21. März 2002 · Quelle: Märkische Allgemeine

Dritter Prozess-Tag gegen Wittstocker Nazis

NEURUPPIN Der Staat­san­walt ist sehr dafür, den Lied­text öffentlich vorzule­sen. Und zwar nicht irgen­deinen Text, son­dern “Her­ren­rasse” von der Gruppe “Macht und Ehre”. Solche Musik wird nur in bes­timmten Kreisen gehört. Kreise, zu denen die vier Angeklagten gehören sollen.

Wegen gefährlich­er Kör­per­ver­let­zung, Haus­friedens­bruch und Sachbeschädi­gung müssen sich Sven K., Daniel und Den­nis E. sowie Karsten S. seit dem 5. März vor dem Neu­rup­pin­er Amts­gericht ver­ant­worten.

Die Staat­san­waltschaft hat diesen Sachver­halt ermit­telt: Am 20. Mai des ver­gan­genen Jahres hat­ten sich mehrere junge Män­ner, darunter die Angeklagten, in der Woh­nung von Den­nis E. in der Witt­stock­er Papen­bruch­er Chaussee getrof­fen. Es wurde Bier getrunk­en und rechts ori­en­tierte Musik gehört. “Ari­er, wir sind die Her­ren­rasse. Nur kor­rekt, nicht gelb, schwarz, braun gefleckt.” Und da fiel den Feiern­den Manuel G. ein.

Der far­bige Deutsche war häu­fig Gast bei Daniel A., der im sel­ben Haus wie Den­nis E. wohnte. Die Idee, dem “Neger eins auf die Fresse zu hauen”, kam auf. Sofort ran­nten sie in die vierte Etage. Der bere­its zu ein­er Jugend­strafe von drei Jahren und drei Monat­en verurteilte Den­nis Sch. war der Vor­re­it­er. Er stürmte als Erster nach oben. Manuel G. ret­tete sich durch einen Sprung vom Balkon. Daniel A. wurde auf sein Bett gestoßen und von einem der unge­bete­nen Besuch­er mehrfach ins Gesicht geschla­gen. Das hat­te der junge Mann am ver­gan­genen Ver­hand­lungstag aus­ge­sagt.

Die CD hätte nichts mit der Sache zu tun. Diese Auf­fas­sung ver­trat ein­er der Vertei­di­ger. Das sah der Staat­san­walt anders. Natür­lich sei diese Musik ein Indiz für Frem­den­feindlichkeit. Das hat­te auch der Jugen­drichter bei der Verurteilung von Den­nis Sch. als Moti­va­tion für die Tat straf­schär­fend gewürdigt.

Die Angeklagten, zwis­chen 21 und 23 Jahren alt, äußern sich nicht. Mit kurz geschore­nen Köpfen sitzen sie in ein­er Rei­he hin­ter ihren Vertei­di­gern. Sehr inter­essiert an ihrer eige­nen Ver­hand­lung scheinen zumin­d­est zwei von ihnen nicht zu sein. Sie beschäfti­gen sich lieber mit ihren Handys. Dabei haben alle vier schon Erfahrung mit dem Gericht. Gesessen hat Sven K. jedoch als Einziger: drei Jahre wegen Brand­s­tiftung.

Viel zur Aufk­lärung der Tat kon­nten die Zeu­gen gestern nicht beitra­gen. Der taub­s­tumme Michael O. war an jen­em Abend auch in der Woh­nung von Den­nis E. Er habe alles vergessen, ließ Michael O. dem Gericht durch den Gebär­den­dol­metsch­er sagen. Er wusste nur noch, dass er mit nach oben ger­an­nt war. Und dann nur zuschaute, wie Den­nis E. mit der Faust eine Türscheibe durch­schlug und Den­nis Sch. den Woh­nungsin­hab­er ver­prügelte.

Da die Anwälte der bei­den Opfer gestern ver­hin­dert waren, soll am kom­menden Mon­tag plädiert und ein Urteil verkün­det wer­den.

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