13. November 2005 · Quelle: www.krasse-zeiten.org

Eindrücke vom “Tag der Demokraten” in Halbe

Am 12. Novem­ber 2005 hat Chris­t­ian Worsch rund 1500 Nazis nach Halbe gebeten, um dort am Sol­daten­fried­hof ein “Heldenge­denken” zu zele­bri­eren. Doch mehrere hun­dert Bürg­er, von CDU bis Linkspartei, von Grü­nen bis zur autonomen Antifa, haben ihnen einen Strich durch die Rech­nung gemacht. Die Lan­desregierung spon­sorte Stände und Shut­tle-Busse vom Park­platz zum Demo-Ort, eine all-inklu­sive Demo sozusagen. Und die Polizei half auch gerne mit. Denn die dachte gar nicht daran, die entschei­dende Kreuzung zu räu­men, son­dern ließ die Nazis in der Kälte frieren. Bis denen die Geduld aus­ging und sie sich ein Schar­mützel mit der Polizei liefer­ten.

Es ist auf jeden Fall ein neues Gefühl, wenn die Polizei bei der Vorkon­trolle nur fre­undlich fragt: “Sie wollen parken? Fahren sie da vorne runter und dann links, dann weisen sie die Kol­le­gen ein.” Und dann weisen einem tat­säch­lich ein paar Polizis­ten einen net­ten Park­platz zu — und an der Straße fahren kosten­los Busse in den Ort hin­unter, direkt hinein zum “Tag der Demokrat­en”. Staat­san­tifa at it´s best.

Die Stände sind die üblichen, von Linkspartei, Grü­nen und SPD über Parteis­tiftun­gen zu Bratwurst­stän­den bis zu CDU (mit Deutsch­land­fahne an der Wand), der Polizeigew­erkschaft und dicht daneben die “echte” Antifa.

Doch die meis­ten Leute inter­essierten sich weniger für diese Ange­bote, son­dern standen sich auf der entschei­den­den Kreuzung an der Lin­den­straße die Beine in den Bauch. Denn hier hät­ten die Nazis vor­bei gemusst, wenn sie denn kom­men hät­ten dür­fen, um zum Wald­fried­hof zu gehen.

Doch die Nazis standen stun­den­lang rund 500 Meter weit­er die Straße runter, hörten Lieder, die einem die Zehen­nägel ver­biegen, und rede­ten sich zu, dass die deutschen Sol­dat­en nun mal die besten der Welt gewe­sen seien, und man ihnen deshalb zu gedenken habe.

Doch mehr als eine Auf­stel­lung einzunehmen war nicht drin. Dann ließ die Polizei die Möchte­gern-Gedenker wieder warten, warten und warten — bis ihnen die Geduld aus­ging und ein großer Teil unter “die Straße frei der deutschen Jugend”-Rufen durch die ziem­lich dünne Polizeikette brach. Doch nach knapp 50 Metern war schon Schluss. Die Ord­ner brem­sten ihre Teil­nehmer eben­so wie die hinzugekommene Polizei-Ver­stärkung. Ein biss­chen Gedrän­gel, ein biss­chen Schieben, ein biss­chen Schla­gen — und dann war´s das.

Der “Recht­san­walt” Rieger erk­lärte dann den armen Nazis noch, dass dies natür­lich ein Ver­brechen des bösen Staates gewe­sen sei und die Polizis­ten vor Ort sich mal über­legen soll­ten, dass 1945 auch Men­schen bei den Nürn­berg­er Prozessen aufgeknüpft wor­den seien, die angegeben hat­ten, “nur ihre Pflicht” getan zu haben. Nach der abso­lut pein­lich­sten Intonierung aller drei Stro­phen der Nation­al­hymne von einem Möchte­gern-Sänger auf der Bühne war der Spuk dann auch vor­bei — und der Mob zog mit “Ruhm und Ehre der deutschen Wehrmacht”-Rufen gen Bahn­hof. Mal sehen, ob angesichts dieser gewalt­täti­gen Auss­chre­itun­gen von Rechts die Gerichte näch­stes Jahr dieses Nazi-Gedenken zulassen wer­den…

Der fol­gende Bericht ist von Krasse Zeit­en. Die Bilder sind hier zu betra­cht­en.

Weit­ere Bilder gibt es unter: Indy­media und unter www.adf-berlin.de

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