13. September 2011 · Quelle: Antifa Westhavelland

Eine kritischer Blick auf das Stadtfest 2011 in Rathenow

Verurteilter (neo)nazistischer Gewaltverbrecher als Einlasser / Provokationen durch (Neo)nazis am Samstagabend

Am ver­gan­genen Woch­enende ver­sam­melte sich die Rathenow­er Bürg­er­schaft wieder zum alljährlichen Stadt­fest in ihrem Optik­park um die alltägliche Sinnkrise, die See­len­losigkeit des Arbeit­slebens oder das von Depres­sio­nen geplagte Bewusst­sein in ein­er wirtschaftlich stag­nieren­den und soziokul­turell ster­ben­den Region durch Mal­lor­ca-Musik und noch mehr Alko­hol zu ertränken.

Wie üblich bei Gesel­ligkeit­en mit Alko­ho­lauss­chank und auss­chließlich deutschsprachigem Pub­likum, durfte auch hier die Avant­garde der lokalen Volksgemeinschaftromantiker_innen / Rassefanatiker_innen nicht fehlen. Früher nan­nte sich dieser berüchtigte Haufen „Hauptvolk“, heute agiert das braune Exkre­ment bzw. dessen Führungskad­er unter dem Label der NPD bzw. ein­er ihrer Unter­gliederun­gen.

(Neo)nazistischer Gewaltver­brech­er als Türste­her

Geän­dert hat sich wenig. Auch die Platzho­heit auf dem Fest­gelände ist ihnen gewährleis­tet, weil die Türste­her am Optik­park eben­falls dem „Hauptvolk“ nah­este­hen. Chris­t­ian Wendt, der nicht nur an diesem Abend, son­dern auch zu anderen Ver­anstal­tun­gen dort, den Posten des Ein­lassers inne hat, bekan­nte sich so beispiel­sweise bis 2005 durch entsprechende Klei­dung offen zu der mit­tler­weile ver­bote­nen Organ­i­sa­tion.

Doch dass ist nur die Spitze des Eis­berges. Wendt ist ein verurteil­ter Gewaltver­brech­er, der wed­er „an der Tür“, noch im Sicher­heits­gewerbe all­ge­mein etwas zu suchen hat. Am 11. Okto­ber 1998 über­fiel er mit weit­eren (Neo)nazis einen Reit­er­ball in Rhi­now und zer­drosch dabei einem bosnis­chen Türste­her mit ein­er Eisen­stange den Schädel. Das Opfer über­lebte die schwere Attacke nur knapp. Wendt wurde wegen ver­sucht­en Totschlags in Tatein­heit mit gefährlich­er Kör­per­ver­let­zung und Land­friedens­bruch recht­skräftig zu fünf Jahren Gefäng­nis verurteilt (1.), die er bis 2002 auch in ein­er JVA absaß. Noch im sel­ben Jahr arbeit­ete er dann aber bere­its schon für eine Secu­ri­ty – Fir­ma auf dem Dachs­bergfest in Prem­nitz (2.), wurde aber auf­grund sein­er durch Pres­sev­eröf­fentlichun­gen bekan­nt­ge­wor­de­nen unrühm­lichen Ver­gan­gen­heit dort nicht mehr einge­set­zt. Seit ger­aumer Zeit ist Wendt nun Türste­her in Rathenow.

The same Pro­ce­dure …

Mit solchen Ord­nern bzw. Sicher­heits­di­enst im Rück­en kann das lokale (neo)nazistische Milieu natür­lich aggres­siv­er agieren als son­st. Pro­voka­tio­nen, wie Pöbeleien und Rem­peleien, waren so nor­mal, Zivil­courage nicht denkbar.

Die Rathenow­er mögen die braunen Chaoten aus ihrer Stadt zwar nicht, wollen aber ander­er­seits auch sel­ber in Ruhe leben. Entsprechend hil­f­los agierte die lokale Polizei inkl. ihre Pseu­doson­dere­in­heit­en „gegen Rechts“, die den Sicher­heits­di­enst ver­stärk­ten. Um die ins­beson­dere am Sam­stag recht dom­i­nant auftre­tende, braune Horde und ins­beson­dere die Gift­spritzer aus der lokalen NPD Führungsebene nicht unnötig zu erzür­nen, wur­den dann die polizeilich zur Zurück­hal­tung ermah­nt, die sich die  Nar­ren­frei­heit des (neo)nazistischen Milieus nicht mehr bieten lassen woll­ten. Platzver­weise oder Hausver­bote für die braunen Pro­voka­teure wur­den hinge­gen nicht erteilt.

Faz­it

Rathenow hat früher auch gerne mal zum Stadt­fest Flagge gegen (Neo)nazis gezeigt. In diesem Jahr schienen jedoch eher die let­zt genan­nten ihre Fahne hochzuhal­ten.
Aber das muss sich ja nicht wieder­holen. Im näch­sten Jahr ist wieder ein Stadt­fest und dort kann sich wieder das demokratis­che Rathenow präsen­tieren, vielle­icht auch mit einem anderen Sicher­heits­di­enst und im Ide­al­fall ohne gewisse braune Dauer­stör­er.

Quellen:

1.) Märkische All­ge­meine Zeitung, „Sie gehörten zu den „Kinder­glatzen“,  Gericht­sre­port, 10. Juni 1999
2.) Antifaschis­tis­che Grup­pen im West­havel­land (Her­aus­ge­ber): „Recht­sex­trem­is­mus im West­havel­land – Jahres­rück­blick 2002“, Seite63

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