12. Juli 2005 · Quelle: Frankfurter Rundschau

Straftat mit Ansage

Umweltschützer wollen Gen-Mais im Natur­park vernichten

In Nacht-und-Nebel-Aktio­nen ver­wüstete Gen-Felder gab es in der Ver­gan­gen­heit immer wieder. Nun haben süd­deutsche Gen­tech­nik-Geg­n­er erst­mals die Ver­nich­tung eines Mais-Ack­ers in Straus­berg bei Berlin im Voraus angekündigt, samt Zeit­punkt, Parzelle — und Namen der Täter.

VON STEPHAN BÖRNECKE

Frank­furt a. M. · 12. Juli · Michael Grolm macht nicht den Ein­druck, ein ver­wirrter Men­sch zu sein. Der 33-jährige Beruf­simk­er aus Wurm­lin­gen bei Tübin­gen weiß genau, was er tut, wenn er für den 31. Juli im Natur­park Märkische Schweiz eine Straftat ankündigt: Zusam­men mit min­destens 250 Gle­ich­gesin­nten will der Agrarin­ge­nieur mit­tags gegen 14 Uhr von Straus­berg aus zu einem zwei Kilo­me­ter lan­gen Spazier­gang auf­brechen, der ihn in der Gemarkung Hohen­stein zu einem zehn Hek­tar großen Mai­sack­er führt.

Wenn die Polizei, bei der Grolm seine Aktion “Gen­dreck weg” rechtzeit­ig anmelden will, es nicht ver­hin­dert, wollen die Umweltak­tivis­ten das Feld gezielt “unbrauch­bar” machen, es “zer­stören” und “befreien”. Der Grund: Dieser Ack­er ist eingesät mit gen­tech­nisch verän­dertem Mais der Sorte Mon 810, nicht zu Ver­such­szweck­en, son­dern im kom­merziellen Anbau. Das äußerst umstrit­tene Gen-Kon­strukt Mon 810 darf zwar hier zu Lande in begren­ztem Umfang ange­baut wer­den, ist aber in mehreren EU-Län­dern ver­boten, darunter Ungarn und Österreich.

Für Grolm und seine Mit­stre­it­er ist die “Feld­be­freiung” eine “Demon­stra­tion zivilen Unge­hor­sams”, eine Art Notwehr gegen eine aus ihrer Sicht anders nicht mehr zu stop­pende, unheil­volle Entwick­lung. Nur “couragiertes”, aber “gewalt­freies” Ein­schre­it­en, so der Imk­er, könne vor einem unwieder­bringlichen Ver­lust der Arten­vielfalt, vor ein­er Einen­gung der Ernährungsmöglichkeit­en des Men­schen und vor unab­se­hbaren Fol­gen für die Natur bewahren.

An eine Koex­is­tenz von gen­tech­nis­ch­er, kon­ven­tioneller und ökol­o­gis­ch­er Land­wirtschaft glaube er nicht, sagt der Beruf­simk­er: “Die Bienen wer­den den Pollen von A nach B tra­gen” und für eine Ver­bre­itung der Gen­tech­nik sor­gen. Das werde er zu allererst an seinem Honig merken: “Die Bienen fliegen auch Mais an”, nehmen dort zwar keinen Nek­tar, aber Pollen auf. Wie er dann seine Pro­duk­te frei hal­ten solle von gen­tech­nisch verän­derten Organ­is­men, sei ihm schleier­haft. Zudem sei bis heute völ­lig ungek­lärt, ob der Gen-Mais nicht auch den Bienen schade. Als beson­ders per­fide sehe er den Gipfel der Entwick­lung an, der in den USA bere­its erre­icht sei: Dort wür­den kon­ven­tionelle Farmer, in deren Ernte sich Spuren trans­gen­er Kon­struk­te befän­den, zur Zahlung ein­er Lizen­zge­bühr genötigt.

Schaden­er­satz für dem Landwirt

Um die schle­ichende Verseuchung der Land­schaft zu stop­pen, nimmt Grolm eine “Straftat bewusst” in Kauf. Der Agrarin­ge­nieur ver­weist auf ähn­liche Aktio­nen in Frankre­ich und will im Zweifel seine Argu­mente im Gerichtssaal vor­tra­gen. Der betrof­fene Land­wirt soll als kle­in­stes Glied der Kette allerd­ings keinen echt­en Schaden erlei­den: Den Wert der Ernte von rund 1000 Euro je Hek­tar wolle man ihm ersetzen.

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