13. Oktober 2003 · Quelle: Diverse

Die Abrissbagger rollen an

(BM, Gün­ter Brügge­mann, Gabriele Jor­dan)
Cottbus/Lacoma — Der Stre­it um die Zukun­ft des süd­bran­den­bur­gis­chen Dor­fes Laco­ma hält an. Der Energiekonz­ern Vat­ten­fall will nach Angaben des Laco­ma-Vere­ins heute mit dem Abriss einiger Häuser in dem vom Braunkohlen­t­age­bau Cot­tbus-Nord bedro­ht­en Ort Ernst machen. Die Beset­zer zweier Häuser seien ulti­ma­tiv aufge­fordert wor­den, die Gebäude bis Mon­tag frei­willig zu ver­lassen, sagte Vere­insvor­sitzen­der René Schus­ter in Laco­ma. Der Abriss einiger Häuser war zunächst für ver­gan­genen Dien­stag angekündigt wor­den.

Vat­ten­fall-Sprech­er Rain­er Knauber betonte, das Unternehmen sei Eigen­tümer der betr­e­f­fend­en vier Gebäude und Grund­stücke, darunter der Kul­tursche­une. Die Flächen wür­den für berg­bauliche Vor­bere­itun­gen benötigt. Die Beset­zung stelle “Ein­bruch und Haus­friedens­bruch” dar. Vat­ten­fall habe in drei Fällen Strafanzeige erstat­tet und in einem Fall Räu­mungsklage gestellt. Der Konz­ern werde die “Beset­zung nicht hin­nehmen”.

Das Unternehmen habe dem Vere­in jedoch ange­boten, bei ein­er Räu­mung der Gebäude einen “maßge­blichen Beitrag zur Fort­set­zung der Arbeit der Kul­tursche­une an ander­er Stelle” leis­ten zu wollen. Dieses Ange­bot gelte bis zum heuti­gen Mon­tag. Vat­ten­fall sei zu Gesprächen bere­it.

Laut Schus­ter sind in den ver­gan­genen Tagen ins­ge­samt drei Grund­stücke — darunter auch die Kul­tursche­une — an Vat­ten­fall übergeben wor­den. Der Vere­in habe die Rück­gabe eines weit­eren Grund­stücks ver­weigert, weil der Energie-Konz­ern den Ver­trag vorzeit­ig gekündigt habe. Gegen den Abriss sei nach seinen Angaben eine einst­weilige Ver­fü­gung beim Amts­gericht Cot­tbus erwirkt wor­den.

Derzeit hal­ten sich 70 bis 100 Geg­n­er eines Abriss­es des Kün­stler­dor­fes in zwei der Häuser auf. Sprech­er Daniel Häfn­er betonte am Woch­enende, es solle heute “zu kein­er Kon­fronta­tion” mit Vat­ten­fall kom­men. Es wür­den vielmehr Ver­hand­lun­gen angestrebt. Sollte sich der Konz­ern dazu aber nicht bere­it erk­lären, wür­den die Däch­er der Häuser beset­zt gehal­ten. Das könne “mehrere Tage und auch Wochen dauern”, kündigte Häfn­er an.

Die Abriss­bag­ger sollen Platz für einen Entwässerungsriegel schaf­fen. Dadurch wird dem Ort das Wass­er ent­zo­gen, bevor die Kohle­bag­ger kom­men. Der Laco­ma-Vere­in fordert, alle Grund­stücks-Kündi­gun­gen und den Abriss so lange auszuset­zen, bis mit einem Plan­fest­stel­lungs­beschluss über die Zukun­ft des 500 Jahre alten Ham­mer­grabens und der Teich­land­schaft entsch­ieden ist.

Der Vere­in kri­tisiert, sowohl für den geplanten Bau des Ran­driegels als auch für die Besei­t­i­gung von Graben und Teichen fehlten die Genehmi­gun­gen. In den Laco­maer Teichen — Leben­sraum für viele Tier- und Pflanzenarten der Roten Liste — sind unter anderem mehrere tausend Rot­bauchun­ken beheimat. Es han­delt sich um die größte Pop­u­la­tion dieser Tiere im Land Bran­den­burg.

Das Dorf am Rand von Cot­tbus war bere­its zu DDR-Zeit­en geräumt wor­den, damit die darunter liegende Braunkohle abge­baut wer­den kon­nte. Als sich nach der Wende der Abriss von Laco­ma ver­schob, wurde das Dorf neu besiedelt.

Abriss­bag­ger startk­lar in Lako­ma

Ulti­ma­tum des Energiekonz­erns Vat­ten­fall an Kün­stler­dorf-Beset­zer endet heute

(MAZ, Beowulf Kayser) COTTBUS/LAKOMA Im Stre­it um die Abbag­gerung des Dor­fes Lako­ma und ein­er mehr als 500 Jahre alten Teich­land­schaft zu Gun­sten des Braunkohlen­t­age­baus Cot­tbus-Nord spitzt sich die Sit­u­a­tion drama­tisch zu. Nach Ablauf eines Ulti­ma­tums des Energiekonz­erns Vat­ten­fall sollen die Kul­tursche­une und das Haus Num­mer 13 durch die Polizei heute geräumt wer­den. Anschließend sollen die durch die Gruppe “Fre­unde von Lako­ma” beset­zten Grund­stücke sowie das Haus Num­mer 23 abgeris­sen wer­den. Vat­ten­fall-Sprech­er Rain­er Knauber betonte, der Konz­ern werde die “Beset­zung nicht hin­nehmen”. Derzeit hal­ten sich 70 bis 100 Geg­n­er eines Abriss­es des Kün­stler­dor­fes in zwei der Häuser auf.

Die Eskala­tion hat­te am Fre­itagabend begonnen. Zu dem Zeit­punkt hat­te ein von Vat­ten­fall beauf­tragtes Sicher­heit­sun­ternehmen aus Dres­den ver­sucht, die Haus­be­set­zer zu vertreiben. Erst die Polizei hat­te in let­zter Minute gewalt­same Auss­chre­itun­gen zwis­chen Beset­zern und Secu­ri­ty-Per­son­al ver­hin­dert. Daraufhin stellte ein Vat­ten­fall-Vertreter das heute aus­laufende Ulti­ma­tum. Außer­dem solle sich der Lako­ma-Vere­in bis heute entschei­den, ob er mit Vat­ten­fall über ein ange­botenes Aus­tauschob­jekt für die Kul­tursche­une ver­han­deln wolle.

Eine ein­vernehm­liche Lösung zeich­net sich bish­er jedoch nicht ab. “Vat­ten­fall muss die anste­hen­den Genehmi­gungsver­fahren abwarten, bevor in Lako­ma vol­len­dete Tat­sachen mit dem Abriss geschaf­fen wer­den”, betonte der Vor­sitzende des Lako­ma-Vere­ins, René Schus­ter, gestern gegenüber der MAZ. Das von Vat­ten­fall in Aus­sicht gestellte Ange­bot für ein Aus­tauschob­jekt für die Kul­tursche­une lehnte der 29-jährige Vere­insvor­sitzende überdies strikt ab. “Die Kul­tursche­une ist an diesem Stan­dort das Sym­bol des Wider­standes gegen die Abbag­gerung des Dor­fes und der Lako­maer Teiche”, erk­lärte Schus­ter. Für die heutige Auseinan­der­set­zung mit dem Energiekonz­ern erwartet er zahlre­iche Sym­pa­thisan­ten aus dem gesamten Bun­des­ge­bi­et, die sich mit Vere­in und Haus­be­set­zern sol­i­darisieren.

Zu ein­er Kon­fronta­tion mit Vat­ten­fall solle es dabei allerd­ings nicht kom­men, betonte der Sprech­er des Kün­stler­dorfs Lako­ma, Daniel Häfn­er. Vielmehr wür­den Ver­hand­lun­gen angestrebt. Sollte sich der Konz­ern dem jedoch ver­weigern, wür­den die Haus­däch­er beset­zt gehal­ten. Das könne “mehrere Tage und auch Wochen dauern”, so Häfn­er.

Der Vere­in kri­tisiert, sowohl für den geplanten Bau des Ran­driegels als auch für die Besei­t­i­gung von Graben und Teichen fehlten die Genehmi­gun­gen. In den Laco­maer Teichen — Leben­sraum für viele Tier- und Pflanzenarten der Roten Liste — sind unter anderem mehrere tausend Rot­bauchun­ken behei­matet. Es han­delt sich um die größte Pop­u­la­tion dieser Tiere in Bran­den­burg.

Das Dorf am Rand von Cot­tbus war bere­its zu DDR-Zeit­en leerge­zo­gen wor­den, damit die darunter liegende Braunkohle abge­baut wer­den kon­nte. Als sich nach der Wende der Abriss von Laco­ma ver­schob, wurde das Dorf neu besiedelt.

Braunkohleab­bau: Vat­ten­fall lässt das erste Haus abreißen

(MOZ) Lakoma/Cottbus (dpa) In dem vom Braunkohleab­bau bedro­ht­en süd­bran­den­bur­gis­chen Lako­ma hat am Mon­tag der Abriss begonnen. Am Mor­gen sei ein erstes Haus abge­tra­gen wor­den, bestätigten Naturschützer und der Sprech­er des Energiekonz­erns Vat­ten­fall, Rain­er Knauber. Wann weit­ere Häuser abgeris­sen wer­den, ist noch offen. Dies hänge von den Ver­hand­lun­gen mit den Naturschützern ab, sagte Knauber. Etwa 100 Aktivis­ten hat­ten gegen die Abbag­gerung des Cot­tbuser Ort­steils und des dor­ti­gen geschützten Teichge­bi­ets friedlich protestiert.

Vat­ten­fall sagte am Mon­tag zu, zunächst auf den Abriss weit­er­er Gebäude zu verzicht­en. “Wir führen Gespräche mit dem Ziel, den Haus­friedens­bruch zu been­den”, sagte Knauber. Es werde ein Ersatz­s­tan­dort für die derzeit beset­zte Kul­tursche­une gesucht. “Wir hof­fen auf ein Ent­ge­genkom­men zu diesem verbindlichen Ange­bot”, sagte Knauber. Er unter­strich jedoch zugle­ich, der Konz­ern werde not­falls mit allen rechtlichen Mit­teln seine Inter­essen durch­set­zen.

Ein Sprech­er der Naturschützer betonte, die Kul­tursche­une und das daneben liegende Gebäude seien für das kul­turelle und soziale Leben im Ort beson­ders wichtig. “Wir sehen noch Ver­hand­lungsspiel­raum.” Die Sit­u­a­tion vor Ort sei “sehr friedlich und ohne Gewalt”. “Wir wollen ver­han­deln und reden.”

Der Ort und das benach­barte Gebi­et der Lako­maer Teiche soll von 2005 an dem Tag
ebau Cot­tbus-Nord weichen. Vorher muss eine Entwässerungsleitung für die Kohle­grube ver­legt wer­den. Hierzu ste­ht aber das wasser­rechtliche Plan­fest­stel­lungsver­fahren noch aus. “Die Abrisse sind zur Zeit reine Willkür, so lange die Entwässerungsleitun­gen gar nicht genehmigt sind”, sagte René Schus­ter vom Lako­ma-Vere­in. Dage­gen betonte Vat­ten­fall-Sprech­er Knauber, für die Ort­slage Lako­ma lägen alle Genehmi­gun­gen vor. Dort könne auf jeden Fall entwässert und abge­bag­gert wer­den.

In Bezug auf die etwa 90 Hek­tar großen Lako­maer Teiche ste­ht noch eine Entschei­dung über die Ausweisung als Schutzge­bi­et nach der €päis­chen Flo­ra-Fau­na-Habi­tat-Richtlin­ie (FFH) aus. Im Teichge­bi­et leben viele bedro­hte Arten, darunter die größte Pop­u­la­tion der Rot­bauchun­ke in Bran­den­burg. Erst kür­zlich ent­deck­ten Wis­senschaftler dort die sel­tene Käfer­art “Eremit”.

In Lako­ma wohnen zur Zeit etwa 40 junge Leute und eine alteinge­sessene Fam­i­lie. Das bere­its vor der Wende geräumte Lako­ma — sor­bisch: Laco­ma — war vor zehn Jahren von Naturschützern, Kün­stlern und anderen jun­gen Leuten beset­zt wor­den. Sie erhiel­ten vom Berg­bau­un­ternehmen Laubag befris­tete Miet- und Nutzungsverträge. Diese liefen für die Kul­tursche­une und einige andere Häuser zum 30. Sep­tem­ber aus.

Die Über­gabe sollte ursprünglich bere­its am 1. Okto­ber sein, wurde dann jedoch ver­schoben. Der Ort ist bere­its zur Hälfte abgeräumt. Die Kohle unter Lako­ma soll im Kraftwerk Jän­schwalde in Strom umge­wan­delt wer­den. Nach Angaben von Vat­ten­fall schlum­mern in der Erde etwa 40 Mil­lio­nen Ton­nen Braunkohle. Das entspräche ein­er guten Hal­b­jahre­spro­duk­tion aller drei Tage­baue in Ost­deutsch­land.

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