15. Juni 2005 · Quelle: Berliner Zeitung

Die falsche Hymne zur Siegerehrung

NUNSDORF. Es sollte ein ehren­hafter Abschluss bei den Deutschen
Meis­ter­schaften der Vier­spän­ner in Nuns­dorf (Tel­tow-Fläming) wer­den. Die
Siegerehrung. Die Reit­sportver­ant­wortlichen standen bereit,
Feuer­wehrmän­ner hissten die Fahne. Dann sollte die Nationalhymne
abge­spielt wer­den. Doch statt “Einigkeit und Recht und Frei­heit”, die in
der Bun­desre­pub­lik als Nation­al­hymne gel­tende dritte Stro­phe des “Liedes
der Deutschen”, dröh­nte am Son­ntag “Von der Maas bis an die Memel” durch
die Are­na — die als Hymne ver­botene erste Stro­phe des Deutschlandliedes.
Erst, als die zweite Stro­phe begann, griff endlich jemand ein:
SPD-Bun­destagsab­ge­ord­neter Peter Danck­ert, zugle­ich Präsi­dent des
Bran­den­burg­er Reiterverbandes. 

“Ein extrem ärg­er­lich­er Zwis­chen­fall”, sagte Danck­ert am Dien­stag. Es
habe Fas­sungslosigkeit bei der anwe­senden Fahrsportelite, einschließlich
Bun­de­strain­er und dem olymp­is­chen Fachkomi­tee geherrscht. Pfiffe und
Buhrufe wur­den laut. “Erst als ich denen im Richter­turm ärgerliche
Handze­ichen gegeben habe, wurde der Ton abge­dreht”, so Danck­ert. Nun ist
die Staat­san­waltschaft in Pots­dam am Zuge. “Wir prüfen, ob es sich um
eine Straftat han­deln kön­nte, etwa um die Verunglimp­fung von Symbolen”,
so Sprech­er Jörg Wagner. 

CD mit drei Versionen 

Turnier­leit­er Rudolf Tem­po­ri­ni sagte, es sei schlichtweg eine
Nach­läs­sigkeit gewe­sen. “Ohne jeglichen poli­tis­chen Hin­ter­grund.” Er
habe einen Mitar­beit­er beauf­tragt, eine CD mit der Nation­al­hymne zu
kaufen. Doch die CD habe ein Med­ley enthal­ten — völ­lig ungeeignet für
eine Siegerehrung. Daraufhin habe sich ein 19-jähriger Pfer­de­fan bereit
erk­lärt, die Hymne aus dem Inter­net herun­terzu­laden. “Er hat mir dann
eine CD mit drei Ver­sio­nen gegeben, die ich dem Sprech­er der
Ver­anstal­tung über­lassen habe. Obwohl der ja selb­st eine CD mit der
Nation­al­hymne hat”, sagte Tem­po­ri­ni. Bei der Siegerehrung habe der
Sprech­er, ein Ver­sicherungsvertreter aus Nor­drhein-West­falen, bemerkt,
dass seine CD im Auto liegt. “Da es schnell gehen musste, schob er die
gebran­nte CD in den Play­er. Der Rest ist bekan­nt. Ein unerfreulicher
Vor­fall”, so Temporini. 

Bun­destagsab­ge­ord­neter Danck­ert geht davon aus, dass die Veranstalter
über die Stro­phe eben­so über­rascht und “stock­sauer wie ich” waren. Am
näch­sten Woch­enende find­et in Bran­den­burg ein Reit­turnier mit
Jugendlichen aus zehn Län­dern statt. “Für mich ist das, was passiert
ist, eine Lehre. Ich werde mir alle zehn Nation­al­hym­nen vor­ab anhören.
Ein­schließlich der deutschen”, sagte Danckert.

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