2. November 2006 · Quelle: Opferperspektive e.V.

»Die Schreie haben mich nicht interessiert«

Am Dien­stag, den 7. Novem­ber 2006, wird das Amts­gericht Fürsten­walde wahrschein­lich das Urteil im so genan­nten Stadt­park-Prozess sprechen. Vier Angeklagten wird ein Über­fall auf alter­na­tive Jugendliche im Juni 2005 vorge­wor­fen. Die Ver­hand­lung begin­nt um 9 Uhr.

In bish­er sechs Ver­hand­lungsta­gen wurde das Tat­geschehen vom 18. Juni 2005 weit­ge­hend rekon­stru­iert. Danach kam es gegen 19 Uhr zu einem ersten Zusam­men­tr­e­f­fen der Recht­en mit den Punks, die wegen ihrer Musik als »Scheiß Zeck­en-Pack« beschimpft wur­den. Nach diversen Zeu­ge­naus­sagen sollen Den­ny E. (25) und Ronald H. (22) dann vom Fahrrad aus im Vor­beifahren zwei der Punks geschla­gen haben. Die Gruppe der alter­na­tiv­en Jugendlichen traf sich im Stadt­park, um den 16. Geburt­stag von Michael S. zu feiern. Hier kam es zu weit­eren Pro­voka­tio­nen, die Recht­en riefen »Sieg Heil« und »Ver­pisst euch, das ist unser Land«. Kurz vor Mit­ter­nacht griff eine siebenköp­fige Gruppe Rechter die verbliebe­nen Linken an. Sie schlu­gen mit Bier­flaschen zu und trat­en auf die Opfer ein. Nicole Sch. (20) soll sich dabei beson­ders her­vor­ge­tan haben. Nach der Zeu­ge­naus­sage des Opfers, Eric P., trat ihm Nicole mehrmals mit­ten ins Gesicht. Eric P.s Gesicht war von tiefen Schnit­ten durch­zo­gen, auch Michael S. wurde schw­er ver­let­zt. Dann nah­men die Recht­en die Ver­fol­gung weit­er­er Alter­na­tiv­er auf. Karsten K. (24) soll später damit geprahlt haben, er habe »Punks den Hals aufgeschlitzt«.

Für Prozess­beobachter erschreck­end war, welche Gefühlskälte und Men­schen­ver­ach­tung einige der Täterzeu­gen zur Schau stell­ten. Der ehe­ma­lige Wach­schützer Tomasz D. (23), der sich mit­ten in der Prügel­gruppe befand, will nichts gese­hen haben – »Die Schreie haben mich nicht inter­essiert.« Im Gerichtssaal trug er einen Schlüs­se­lan­hänger des recht­sex­trem­istis­chen »Heimat­bun­des Pom­mern«. Inter­es­sant waren auch die zum Vorschein gekomme­nen Verbindun­gen zur NPD. Während ein Teil der recht­en Clique im Stadt­park ein Besäuf­nis beg­ing und dann prügelte, begab sich ein ander­er Teil zum NPD-Kad­er Den­ny B. – zum »Feiern«.

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