24. Dezember 2002 · Quelle: verfassungsschutz

Drei Kleinaufmärsche

Lag es an der Kälte oder doch eher an man­gel­nder Moti­va­tion? 200 bis 400 Teil­nehmer hat­te der Organ­isator, der Ham­burg­er Neon­azi Chris­t­ian Worch, für die jüng­ste Demon­stra­tion am Sam­stag in Pots­dam angekündigt, kaum 80 kamen. Sie woll­ten Innen­min­is­ter “Schön­bohm in die Wüste schick­en” — so ihr Mot­to. Damit bestätigten sie freilich nur, dass Schön­bohms har­ter Kurs gegen Recht­sex­trem­is­ten die Richti­gen trifft.

Die frieren­den Kam­er­aden standen fast eine Stunde am Pots­damer Stad­trand herum, bevor sie sich gegen halb eins in Bewe­gung set­zten. Der beab­sichtigte Zug durch die Innen­stadt war ihnen ver­wehrt wor­den. Zwis­chenkundge­bung, Rück­marsch — kurz nach halb drei war alles vor­bei. Der “freie deutsche Wider­stand” ging ein Bier trinken.

Eine Woche zuvor hat­te es nicht bess­er für sie aus­ge­se­hen.

Immer nur ein kleines Häufchen

Zum 14. Dezem­ber waren gle­ich zwei recht­sex­trem­istis­che Demon­stra­tio­nen im Land Bran­den­burg angemeldet wor­den: eine in Teupitz, wieder von Worch, und eine in Neu­rup­pin, diese von der NPD.

Auch in Teupitz waren ange­blich 200 bis 400 Marschier­er erwartet wor­den, kaum 40 kamen. Sie protestierten dage­gen, dass ein geplanter Auf­marsch von “Helden­verehrern” am Volk­strauertag auf dem Wald­fried­hof Halbe ver­boten wor­den war.

Ein etwa gle­ich großes Grüp­pchen traf sich in Neu­rup­pin. Die NPD-Anhänger forderten die Wiedere­in­führung der Todesstrafe.

Bei­de Aufmärsche wur­den ver­di­en­ter­maßen kaum beachtet. Allen­falls einen Qua­si-Erfolg kön­nte die NPD ver­buchen: Die Neu­rup­pin­er Demon­stra­tion im kleinen Kreis lässt sich als Schu­lungsstunde abrech­nen. Denn da ein bre­it­eres Pub­likum für die NPD-Red­ner fehlte, sprachen diese auss­chließlich zu den eige­nen Leuten.

Demon­stra­tio­nen als Kam­pagne

Nach­dem Worch im August 2000 vor dem Bun­desver­fas­sungs­gericht mit sein­er Klage gegen ein Demon­stra­tionsver­bot Recht bekom­men hat­te, startete er eine regel­rechte “Demon­stra­tionskam­pagne”. Er und sein Gesin­nungskam­er­ad Stef­fen Hup­ka aus Sach­sen-Anhalt melde­ten immer wieder Demon­stra­tio­nen hier und dort an und set­zten sie gegen Ver­bote not­falls vor Gericht durch.

Als das Bun­desver­fas­sungs­gericht das Ver­bot der Halbe-Demon­stra­tion bestätigte, war das für Worch ein her­ber Rückschlag, gegen den sich der Aufzug in Teupitz nun wie ein trotziges und zugle­ich kläglich­es Auf­bäu­men aus­nimmt. Aber auch schon vorher war die Teil­nehmerzahl an den von Worch durchge­set­zten Aufzü­gen bun­desweit abge­bröck­elt. Die Mobil­isierungslust der meist jun­gen Nazi-Marschier­er ist offen­sichtlich aus­gereizt.

Demokratis­che Gege­nak­tio­nen nehmen zu

Der Wider­stand der Demokrat­en gegen recht­sex­trem­istis­che Aufmärsche nimmt hinge­gen zu. Der­weil die Neon­azis am Stad­trand von Pots­dam ent­lang­zo­gen, trafen sich mehrere Hun­dert Bürg­erin­nen und Bürg­er im Zen­trum der Lan­deshaupt­stadt zu ein­er Kundge­bung. Ihr Tenor: Recht­sex­trem­istis­che Aufzüge sind hier uner­wün­scht und wer­den nicht schweigend hin­genom­men!

Die Strate­gie der Polizei ging ein weit­eres Mal auf: Massen­schlägereien mit den unver­mei­dlichen Ran­dalier­ern aus dem link­sex­trem­istis­chen Spek­trum blieben aus. Den Antifa-Kämpfern, die auf die Neon­azis ein­dreschen woll­ten, versper­rten die Beamten den Weg zur Attacke.

Ein ander­er, gewalt­los­er Weg ste­ht im frei­heitlichen Rechtsstaat denen offen, die sich mit genehmigten Demon­stra­tio­nen von Recht­sex­trem­is­ten nicht abfind­en. Die Demon­stran­ten im Stadtzen­trum haben ihn mit ihrer Protestkundge­bung gewählt. In Teupitz und Neu­rup­pin hat ein weit­eres, oft eben­so wirk­sames Mit­tel geholfen: Die Recht­sex­trem­is­ten wur­den mit Nich­tach­tung ges­traft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Der Flüchtlingsrat Bran­den­burg, Jugendliche ohne Gren­zen und die Flüchtlings­ber­atung des Ev. Kirchenkreis­es Oberes Havel­land kri­tisieren die Unter­bringungspoli­tik im Land­kreis Ober­hav­el.
Pots­dam – Unter dem Mot­to „SOS an den EU-Außen­gren­zen! Pots­dam – ein sicher­er Hafen!?“ laden Ini­tia­tiv­en anlässlich des „Tag des Flüchtlings“ am 27.09.2019 zu einem Aktion­stag ein.
Im Gedenken an Micha tre­f­fen wir uns am Sam­stag den 31. August 2019 zu ein­er Gedenkkundge­bung um 17 Uhr am Stein der Inter­na­tionalen Brigaden „Tre­ff­punkt Freizeit“ in Pots­dam.

Opferperspektive

Termine für Potsdam

NSUwatch Brandenburg

Termine für Berlin

Netzwerk Selbsthilfe

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot