26. November 2004 · Quelle: Opferperspektive

Dorffeste in der Uckermark — “No-Go Areas” für Andersdenkende?

Am Dien­stag, den 30. Novem­ber 2004, find­et um 13:00 Uhr vor dem

Amts­gericht
Pren­zlau, Baus­tr. 37, Raum 110, ein Prozess gegen einen

Recht­sradikalen wegen Kör­per­ver­let­zung und recht­sex­tremer Pro­pa­gan­da

statt.
Der 23-jährige Ron­ny K. soll im Juni 2003 einen 15-jähri­gen

HipHop­per
bei einem Dorffest in der Uck­er­mark geschla­gen und gejagt

haben.

Für alter­na­tive Jugendliche, für Punks und HipHop­per sind Dorffeste in

Bran­den­burg
in der Regel “No-Go Areas”, beson­ders wenn sie in der

Uck­er­mark
liegen. Zu groß ist das Risiko, auf eine alko­holisierte

Clique Recht­sradikaler zu tre­f­fen, die den Platz für sich beanspruchen

und Ander­s­denk­ende vertreiben wollen. Ein unrühm­lich­es Beispiel dieser

Art
ist der kleine Ort Fli­eth-Stegelitz bei Tem­plin, unweit von

Pot­zlow.
Dort wurde in diesem Jahr eine Gruppe Punks, kaum dass sie

den Fest­platz betreten hat­te, ange­grif­f­en und ver­jagt. Im Jahr zuvor

passierte
das­selbe, zum Teil densel­ben Opfern. Eine Episode aus dem

Angriff des let­zten Jahres kommt jet­zt zur Ver­hand­lung.

Der
damals 15-jährige HipHop­per Kevin M. saß am 7. Juni 2003 mit

sein­er Fre­undin auf ein­er Bank am Rande der Tanzfläche, als sie hin­ter

sich “Heil Hitler”-Gegröle, “SA SS”-Rufe und Sprüche wie “Ob Ost, ob

West,
nieder mit der Zeck­en­pest” hörten. Plöt­zlich wurde ihm von

hin­ten
die Mütze vom Kopf gezo­gen, ein Recht­sradikaler, der ein

T‑Shirt
mit der Auf­schrift “Heil AIDS” und “Fuck Amer­i­ca” trug,

ver­set­zte ihm einen Kopf­s­toß. Kevin und seine Fre­undin ran­nten in ein

Feld, ver­fol­gt von ein­er größeren Gruppe Recht­sradikaler, die sie mit

Taschen­lam­p­en
sucht­en, doch es gelang ihnen, sich in Sicher­heit zu

brin­gen. In der Nähe wur­den zwei Punks ange­grif­f­en.

Das Erschreck­ende an diesen Angrif­f­en auf Dorffesten”,
so Kay Wen­del

vom Vere­in Opfer­per­spek­tive, “ist
die Gle­ichgültigkeit, mit der die

Anwe­sen­heit gewalt­tätiger Cliquen Recht­sradikaler geduldet wird. Wed­er

Festver­ant­wortliche
noch Fes­t­be­such­er greifen ein. Solange

Recht­sradikale
als “nor­male Jungs” ver­harm­lost wer­den, bre­it­en sich

nation­al
befre­ite Zonen” weit­er aus, bis Land­striche wie die

Uck­er­mark von Ander­s­denk­enden völ­lig gesäu­bert sind.”

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