2. Mai 2005 · Quelle: LR

Einstiegslektüre für Rechtsextreme

«Landser» ‑Romane im Heron Buch­haus disku­tiert / Lehrer am The­ma nicht
inter­essiert

(LR, 30.4.) Obwohl alle Cot­tbuser Schulen informiert waren, stellte sich Don­ner­stag im
Heron Buchaus nicht ein Lehrer der Diskus­sion über die Kriegsro­man­rei­he «Der
Landser» . Dabei sprechen «die Krieg und Dik­tatur als ide­ale Lebens­form
propagieren­den Bände» beson­ders 15- bis 18-jährige Schüler an, so Dirk
Wilk­ing vom Mobilen Beratung­steam «Tol­er­antes Bran­den­burg» in seinem
nach­den­klich machen­den Vor­trag.

Landser sind mutig und treu, sie gehen auf in der Gemein­schaft der
Wehrma­chtssol­dat­en. Zum Beispiel die Jäger: «Sie geben ihr Let­ztes und
stem­men sich gegen einen über­mächti­gen Geg­n­er.» Oder die Pio­niere: «Sie
stürzen über wegge­wor­fene Gewehre, rasierklin­gen­scharf geschlif­f­ene Dolche
und alte Schrot­flinten, flitzen um die Eck­en und acht­en auf keine Gefahr.»
Der­lei Textpas­sagen gab es viele nachzule­sen, in den Landser-Heften, die
Dirk Wilk­ing vor sich aus­ge­bre­it­et hat­te. Es war nur ein kleines Häu­flein
Inter­essiert­er, das ges­pan­nt sein­er Analyse ein­er Lit­er­atur fol­gte, die für
«bil­dungss­chwache junge Män­ner» als Türöffn­er in die rechte Szene fungiert.
Geschickt, so der studierte Ger­man­ist Wilk­ing, ver­ste­hen es die Autoren, ein
nation­al­is­tis­ches Welt­bild zu insze­nieren, ohne dass sich der Ver­lag
juris­tisch angreif­bar macht. «Es wer­den keine ein­sti­gen Kriegsver­brech­er
glo­ri­fiziert, es find­en sich keine anti­semi­tis­chen Äußerun­gen.»

Landser-Hefte gibt es seit mehr als 50 Jahren. Unter den ersten Schreibern
waren ehe­ma­lige NSDAP-Mit­glieder, die im Pro­pa­gan­damin­is­teri­um gear­beit­et
haben, so Dirk Wilk­ing, der sich während des Studi­ums einge­hend mit den
Roma­nen beschäftigt hat. Mitte der Siebziger wurde «Der Landser» in den
alten Bun­deslän­dern auf öffentlichen Druck hin aus den Kiosken ver­ban­nt -
tauchte aber wenig später in Tankstellen in unver­min­dert hoher Auflage
wieder auf. Heute erre­icht «Der Landser» Woche für Woche rund 100 000 Leser.

Dirk Wilk­ing plädiert klar dafür, dass die Bun­de­sprüf­stelle für
jugendge­fährdende Schriften den Landser auf den Index set­zt. Seine Zuhör­er
wider­sprachen ihm da nicht — wed­er Roland Quos, Geschäfts­führer des
Heron-Buch­haus­es, noch Dr. Gerd-Rüdi­ger Hoff­mann von der
Rosa-Lux­em­burg-Stiftung, die Wilk­ing ein­ge­laden hat­te. Auch Gudrun Hib­sch
vom Vere­in Bücherei Sandow war ganz bei Wilk­ing: «Die Büch­er sind völ­lig
ohne Moral.» Demokratis­che Werte wür­den kom­plett negiert, ergänzte Hoff­mann.

Roland Quos kann sich allerd­ings nicht vorstellen, dass jet­zige
Landser-Leser nach einem Ver­bot ihrer Lieblingslek­türe plöt­zlich etwas
halb­wegs Gescheites lesen wür­den. Wilk­ing und Hoff­mann waren da
zuver­sichtlich­er. Als pack­ende Ersat­zlek­türe nan­nte Wilk­ing «Kirschen der
Frei­heit» von Alfred Ander­sch. Ein Roman, in dem ein Deser­teur der Held ist.
Hoff­mann ver­wies auf «Adres­sat unbekan­nt» von Kress­man Tay­lor, den
Briefwech­sel zwis­chen einem Deutsch­er und einem amerikanis­chen Juden in der
Hitlerzeit. Wilk­ing gibt außer­dem die Hoff­nung nicht auf, mit Landser-Lesern
auch in die Diskus­sion zu kom­men. Drei Vertreter eines Cot­tbuser Jugend­klubs
bezeugten hinge­gen wenig Lust, sich mit Landser-Lesern auseinan­der zu
set­zen.

Völ­lig unver­ständlich war den zehn Besuch­ern der Ver­anstal­tung, warum nicht
ein einziger Lehrer der Ein­ladung gefol­gt war.

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