29. Januar 2005 · Quelle: Tagesspiegel

DVU wird “offensiver und provokativer”

(Michael Mara) Pots­dam — Die SPD hat vor jed­er Ver­harm­lo­sung der recht­sradikalen DVU gewarnt. Die bei der Wahl im vorigen Jahr erneut in den Land­tag einge­zo­gene Partei sei im Ver­gle­ich zur NPD nicht die “bessere und net­tere” recht­sex­treme Partei, als die sie sich darzustellen ver­suche, sagte Lan­des­geschäfts­führer Klaus Ness. Eine Studie der SPD-Land­tags­frak­tion über die DVU weise nach, dass diese das gle­iche “recht­sex­trem­istis­che Gedankengut” wie die NPD ver­bre­ite. Laut Ness gibt es “enge Ver­net­zun­gen” mit der NPD. Auch falle auf, dass die DVU in Bran­den­burg – offen­bar nach dem Vor­bild der säch­sis­chen NPD – inzwis­chen “offen­siv­er und pro­voka­tiv­er” agiere. 

Als Beispiel nan­nte Ness eine gestern von der DVU-Land­tags­frak­tion “nachge­holte” Kranznieder­legung im früheren Konzen­tra­tionslager Sach­sen­hausen. Am Don­ner­stag hat­te Gedenkstät­tendi­rek­tor Gün­ter Morsch auf Anre­gung von Land­tagspräsi­dent Gunter Fritsch (SPD) der DVU für die offizielle Gedenk­feier anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung des KZ Auschwitz Hausver­bot erteilt. Obwohl die DVU die Teil­nahme an solchen Feiern bish­er ablehnte, legte sie nun am Fre­itag demon­stra­tiv einen Kranz mit der Inschrift nieder: “Allen Opfern des KZ Sach­sen­hausen, auch Edmund Stadtler, Karl Hein­rich, Horst Graf von Ein­siedel, Hein­rich George, Emil Unfried, Otto Nerz, Erich Nehlhans”, die alle nicht von den Nazis, son­dern nach dem Krieg dort interniert wur­den. Die Gedenkstät­ten­leitung ließ den Kranz wieder ent­fer­nen, weil die DVU die Toten für ihre “revi­sion­is­tis­che Pro­pa­gan­da” miss­brauche. Sie ver­menge Opfer des KZ mit denen des späteren sow­jetis­chen Speziallagers. 

Ness sagte, dass die DVU sich zwar “unverdächtiger” als die NPD gebe. Doch sei hin­ter den Kulis­sen die “Vere­ini­gung” “schon in vollem Gange”. So näh­men die DVU-Frak­tionsvor­sitzende Liane Hes­sel­barth und Lan­deschef Sig­mar-Peter Schuldt an Ver­anstal­tun­gen der NPD im säch­sis­chen Land­tag teil. Auch habe Schuldt am 16. Jan­u­ar auf ein­er “Reichs­grün­dungs­feier” der bran­den­bur­gis­chen NPD aus Anlass des Jahrestages der Reichs­grün­dung von 1871 gesprochen. 

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass es DVU und NPD durch ihre Koop­er­a­tion punk­tuell gelin­gen könne, “weit­ere par­la­men­tarische Erfolge zu feiern”. Als Kon­se­quenz fordert Ness, die Aufk­lärung über die Hin­ter­män­ner, Meth­o­d­en und Ziele der DVU zu ver­stärken. Allerd­ings betonte er, dass es im Land­tag nur wenige inhaltliche Punk­te gebe, wo die Kon­fronta­tion mit der DVU lohne. Deshalb sollte es dort bei der Tak­tik bleiben: “Ignori­eren, wo möglich, und angreifen, wo nötig.” Auch Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) warnte gestern, man dürfe nicht jede Regung der DVU “so über­höhen, dass sie aufgew­ertet” werde. Ness sagte, dass die Auseinan­der­set­zung auch geführt wer­den müsse, um die Ver­net­zung von DVU und NPD offen zu legen. 

Da es in Teilen der DVU Vor­be­halte gegenüber der NPD gebe, sei eine Spal­tung nicht auszuschließen: “Prinzip­iell scheint es möglich, den Spalt­pilz in die DVU-Frak­tion zu tra­gen.” The­ma der Auseinan­der­set­zung müsse zudem sein, wie die Recht­sex­tremen “dem Land schaden”. Ness ver­wies auf Umfra­gen, wonach Frem­den­feindlichkeit und rechte Gewalt in Ost­deutsch­land Unternehmensentschei­dun­gen bee­in­flussten: Bei 11 Prozent der befragten Fir­men sei das bere­its der Fall gewe­sen, 28 Prozent schlössen es nicht aus.

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