver­hal­ten des Schrift­stellers ab 1933. Aus der Ortschronik und anderen Quellen ist jedoch bekan­nt, dass Haven­stein zu den nation­al­is­tisch gesin­nten Deutschen Chris­ten gehörte und am 20. April 1934 einen Vor­trag über Adolf Hitler als den Mann der kom­menden Zeit hielt.

Nach Beschw­er­den ergänzte der Heimatvere­in die Schau nur halb­herzig um zwei Blät­ter mit Infor­ma­tio­nen, die aber mit ein­er Behaup­tung Haven­steins enden, er sei nie Mit­glied der NSDAP oder ein­er anderen braunen Organ­i­sa­tion gewe­sen. Um dem Spuk ein Ende zu machen, schaute der Gemein­de­v­ertreter Artur Pech (Linkspartei) im Bun­de­sarchiv nach und fand die NSDAP-Mit­glied­skarte mit der Num­mer 2 627 489 und dem Ein­tritts­da­tum 1. Mai 1933.

Das scheint den Heimatvere­in allerd­ings nicht zu beein­druck­en. Die Frau, die gestern den Ein­ritt für das Heimath­aus kassierte und Besuch­ern die Ein­rich­tung erläuterte, zog doch tat­säch­lich den Ver­gle­ich, in der SED seien ja schließlich auch viele wegen der Kar­riere gewe­sen und nicht, weil sie die Ansicht­en der Partei teil­ten. Das Agieren Haven­steins in der Nazi-Zeit müsse erst noch erforscht wer­den.

»Diese Ausstel­lung sollte weg, weil am Ende immer nur eine Würdi­gung Haven­steins rauskommt«, meint Pech. Zwar sei eine kri­tis­che Auseinan­der­set­zung mit der Per­son the­o­retisch denkbar, aber das funk­tion­iere natür­lich nicht mit dem Ansatz: »Wir haben Doku­mente von den Erben, die stellen wir aus, weil sie so schön sind.« Übri­gens ent­deck­te Pech auch, dass sich Haven­stein in einem 1938 gefer­tigten Lebenslauf seines »arischen Blutes« und sein­er »Beziehun­gen zur Partei« schon vor 1933 rühmte.

Das Heimath­aus befind­et sich dort, wo Haven­stein gewohnt hat­te. Das Gebäude war baufäl­lig, bevor es von 1980 bis 1984 bis auf die Schwarze Küche abge­tra­gen und orig­i­nal­ge­treu wieder herg­erichtet wurde. Ein Foto Haven­steins soll hier noch zu Zeit­en der DDR aufge­hängt wor­den sein.

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