27. Januar 2005 · Quelle: MAZ

Ein Haar verliert fast jeder Täter

(FRED HASSELMANN) BELZIG Nach der Ermor­dung des Münch­n­er Modemach­ers Rudolph Mosham­mer geht der poli­tis­che Stre­it um die Recht­mäßigkeit und den Sinn ein­er weit­eren Aus­dehnung von DNA-Proben von Tatverdächti­gen weit­er. Auch dort, wo täglich mit Spuren gear­beit­et wird — bei den Krim­inal­tech­nikern der Polizei — wird die Diskus­sion aufmerk­sam verfolgt. 

Die offizielle Hal­tung ihres ober­sten Dien­s­ther­ren, CDU-Innen­min­is­ter Jörg Schön­bohm, deckt sich dabei zumeist mit ihren Erfahrun­gen vor Ort. Schön­bohm fordert die Ausweitung und Erle­ichterung der DNA-Analyse. “Sie muss über­all dort möglich wer­den, wo wir auch jet­zt schon Fin­ger­ab­drücke von Tatverdächti­gen nehmen”, so der Politiker. 

Auch für Krim­inal­tech­niker Dieter Zinke von der Belziger Polizei­wache ist eine DNA-Analyse kein größer­er Ein­griff in die Per­sön­lichkeit­srechte eines Tatverdächti­gen als die Abnahme von herkömm­lichen Fin­ger­ab­drück­en. “Sie ist auf jeden Fall sauber­er”, meint er. 

In der Ver­gan­gen­heit hat­ten er und seine Kol­le­gen während ihrer Ermit­tlun­gen zu Straftat­en im Fläming schon “einige Tre­f­fer”, wie sie sagen. So wur­den bere­its einige Ein­brüche aufgek­lärt, weil am Tatort Blut­spuren, Kip­pen oder auch ein­mal ein Haar sichergestellt wor­den waren. Deren Unter­suchung erbrachte konkrete Hin­weise auf Täter, die in einem anderen Zusam­men­hang schon ein­mal erken­nungs­di­en­stlich behan­delt wur­den und dabei auch frei­willig eine Spe­ichel­probe abgegeben hat­ten. Allerd­ings betont der Spezial­ist, dass ein DNA-Test nicht mit einem Gen-Test gle­ichzuset­zen ist, wie von Kri­tik­ern befürchtet wird. 

Auch sein Vorge­set­zter, Krim­i­nal­haup­tkom­mis­sar Lutz König, hebt her­vor, dass für krim­inal­tech­nis­che Belange lediglich der nicht codierte Bere­ich des Erb­ma­te­ri­als unter­sucht wird. 

Wie die bei­den Krim­i­nal­is­ten sagen, bedarf es derzeit erst eines richter­lichen Beschlusses, um von einem Tatverdächti­gen eine Spe­ichel- oder Blut­probe nehmen zu dür­fen. Obwohl Zinke glaubt, dass es aus Kosten- und Per­son­al­grün­den kaum real­is­tisch ist, von jedem kleinen Ganoven und von jedem Ladendieb eine DNA-Analyse machen zu lassen, reizt die Vorstel­lung schon, wie jet­zt im Fall Mosham­mer, den Täter beson­ders schnell zu über­führen, weil in der Ver­gan­gen­heit vom Täter eine Spe­ichel­probe genom­men und gespe­ichert wurde. 

Zinke ist sich sich­er, dass ein DNA-Test der Fin­ger­ab­druck des 21. Jahrhun­derts ist. Denn während jed­er halb­wegs intel­li­gente Krim­inelle inzwis­chen Hand­schuhe bei seinen “krum­men Dingern” benutzt, würde man fast immer irgend­wo ein Haar oder eine andere Spur vom Täter finden.

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