12. Juli 2005 · Quelle: Tagesspiegel

Die Dreyfus-Affäre als Lehrstück

(Math­ias Hamann, Tagesspiegel) Pots­dam — Eine Ausstel­lung zu machen, kostet nor­maler­weise 150 000 Euro, braucht drei Jahre zur Pla­nung und Profis für die Abwick­lung. Elke-Vera Kotows­ki ist Geschäfts­führerin des Moses-Mendel­sohn-Zen­trums der Uni­ver­sität Pots­dam, sie hat­te nur 30 000 Euro, neun Monate und ein Gruppe Stu­den­ten. Und organ­isierte im Haus der Bran­den­bur­gisch-Preußis­chen Geschichte im Pots­damer Kutschstall eine Ausstel­lung über die franzö­sis­che Drey­fus-Affäre vom Ende des 19. Jahrhunderts. 

Der franzö­sis­che Haupt­mann Alfred Drey­fus war Jude, er wurde – zu Unrecht – der Spi­onage für das Deutsche Reich verdächtigt und 1894 in ein­er Atmo­sphäre des offe­nen Anti­semitismus in Mil­itär, Jus­tiz, Teilen der Kirche und der Öffentlichkeit zu lebenslanger Ver­ban­nung verurteilt. Am 13. Jan­u­ar 1898 erscheint dann in der Lit­er­atur-Zeitschrift „L´Aurore“ der berühmte offene Brief des Schrift­stellers Emile Zola: „J´Accuse“ (Ich klage an). Zola beschuldigt Jus­tiz und Mil­itär, einen Skan­dal zu ver­tuschen. Es set­zt eine heftige Debat­te ein, der Prozess gegen Drey­fus wird wieder aufgenom­men. Das ganze Land ist tief ges­pal­ten, in Drey­fus-Geg­n­er und Unter­stützer. Am Ende wird er freigesprochen. 

Natür­lich ist auch eine Orig­i­nalaus­gabe des „ J´Accuse“ zu sehen, neben Doku­menten, Uni­for­men und viele Karika­turen aus Zeitun­gen und Mag­a­zi­nen. Die meis­ten der 231 Stücke stam­men aus dem Besitz von Lor­raine Beitler, ein­er amerikanis­chen Erziehungswis­senschaft­lerin, die seit 30 Jahren zur Drey­fus-Affäre sam­melt. Sie ist überzeugt, dass „diese Affäre kein Einzelfall ist, son­dern ein Denkmuster spiegelt“ , dass also ein solch­es Unrecht jed­erzeit wieder geschehen kann. Das soll auch die Ausstel­lung zeigen, und so war Beitlers Samm­lung schon in Paris oder Auschwitz zu sehen; und sie wollte sie auch gern in Deutsch­land zeigen. 

Als Elke-Vera Kotows­ki vom Mendel­sohn-Zen­trum davon hörte, war sie begeis­tert. Im Okto­ber 2004 bot sie eine Lehrver­anstal­tung an: „Die Drey­fus-Affäre, ein Ausstel­lung­spro­jekt.“ Zwölf Stu­den­ten fan­den sich zusam­men, sog­ar in den Semes­ter­fe­rien arbeit­eten sie an dem Pro­jekt – und ergänzten die Schau auf eigene Kosten: Im Inter­net ersteigerten sie zum Beispiel das Film­plakat zum Drey­fus-Film von 1930, mit Hein­rich George als Emile Zola. Gestern Abend sollte die Ausstel­lung eröffnet wer­den – pünk­tlich zum 70. Todestag von Alfred Dreyfus. 


Haus der Bran­den­bur­gisch-Preußis­chen Geschichte, Am Neuen Markt 9, Pots­dam. Bis 19. August, täglich außer mon­tags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr. Ein­tritt frei. Anschließend wird die Ausstel­lung in Berlin zu sehen sein. Anmel­dung für kosten­lose Führun­gen unter Tel. 0331/28094–0. Weit­ere Infor­ma­tio­nen im Inter­net unter www.hbpg.de

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