31. August 2002 · Quelle: Inforiot

Die Stadt gehört uns!

NEURUPPIN Bei ein­er mobilen Reclaim the Streets Par­ty in Neu­rup­pin feierten am Sonnabend 60 Men­schen alter­na­tive Lebensen­twürfe und linke Politk. Bunt verklei­det und lär­mend zogen die Teil­nehmerIn­nen rund zwei Stun­den lang durch große Teile des Stadt­ge­bi­etes: das Touri-lastige See­vier­tel, das Neubauge­bi­et und auch ein­mal rund um die Polizei­wache. Zum Erstaunen aller zeigte die Polizei übri­gens kein­er­lei Inter­esse an der (nicht angemelde­ten und auch nicht öffentlich angekündigten) Spon­tan­par­ty.

Die Pas­san­tInnen wur­den zur am Abend staffind­e­nen 9‑Jahres-Par­ty des Neu­rup­pin­er Alter­na­tiv­cafés Mit­ten­drin ein­ge­laden; Mel­o­nen­stückchen, poli­tis­che und sub­kul­turelle Lit­er­atur sowie Flug­blät­ter wur­den verteilt. Inhaltlich wurde u.a. dazu aufge­fordert, die Wahlzettel bei den Bun­destagswahlen ungültig zu machen (sin­ngemäß: “Regiert zu wer­den, egal von wem, ist Scheiße!”) und die Wichtigkeit alter­na­tiv­er Kul­tur — ger­ade im Anti­nazi-Kampf in Bran­den­burg — her­vorge­hoben.

Vorneweg lief eine Pink/Sil­ver-Tanz­gruppe, dahin­ter eine Sam­ba­band und anschließlich viele wilde Gestal­ten: ein klein­er Nack­t­block, Fig­uren wur­den umhergeschoben, jongliert, ein Mini-Soundsys­tem im Kinder­wa­gen, ein Krach­mo­bil, …

Die Reak­tio­nen der Pas­san­tInnen waren, von eini­gen Pöbeleien abge­se­hen, über­wiegend pos­i­tiv und aufgeschlossen. Wer­mut­stropfen: Einige glaubten in der Reclaim the Streets Par­ty eine Art Gen­er­al­probe für den eine Woche später stat­tfind­e­nen Bran­den­burgtag erkan­nt zu haben.

Im fol­ge­nen doku­men­tieren wir Auszüge aus einem bei der Parade verteil­ten Flug­blatt. In eini­gen Tagen fol­gen an dieser Stelle Fotos von der Aktion.

Spaß und Poli­tik


Sie fra­gen sich vielle­icht ger­ade, was dieser ver­rück­te Umzug soll, der Ihnen ger­ade über den Weg gelaufen ist. Nun, wir sind alter­na­tive Jugendliche und Erwach­sene, die zeigen wollen, was unsere Kul­tur zu bieten hat, wie vielfältig, kon­tro­vers, spaßig und auch ein­fach lustig sie sein kann. Schließlich gibt es uns auch in Neu­rup­pin: Wir zeigen hier Präsenz und demon­stri­eren alter­na­tives Leben, zeigen, dass wir einen anderen All­t­ag bieten kön­nen.

Übri­gens feiert heute Abend das Alter­na­tiv­café Mit­ten­drin seinen neun­ten Geburt­stag — Sie sind gerne ein­ge­laden, mitzufeiern.

Da in drei Wochen die Bun­destagswahlen anste­hen, geht die Kan­zler­frage durch alle denkbaren Massen­me­di­en. Wir gren­zen uns von Parteien ab, da wir nicht als “die Jugend von Partei XY” ange­se­hen wer­den möcht­en. Wir trauen uns zu, uns zu organ­isieren und selb­st­bes­timmt (ohne Chefe ähn­lichem Quatsch) ein Leben jen­seits von kap­i­tal­is­tis­chem Konkur­ren­z­denken zu find­en.

Das REIZ dient mit­tler­weile als Jugendtr­e­ff. Wir find­en es fade und per­spek­tiv­los, den ganzen Tag in einem Einkauf­szen­trum herumzusitzen. In Neu­rup­pin gibt es abseits stumpfer Kon­sum-Kul­tur nette Tre­ffs wie zum Beispiel die Junge Gemeinde (Bre­itschei­d­str. 34), das Mit­ten­drin (Schinkel­straße 15a) oder das Tas­ca (Am Neuen Markt), die wir hier­mit empfehlen möcht­en. Als erfreulich bew­erten wir die in Neu­rup­pin langsam zusam­men­schrumpfende Naziszene. Das ist eine tolle Entwick­lung, doch der Kampf gegen Ras­sis­mus und Unter­drück­ung ist nicht zu Ende und geht selb­stver­ständlich weit­er.

Die Tromm­lerIn­nen, Tänz­erIn­nen und andere AkteurIn­nen zeigen Ihnen, dass alter­na­tive Kul­tur Spaß und auch Sinn macht. Diese so genan­nte “Pink and Sil­ver” Per­for­mance wird auf vie­len Aktio­nen (etwa bei Protesten gegen Tre­f­fen neolib­eraler Organ­i­sa­tio­nen wie der WTO oder der Welt­bank) ange­wandt.

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