12. April 2005 · Quelle: MAZ

Ein Engel wäre der Abschiedsgruß

POTSDAM Max Klaar gibt nicht auf. Der Vor­stand der Traditionsgemeinschaft
Glock­en­spiel (TPG) emp­fiehlt seinen Mit­gliedern zwar die Auflö­sung des
Vere­ins. Die für den orig­i­nal­ge­treuen Wieder­auf­bau der Garnisonkirche
gesam­melten Spenden sollen jedoch unter Obhut der eigens gegründeten
Stiftung Preußis­ches Kul­turerbe gemehrt und weit­er für das Bau­vorhaben in
der umstrit­te­nen Rein­form bere­it­ge­hal­ten wer­den: “Sollte es im Laufe der
Zeit möglich sein, die Forderun­gen der TPG doch noch durchzuset­zen, stellen
wir dazu das Kap­i­tal zur Ver­fü­gung”, heißt es im jüng­sten Rund­brief an die
Spender. 

Am Don­ner­stag soll der sym­bol­is­che Grund­stein für eine neue Garnisonkirche
geset­zt wer­den, die nach dem aktuellen und von der evan­ge­lis­chen Kirche
unter­stützten Konzept als Ver­söh­nungszen­trum genutzt würde. Anhänger des
65-Mil­lio­nen-Euro-Pro­jek­tes erhof­fen sich von diesem Tag einen großen Schub.
Noch sind wed­er das Bau­grund­stück noch die Finanzen klar. 

Doch Arag-Sprech­er Klaus Heier­mann, dessen Fir­ma auf dem Bau­grund das
Rechen­zen­trum ver­mi­etet, sagte gestern auf Anfrage, dass am Don­ner­stag eine
Lösung bekan­nt gegeben werde. Und Ober­bürg­er­meis­ter Jann Jakobs (SPD) sagte
gestern auf die Frage nach einem dazu erörterten Grund­stück­tausch mit der
Stadt, dass man “so gut wie vor der Eini­gung” stünde. Auch die
Spenden­samm­lung der vor einem guten Jahr mit dem “Ruf aus Potsdam”
gegrün­de­ten eige­nen Förderge­sellschaft für den Wieder­auf­bau soll am 14.
April pub­likum­swirk­sam eröffnet werden. 

Daneben hofft man weit­er auf das Ein­lenken eines Teils der mehr als 6000
TPG-Spender. Tat­säch­lich hat der TPG-Vor­stand in seinem Rund­schreiben allen
Adres­sat­en die Möglichkeit eingeräumt, ihre Spenden per Anweisung “für
andere his­torische Baut­en in Pots­dam” frei zu machen. Doch wird dies
deut­lich als zweitbeste Lösung dargestellt. Der Vor­stand set­zt demonstrativ
auf eine Poli­tik des lan­gen Atems: “Wir ver­trauen auf die Zeit; der Bau wird
lange dauern, wir sind davon überzeugt, dass Ihre Spenden noch mit ‚großer
Dankbarkeit von uns erbeten werden.” 

Die Förderge­mein­schaft will den Kirchen­bau bis zum 500. Jahrestag der
Ref­or­ma­tion am 31. Okto­ber 2017 schaf­fen. Auch für den Fall eines erfolgten
Wieder­auf­baus ohne die TPG find­en sich in dem Rund­schreiben Ideen: “Wir
kön­nten z.B. als fröh­lichen Abschieds­gruß an die Evan­ge­lis­che Kirche der
Pots­damer Niko­laikirchenge­meinde bei der ange­laufe­nen Ren­ovierung ihres
Gotte­shaus­es helfen und die Über­hol­ung eines der vier Engel, die außen die
Kirch­turmkup­pel rah­men, schenken. So wäre” — dies in kur­siv — “ein Engel für
St. Niko­lai unser Vorschlag, was wir als let­ztes dazu geben, wenn Sie
möchten.” 

Als ander­weit­ig unter­stützenswerte Pro­jek­te wer­den dann etwa das
Preußen­mu­se­um in Wus­trau, das Berlin­er Stadtschloss und der Königs­berg­er Dom
genannt.

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