14. Oktober 2003 · Quelle: BM

Energiekonzern lässt erstes Haus in Lacoma abreißen

Laco­ma — In dem vom Braunkohleab­bau bedro­ht­en süd­bran­den­bur­gis­chen Lacoma
hat gestern der Abriss begonnen. Am Mor­gen sei ein erstes Haus abgetragen
wor­den, bestätigten Naturschützer und der Sprech­er des Energiekonzerns
Vat­ten­fall, Rain­er Knauber. Wann weit­ere Häuser abgeris­sen wer­den, ist noch
offen. Dies hänge von den Ver­hand­lun­gen mit den Naturschützern ab, sagte
Knauber. Etwa 100 Aktivis­ten hat­ten gegen die Abbag­gerung des Cottbuser
Ort­steils und des dor­ti­gen geschützten Teichge­bi­ets friedlich protestiert. 

Vat­ten­fall sagte gestern zu, zunächst auf den Abriss weit­er­er Gebäude zu
verzicht­en. “Wir führen Gespräche mit dem Ziel, den Haus­friedens­bruch zu
been­den”, sagte Knauber. Es werde ein Ersatz­s­tan­dort für die derzeit
beset­zte Kul­tursche­une gesucht. “Wir hof­fen auf ein Ent­ge­genkom­men zu diesem
verbindlichen Ange­bot”, sagte Knauber. Er unter­strich jedoch zugle­ich, der
Konz­ern werde not­falls mit allen rechtlichen Mit­teln seine Interessen
durchsetzen. 

Ein Sprech­er der Naturschützer betonte, die Kul­tursche­une und das
benach­barte Gebäude seien für das kul­turelle und soziale Leben im Ort
beson­ders wichtig. “Wir sehen Ver­hand­lungsspiel­raum.” Die Sit­u­a­tion vor Ort
sei “sehr friedlich und ohne Gewalt. Wir wollen ver­han­deln und reden.” 

Der Ort und das Gebi­et der Laco­maer Teiche soll von 2005 an dem Tagebau
Cot­tbus-Nord weichen. Vorher muss eine Entwässerungsleitung für die
Kohle­grube ver­legt wer­den. Hierzu ste­ht aber das wasserrechtliche
Plan­fest­stel­lungsver­fahren noch aus. “Die Abrisse sind zurzeit reine
Willkür, so lange die Entwässerungsleitun­gen gar nicht genehmigt sind”,
sagte René Schus­ter vom Laco­ma-Vere­in. Dage­gen betonte Vattenfall-Sprecher
Knauber, für die Ort­slage Laco­ma lägen alle Genehmi­gun­gen vor. Dort könne
entwässert und abge­bag­gert werden. 

In Bezug auf die etwa 90 Hek­tar großen Laco­maer Teiche ste­ht noch eine
Entschei­dung über die Ausweisung als Schutzge­bi­et nach der €päis­chen
Flo­ra-Fau­na-Habi­tat-Richtlin­ie (FFH) aus. Im Teichge­bi­et leben viele
bedro­hte Arten, darunter die größte Pop­u­la­tion der Rot­bauchun­ke in
Bran­den­burg. Erst kür­zlich ent­deck­ten Wis­senschaftler dort die seltene
Käfer­art “Eremit”.

In Laco­ma wohnen etwa 40 junge Leute und eine alteinge­sessene Fam­i­lie. Das
bere­its vor der Wende geräumte Laco­ma war vor zehn Jahren von
Naturschützern, Kün­stlern und anderen jun­gen Leuten beset­zt wor­den. Sie
erhiel­ten vom Berg­bau­un­ternehmen Laubag befris­tete Miet- und
Nutzungsverträge. Diese liefen für die Kul­tursche­une und einige andere
Häuser zum 30. Sep­tem­ber aus. Die Über­gabe sollte am 1. Okto­ber sein, wurde
jedoch ver­schoben. Der Ort ist bere­its zur Hälfte abgeräumt.

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