3. September 2014 · Quelle: Opferperspektive e.V.

Ein Verfahren voller Pannen – Hauptverhandlung im Verfahren gegen mutmaßlichen rechten Schläger muss wiederholt werden.

Über zwei Jahre haben sie auf den Prozesster­min warten müssen: fünf
junge Leute, die nach einem Punkkonz­ert im Sprem­berg­er Jugend­club Ere­bos
von recht­en Schlägern bru­tal über­fall­en wur­den. Ihr Auto wurde
zertrüm­mert, mehrere von ihnen ver­let­zt.
Was sie dann heute erleben mussten, hat­te phasen­weise absurde Züge: Gina
L. musste gegen dröh­nen­den Baulärm anre­den, als sie im Zeu­gen­stand von
den Erleb­nis­sen in der Nacht zum 12. Mai 2012 berichtete und von den
Alp­träu­men, die sie bis heute hat. Einen ruhigeren Raum könne das
Gericht nicht zur Ver­fü­gung stellen, so Rich­terin Mette.
Nach­dem alle Zeu­gen ver­nom­men waren, wurde klar: Für die Bew­er­tung des
einzi­gen Beweis­mit­tel, das gegen den Angeklagten vor­liegt, fehlt ein
abschließen­des Gutacht­en des Lan­deskrim­i­nalamtes. Nur das hätte
ein­deutig fest­stellen kön­nen, ob die Trittspuren am Auto übere­in­stim­men
mit den Schuhen des Angeklagten. Das Gutacht­en wird jet­zt in Auf­trag
gegeben. Wenn es vor­liegt, muss die heutige Ver­hand­lung kom­plett
wieder­holt wer­den. Bis es so weit ist, könne es lange dauern, kündigt
die Rich­terin an.
Aber nicht genug der Pan­nen – die Opfer hat­ten zum Schutz vor
Ein­schüchterungs- und Racheak­ten die Schwärzung ihrer Adressen in den
Gericht­sak­ten beantragt, die die auch der Angeklagte ein­se­hen kann. „Die
Anträge sind in die Akte ein­ge­ord­net wor­den, aber die Schwärzung hat
nicht stattge­fun­den“ beklagt die Anwältin, die Gina L. und Philipp K.
als Neben­klägerIn­nen ver­tritt.
Dass von mehreren Verdächti­gen über­haupt nur ein­er vor Gericht stand,
liegt an Ali­bis, die Ver­wandte und enge Fre­undIn­nen den anderen
Verdächti­gen gaben. Sie alle gehören zum harten Kern der Sprem­berg­er
recht­en Szene. Nach dem Über­fall wurde der Staatss­chutz anonym auf eine
Garage nahe dem Jugend­club Ere­bos aufmerk­sam gemacht. Hin­ter dem
unschein­baren Gara­gen­tor fand man bei der Durch­suchung den Prober­aum und
Kneipen­tr­e­ff ein­er „Nationalen Bewe­gung Sprem­berg“ vor, mit
Reich­skriegs­flagge, Rudolf-Hess-Plakat­en und den gesucht­en Schuhen an
den Füßen des Angeklagten.

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