21. Januar 2005 · Quelle: MAZ

Don’t marry, be happy!

Zahl der Eheschließun­gen in Pritzwalk gestiegen

PRITZWALK (Her­bert Jeske) Ein “Nein” bei der Zer­e­monie hat Mar­git­ta Grem­blews­ki bis­lang noch nie erlebt. “Zum Glück”, sagt die Pritzwalk­er Standes­beamtin. Sie traut bere­its seit 1986 Paare und legt Wert auf einen feier­lichen Rah­men. Der wurde im ver­gan­genen Jahr 71 Heiratswilli­gen im Pritzwalk­er Rathaus ange­boten. Dann ertönt oben im Trauz­im­mer leise Musik, die Standes­beamtin hält eine per­sön­liche Rede und sagt den entschei­den­den Satz: “Sind Sie gewil­lt die Ehe einzuge­hen, dann antworten Sie mit Ja.” Das “Ja” muss bei bei­den dann allerd­ings deut­lich hör­bar sein. Son­st fragt die Standes­beamtin nach. 

Dabei ist außer diesem Satz heutzu­tage nicht mehr viel zum Heirat­en erforder­lich. Wed­er Ver­lobungszeit noch Trauzeu­gen sind nötig. Die Standes­beamtin spricht das Paar zwar auch heute noch als “Ver­lobte” an, doch das ist nur die vorgeschriebene Anrede. 

Der Bund fürs Leben kön­nte auch parterre im Amt­sz­im­mer geschlossen wer­den. Vor­mit­tags anmelden, nach­mit­tags heirat­en: Möglich wäre das, wenn es sich um Pritzwalk­er han­delt, deren Stam­m­dat­en im Rathaus vor­liegen. Auch die Namenswahl ist heute völ­lig frei. Er kann ihren Namen annehmen, sie den seinen. Jed­er kann auch weit­er­hin den eige­nen behal­ten — oder ihn zu einem Dop­pel­na­men zusammensetzen. 

Aber die Paare wollen nach wie vor das Tra­di­tionelle. In 94 Prozent der Fälle nimmt sie seinen Namen an. So war es im ver­gan­genen Jahr. Es wer­den weit­er gerne Ringe aus­ge­tauscht. Die lassen sich Paare auch mal von ihren Kindern reichen, wenn der Nach­wuchs schon groß genug ist. Und zum Abschluss der Zer­e­monie kommt der Kuss. “Die Trau­ung ist feier­lich geblieben”, sagt Mar­git­ta Grem­blews­ki. Fast 40 Prozent der Paare des ver­gan­genen Jahres kamen sog­ar von außer­halb: Sie woll­ten in der alten Heimat den Bund fürs Leben schließen. 

Im Amt­sz­im­mer gibt es jedes Mal ein Vorge­spräch. Das Paar wird nach seinen Wün­schen zum Ablauf der Trau­ung gefragt. “Wir gehen soweit möglich darauf ein.” Arbeit­ge­ber der Standes­beamtin­nen ist die Stadt Pritzwalk. Die sei flex­i­bel, freut sich Mar­git­ta Grem­blews­ki: “Und wir haben Gleitzeit.” Auch eine Trau­ung am Sonnabend oder nach “Dien­stschluss” ist somit möglich. Nur son­ntags ist Ruhetag. 

Alle Son­der­wün­sche kön­nen jedoch nicht erfüllt wer­den. Beispiel­sweise im eige­nen Garten unter der alten Eiche zu heirat­en, erlaubt der Geset­zge­ber noch nicht. Andere Orte wie das Schloss Wolf­sha­gen kön­nten dage­gen eben­falls zum Trauz­im­mer wer­den. Die Räume müssen allerd­ings amtlich “deklar­i­ert” wer­den. Auf der Plat­ten­burg sind deshalb Hochzeit­en möglich. 

Mehr als die Hälfte der Paare gab sich “ledig” das Ja-Wort. Aber Ehen wur­den im ver­gan­genen Jahr auch wieder­belebt: Zehn Paare ehe­licht­en sich zum zweit­en Mal. Rund 50 Euro Gebühr sind Min­i­mum fürs amtliche Heirat­en. Dass es im ver­gan­genen Jahr im Ver­gle­ich zu 2003 ins­ge­samt neun Trau­un­gen mehr in Pritzwalk gab, ist zum Teil auch Hartz VI geschuldet. Die Paare wählen zum Beispiel wegen der Kranken­ver­sicherung den fes­ten Bund. Auch ältere Paare heirat­en. Dann spielt neben Zunei­gung mitunter eben­falls die gegen­seit­ige finanzielle Absicherung eine Rolle. 

Trotz­dem wollen die meis­ten Paare eine beson­dere Zer­e­monie. “Und wir sind zufrieden, wenn das Paar zufrieden ist”, sagt Standes­beamtin Gremblewski.

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