28. Januar 2005 · Quelle: MAZ

Die Lage des Heims bietet auch Schutz”


Brücke soll Asyl­be­wer­ber­heim mit Per­leberg verbinden / Abstand zwischen
Bewohn­ern und Bürg­ern bleibt

(MAZ, Andreas König) PERLEBERG Die Adresse lautet Eich­hölz­er Weg, und das ist wohl der
fre­undlich­ste Name, der dem Asyl­be­wer­ber­heim in Per­leberg gegeben wird. Der
Awo-Sach­bere­ich­sleit­er Migra­tion Gerd Biele­feldt, der auch das Heim im Wald
leit­et, und die Prig­nitzer Aus­län­der­beauf­tragte Bär­bel Schmidt wis­sen das.
Sie sitzen im Büro des Heim­leit­ers und ver­suchen, sich die Begriffe ins
Gedächt­nis zu rufen, mit denen das neue Zuwan­derungs­ge­setz Aus­län­der und
ihre Prob­leme bezeichnet. 

Gerd Biele­feldt hätte sich gewün­scht, dass der erste Entwurf des
Zuwan­derungs­ge­setz durchge­gan­gen wäre. “Da hätte man bessere Chan­cen zur
Inte­gra­tion der Aus­län­der gehabt”, meint er. Nun aber trage das Gesetz die
Hand­schrift der CDU und biete vor allen bei den Deutschkursen für Ausländer
weniger Möglichkeit­en. Vor allem die Unter­schei­dung zwischen
Asyl­berechtigten — nach neuer Lesart Aufen­thalts­berechtigte — und
Asyl­be­wer­bern schaffe Prob­leme, weil erstere zur Teil­nahme an einem
Inte­gra­tionskurs berechtigt sind und die Asyl­be­wer­ber nicht. “Wir bieten
über die Regionale Arbeitsstelle für AUs­län­der­ar­beit bieten schon seit
Jahren einen kosten­losen Deutschkurs für Asyl­be­wer­ber im Per­leberg­er an und
wollen das auch kün­ftig tun”, sagt Bär­bel Schmidt. “Aber gewollt ist das
nicht.” 

Dieser Satz kön­nte als Mot­to über der Aus­län­der­poli­tik in Deutschland,
Bran­den­burg und der Prig­nitz ste­hen. Es verge­ht kaum ein Gespräch über die
schwierige wirtschaftliche Lage, in dem nicht beklagt wird, was für die
Aus­län­der alles getan wird und für die Deutschen nicht. Selb­st die
Notwendigkeit der Spenden für die Flu­topfer wird angezweifelt. “Natür­lich
ist das ungerecht”, meint Gerd Biele­feldt. “Aber durch die Hartz-IV-Gesetze
wird die Nei­d­diskus­sion noch stärk­er geschürt.” Und die Ausländerbeauftragte
ergänzt: “Viele glauben doch, die Asyl­be­wer­ber haben hier draußen goldene
Wasserhähne.” 

Was aber bekom­men die Bewohn­er denn nun wirklich? 

“Zunächst ein­mal erhält der Haushaltsvor­stand oder allein stehende
Asyl­be­wer­ber nur Warengutscheine”, erläutert Gerd Biele­feldt. Das sind zwei
Gutscheine monatlich zu 80 und 75 Euro. Hinzu kom­men zweimal 20 Euro
Taschen­geld. “Das dient aber dazu, am Asylver­fahren mitzuwirken, also
Pass­bilder machen zu lassen, Über­set­zun­gen anzu­fordern, zu Kopieren, Faxen
und Tele­fonieren.” Alles in allem bekommt ein Asyl­be­wer­ber 80 Prozent des
ehe­ma­li­gen Sozial­hil­fe­satzes. Für Essen und Trinken, Klei­dung und Wäsche
müssen die Heim­be­wohn­er selb­st aufkom­men. Hinzu kommt die Residenzpflicht ,
mit der die Asyl­be­wer­ber an den Land­kreis Prig­nitz gebun­den sind.
Uner­laubtes Ver­lassen wird mit Ord­nungsstrafen von rund 50 Euro geah­n­det, im
Wieder­hol­ungs­fall ermit­telt der Staat­san­walt. Und was ist mit dem Vorwurf,
sie näh­men den Deutschen die Arbeit weg? “Das geht gar nicht. Mal davon
abge­se­hen, dass es ja kaum Arbeit gibt”, meint Bär­bel Schmidt, “sie erhalten
eine Arbeit­ser­laub­nis früh­estens nach 36 Monat­en, aber nur, wenn sie ein
Schreiben vom poten­ziellen Arbeit­ge­ber vor­legen kön­nen, und wenn kein
Deutsch­er, kein EU-Bürg­er oder Asyl­berechtigter für die Stelle zur Verfügung
ste­ht, also prak­tisch nie.” 

Gerd Biele­feldts Büro im baufäl­li­gen Plat­ten­bau besitzt eine Tür, die von
außen nur per Schlüs­sel zu öff­nen ist, die Woh­nungstür beste­ht aus Metall.
Ihm ist bewusst, dass die Lage im Wald nicht dazu beiträgt, die Bewohn­er zu
inte­gri­eren. Aber er gewin­nt dem auch etwas Gutes ab. “Die Asylbewerber
fühlen sich hier sich­er. Die ein­same Lage ist auch ein gewiss­er Schutz.” Der
Bau der Fußgänger­brücke diene vor allem dazu, dass die Bewohn­er gefahrlos
über die Auto­bahn ähn­liche Schnell­straße gelangen. 

Die Brück­en­bauar­beit­er aus Havel­berg wis­sen schon, wie der Eichchölz­er Weg
genan­nt wird: “Bim­bostraße”. Manch­mal kön­nen fehlende Sprachken­nt­nisse ein
Segen sein.

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