8. Januar 2004 · Quelle: Grüne Brandenburg

Elite-Unis: Ohne Fundament keine Höhe

Lan­desvor­sitzen­der JOACHIM GESSINGER warnt vor Klassen­sys­tem im Hochschulsek­tor / “Wir brauchen eine bessere Förderung des vorhan­de­nen Poten­zials”

Zur Debat­te um den Auf­bau von “Elite-Uni­ver­sitäten” sagt der Lan­desvor­sitzende von
BÜNDNIS90/Die Grü­nen, Prof. Dr. JOACHIM GESSINGER:

“Der Vorschlag, in Deutsch­land Elite-Uni­ver­sitäten einzuricht­en, packt das Prob­lem
vom falschen Ende an. Wir brauchen keine neuar­ti­gen Hochschulen, son­dern eine
bessere Förderung des jet­zt schon vorhan­de­nen Poten­zials an Begabung, inno­v­a­tivem
Denken und wis­senschaftlich­er Kom­pe­tenz. Dazu gehört eine deut­liche Verbesserung der
Stu­di­enbe­din­gun­gen und die Förderung des wis­senschaftlichen Nach­wuch­ses. Hochschulen
dür­fen nicht länger, wie in Bran­den­burg, als nach­ge­ord­nete Lan­des­be­hör­den ohne
Gestal­tungsspiel­raum geführt wer­den, son­dern müssen als eigen­ver­ant­wortliche Akteure
ihre Struk­turen und Inhalte im Rah­men ihres Bil­dungs- und Aus­bil­dungsauf­trages
selb­st bes­tim­men kön­nen.”

“Es macht keinen Sinn, wenn die Län­der Hochschulen dauer­haft unter­fi­nanzieren und
der Bund die Förderung des Hochschul­baus herun­ter­fährt — gle­ichzeit­ig aber Geld in
aus­gewählte Uni­ver­sitäten gepumpt wird. Man erzeugt dadurch nur ein
Dreik­lassen­sys­tem im Hochschul­bere­ich — Fach­hochschulen, Masse­nu­nis und
ver­meintliche Nobel­preiss­chmieden. Es wird in Deutsch­land wie schon bei den neuen
Hochschu­la­b­schlüssen nur eine schlechte Kopie der USA geben — keine Ivy League à
la Yale, Har­vard oder Prince­ton, dafür eine Menge deklassiert­er shit halls.”

“Das Ergeb­nis wird ein weit­er­er Ver­fall der Aus­bil­dungsqual­ität im Hochschul­bere­ich
auf bre­it­er Lin­ie sein”, sagt JOACHIM GESSINGER. “Schon heute sind Stu­di­en­an­fänger
in zunehmender Zahl nicht studier­fähig. Wenn die Investi­tio­nen zum Beispiel in die
Aus­bil­dung von Lehrerin­nen und Lehrern weit­er reduziert wer­den, wird sich dieses
Prob­lem noch ver­schär­fen und die Ein­gangsphase eines Hochschul­studi­ums zur besseren
gym­nasialen Ober­stufe wer­den. In Verbindung mit der gegen­wär­tig laufend­en Verkürzung
des Studi­ums durch Ein­führung der Bach­e­lor-Stu­di­engänge wird dies zu ein­er
sys­tem­a­tis­chen Senkung der Aus­bil­dungsqual­ität für einen Großteil der
Hochschu­la­b­sol­ven­ten führen.”

“Spitzen­leis­tun­gen wer­den nicht durch Sah­ne­häubchen auf bröseligem Torten­bo­den
erzeugt, son­dern durch eine gut struk­turi­erte Aus­bil­dung, die bre­ite Förderung von
Begabun­gen und eine staatlich nicht regle­men­tierte Ent­fal­tung dieser Begabun­gen in
Forschung, Lehre und Ler­nen. Und das fängt, wie Pisa gezeigt hat, beim Kinder­garten
an.”

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