4. September 2006 · Quelle: Antifaschistische Gruppen im Westhavelland

Ein Fußballturnier und die Würde des Menschen

Über einen ange­blichen “1:0” Sieg gegen die Stadt Rathenow schrieb ein “D.Reichert” unlängst auf der Bran­den­burg­er Sub­do­main der NPD — Inter­net­seite betr­e­ffs eines gerichtlich durchge­set­zten Fußball­turnieres am 2. Sep­tem­ber 2006 in der Havel­land­halle in Rathenow.

Die am 6. Juli 2006 unter der Beze­ich­nung “Turnier für Tol­er­anz” von einem Vere­in “Sports­fre­unde 06” angemeldete und auch als solche in der Region­al­presse bewor­bene Ver­anstal­tung sollte offen­bar durch eine frist­lose Kündi­gung des Mietver­trages am 30. August 2006 unter­bun­den wer­den, weil befürchtet wurde das Mit­glieder ver­boten­er Vere­ini­gun­gen straf­bare Hand­lun­gen bege­hen kön­nten.
Das Amts­gericht Rathenow hob jedoch diese Entschei­dung auf, da eine frist­lose Kündi­gung ange­blich gegen das im Bürg­er­lichen Geset­zbuch man­i­festierte Mietrecht ver­stoße.

Auch soll, laut NPD, kein Mit­glied des Vere­ines “Sportvere­ine 06” ein­er ver­bote­nen Vere­ini­gung anhören.

Ein Lokalter­min offen­barte, wie erwartet, jedoch das Gegen­teil. Vor und im Hal­len­bere­ich ver­sam­melten sich in der Zeit von 10 bis 15 Uhr neben Aktivis­ten und Sym­pa­thisan­ten des NPD Stadtver­ban­des Rathenow und der “Anti Antifa Rathenow” eben auch Mit­glieder der am 12. April 2005 durch das Bran­den­burg­er Innen­min­is­teri­um ver­bote­nen Kam­er­ad­schaft “Sturm 27”, darunter auch Per­so­n­en die erst vor kurzem wegen bru­taler Gewalt­de­lik­te vor Gericht saßen.
Eine Verdäch­ti­gung oder gar Diskri­m­inierung “Unschuldiger” wie “D.Reichert” in seinem Inter­ne­tar­tikel der Stadt, in Per­son Bürg­er­meis­ter Ronald Seeger (CDU), vor­würft ist allein schon somit wider­legt.

Endgültig wider­legt dürften damit aber auch die naiv­en Behaup­tun­gen von Bran­den­burgs Innen­min­is­ter Jörg Schön­bohm, wonach “beste­hende Struk­turen (der recht­en Szene) zer­stört” und “die Entste­hung neuer behin­dert” wurde. Längst haben sich Mit­glieder der ver­bote­nen west­havel­ländis­chen Kam­er­ad­schaften der sich lan­desweit im Wieder­auf­bau befind­lichen NPD ange­di­ent um so ihre Aktiv­itäten zu legal­isieren.
Die größ­ten­teils durch Gewalt — und Pro­pa­gan­dade­lik­te in Erschei­n­ung getrete­nen Ange­höri­gen der regionalen recht­sex­trem­istis­chen Szene ver­suchen sich zu dem sog­ar immer öfter in ihrem Selb­stver­ständ­nis als Opfer ein­er “Ver­schwörung” des von ihnen ver­achteten “BRD Sys­tems” darzustellen.

Unmit­tel­bar nach der Zustel­lung der frist­losen Hal­lenkündi­gung für das so genan­nte “Turnier für Tol­er­anz” verklebten so u.a. Mit­glieder der “Anti Antifa Rathenow” in der Nacht vom ver­gan­genen Don­ner­stag zu Fre­itag min­destens 216 Aufk­le­ber des recht­sex­trem­istis­chen “Wikingerver­sandes” und der NPD die unter anderem Parolen wie “Die Würde des Men­schen ist unan­tast­bar, es sei denn… Du Bist Deutsch­er“ oder “Schnau­ze voll” enthiel­ten. Die Polizei, ver­an­lasst durch das Ord­nungsamt Rathenow, ent­fer­nte daraufhin unge­fähr 50 dieser A6 bis A7 großen Pro­pa­gan­damit­tel am 1. Sep­tem­ber 2006 in Rathenow — Ost. Den überse­hen­den Rest, im gesamten Stadt­bere­ich, zerkratzten Antifas.

Zwar ist der “1:0 — Sieg” der NPD somit hin­fäl­lig, das “Spiel” jedoch noch lange nicht zu Ende. Es geht in die unbes­timmte und nicht ein­fache Ver­längerung, welche eine gute und kon­se­quente Tak­tik erfordert. Ein­mal mehr ist hier auch die Mehrheit der Rathenow­er Bevölkerung, die sich zu ein­er demokratis­chen und weltof­fe­nen Stadt beken­nt, gefragt.

Keine Freiräume für Nazis!

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