22. Februar 2004 · Quelle: MAZ

Die Rechten machen neuerdings auf links

15 Zuhör­er bei Infor­ma­tion­s­abend im Mit­ten­drin über Neon­azis im Land

NEURUPPIN — Mit welchen Meth­o­d­en Neon­azi-Strate­gen ver­suchen, den Ein­fluss der recht­en Szene im Land Bran­den­burg zu stärken, war am Don­ner­stagabend The­ma im Neu­rup­pin­er Jugend­pro­jekt “Mit­ten­drin”. “Keine Ent­war­nung”, proklamierte Ref­er­ent Sven Biczyk, der aus Pots­dam für den Jugend­ver­band “Jungdemokrat­en / Junge Linke” angereist war. Die Anzahl rechter Gewalt­tat­en sta­bil­isiere sich auf hohem Niveau, ide­ol­o­gisch sei eine weit­ere Radikalisierung zu beobachten. 

“In der Prig­nitz war dem lokalen NPD-Ver­band um Mario Schulz ihre eigene Partei noch nicht ras­sis­tisch genug”, so Biczyk. Der Ver­band löste sich auf, weil in Tri­er ein Bosnier für die Recht­saußen-Partei kan­di­dieren durfte. Mit­tler­weile hat sich eine Nach­fol­ge­or­gan­i­sa­tion gegrün­det, “mit klar nation­al­sozial­is­tis­chem Pro­fil”. In Belzig agi­tiert ein Neon­azi — ger­ade aus der Haft nach einem rechtsmo­tivierten Über­fall ent­lassen — für die “Nationale Aktion­s­ge­mein­schaft Freies Deutsch­land” und feiert mit Gesin­nungsgenossen Dat­en wie die Machtüber­nahme Hitlers 1933. 

Rechte treten bürg­er­fre­undlich auf

Im Nor­dosten des Lan­des ist indes eine Kam­er­ad­schaft unter dem Namen “Märkisch­er Heimatschutz” aktiv. Auf bis zu 50 Mit­glieder wird die Organ­i­sa­tion geschätzt, die bun­desweit bei recht­en Demon­stra­tio­nen wie jüngst in Dres­den mit­marschiert. “Diese Neon­azis haben kaum etwas zu tun mit dem Klis­chee vom betrunk­e­nen, dumpfen Nazi-Skin­head”, so Biczyk. Äußer­lich träten sie “bewusst bürg­er­fre­undlich” auf. Ihre Klei­dung sei an den Szene­dress eigentlich anti­ras­sis­tis­ch­er Jugend­kul­turen wie Hard­core oder HipHop angelehnt. 

Auch Palästi­nenser-Tüch­er, ehe­dem Sym­bol der Linken, ent­deck­ten Neon­azis inzwis­chen als modis­ches Acces­soire für sich. Selb­st­be­wusst werde auch das Inter­net genutzt. “Das sind mod­erne, zeit­gemäße Neonazis.” 

Unverän­dert sind lediglich die Inhalte. Doch auch hier werde zum Beispiel der Hass auf Juden “geschickt ver­packt in eine augen­schein­lich zivile Oppo­si­tion” zum Irakkrieg. “Nur für Eingewei­hte wird deut­lich, wie die Recht­en das meinen: Sad­dam has­ste Israel und die USA, die sehen sie als Vasall ein­er jüdis­chen Weltverschwörung.” 

Viele dif­fus Rechtsextreme

Am Ende der Ver­anstal­tung fragten die Zuhör­er im “Mit­ten­drin”, ob auch in Neu­rup­pin organ­isierte Neon­azis aktiv seien. Ref­er­ent Sven Biczyk wiegelte ab: Es gebe zwar viele “dif­fus recht­sex­treme Jugendliche und junge Erwach­sene”. Doch organ­isiert seien sie seit der Schließung des “Bunkers” vor vier Jahren kaum mehr und wür­den eher mit Pöbeleien als durch poli­tis­che Aktio­nen auffallen.

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