8. Mai 2003 · Quelle: Frankfurter Antifas

Er kam, sah, und fuhr wieder

Kein Rabehl-Auftritt in Frank­furt (Oder) / Graf­fi­tis und Plakate gegen Ein­ladung für recht­en Prof an der Europau­ni

Für Mittwoch, den 7. Mai hat­te die Stu­den­tenini­tia­tive LAHODA Belarus e.V. zu ein­er Ver­anstal­tung mit anschließen­der Podi­ums­diskus­sion zum The­ma Medi­en und Krieg in den Men­sa- und Hör­saalkom­plex der Uni­ver­sität Viad­ri­na in Frank­furt ein­ge­laden. (Siehe auch: Quer­front in Frankfurt/Oder)

Referieren bzw. disku­tieren soll­ten die drei Mit­glieder des Philosophis­chen Salons e.V. Ste­fan Prib­now (Vor­sitzen­der), Dr.Harald Wes­sel und auch Prof. Dr. Bernd Rabehl.

Dazu kam es allerd­ings nicht. Am Mittwoch, wenige Minuten vor Ver­anstal­tungs­be­ginn, beschloss LAHODA das Date mit Rabehl platzen zu lassen. Vor­raus­ge­gan­gen war dieser Entschei­dung offen­bar die Umgestal­tung des gegenüber­liegen­den Bauza­uns mit der Parole: “7.5. Keine Räume für Ras­sis­ten! Rabehl ver­piss Dich!”. Daneben waren mehrere Plakate welche die Beendi­gung von Rabehls Lehrtätigkeit forderten gek­lebt wor­den. (Der Text ist im Anschluss doku­men­tiert)

Erst durch diese Aktion war LAHODA, von denen zumin­d­est Teile schon vor ein­er Woche Infor­ma­tio­nen über Rabehls Recht­slastigkeit hat­ten, klar gewor­den, wen sie sich dort ein­ge­laden hat­ten. Der Grund für die Absage war aber lei­der nicht die Ablehnung Rabehls, son­dern die Angst “linke Autonome” kön­nten die Ver­anstal­tung kip­pen. Ein echt­es Armut­szeug­nis. Die Ver­anstal­terIn­nen zeigten sich jedoch etwas düpiert, das der Philosophis­che Salon e.V. ihnen diesen dubiosen Rabehl ver­mit­telt hat­te.

Das näch­ste mal sollte also für LAHODA gel­ten: Mal recher­chieren wen man sich als Gäste ein­lädt.

Frank­furter Antifas

Der Plakat-Text:

Berlin, 14.07.1999

BEENDEN SIE DIE LEHRTÄTIGKEIT DES RECHTSEXTREMEN BERND RABEHL AN DER FREIEN UNIVERSITÄT BERLIN

Sehr geehrte Damen und Her­ren,

wie Ihnen spätestens seit dem 10.2.1999 (!) durch die Vor­lage der Fach­schaftsini­tia­tive des OSI an den ehe­ma­li­gen Fach­bere­ich­srat des OSI und seit dem 17.2.1999 durch die Frage an das Prä­sid­i­um der FU von Dr. Neuge­bauer bekan­nt ist, ist der wis­senschaftliche Angestellte Bernd Rabehl auf ein­er Ver­anstal­tung der pflichtschla­gen­den Burschen­schaft Danu­bia in München mit ein­er ras­sis­tis­chen und recht­sex­tremen Rede aufge­treten. Diese Rede ist in redigiert­er Form in der neurecht­en Wochen­zeitung Junge Frei­heit (vom 18.12.1998) und in der neurecht­en Zeitung “Wir selb­st” veröf­fentlicht wor­den.

In dieser Rede behauptet Bernd Rabehl, daß der “ethis­che und moralis­che Zusam­men­halt der zentral€päischen Völk­er durch die Par­ti­sa­nen­for­ma­tio­nen der inter­na­tionalen Bürg­erkriege und Kriegss­chau­plätze” bedro­ht sei. In Europa bedeutet, so Rabehl, “diese poli­tis­che Über­frem­dung die grundle­gende Zer­störung von Volk und Kul­tur, vor allem dann, wenn die Auflö­sung der nationalen Iden­tität bere­its so weit fort­geschrit­ten ist durch die kap­i­tal­is­tis­che Umw­er­tung der Werte wie in Deutsch­land”.

Bernd Rabehl ist bis zum heuti­gen Tage nicht von seinen ras­sis­tis­chen und recht­sex­tremen Posi­tio­nen abgerückt, son­dern führt diese in der uni­ver­sitären Öffentlichkeit weit­er aus, so geschehen am 16.6.1999 im Hen­ry-Ford-Bau. Auf der von Pro­fes­soren des OSI aus­gerichteten Ver­anstal­tung spitzte Bernd Rabehl seine Hal­tung mit dem Ausspruch: “Aus­län­der haben keine Werte”, nochmals zu. Er nutzte auch dieses Forum zur Ver­bre­itung sein­er ras­sis­tis­chen The­sen.

Der Recht­sex­trem­is­mus­forsch­er Dr. Richard Stöss wertet die Aus­sagen Bernd Rabehls als recht­sex­trem­istisch. Gle­ich­falls wird im Ver­fas­sungss­chutzbericht der Hans­es­tadt Ham­burg von 1998 (S. 25f) im Kapi­tel “Recht­sex­trem­is­mus” auf den Zusam­men­hang zwis­chen Aktiv­itäten Bernd Rabehls, Horst Mahlers und Rein­hold Ober­lerchers im recht­sex­tremen Spek­trum aufmerk­sam.

Bernd Rabehl ver­bre­it­et seine poli­tis­che Überzeu­gung an der Uni­ver­sität und nutzt seine Lehrver­anstal­tun­gen zur Ver­bre­itung recht­sex­tremer Ide­olo­gie, so geschehen im Jan­u­ar 1999 im Haupt­sem­i­nar “Krise und Exis­tenz. Rechter und link­er Dezi­sion­is­mus im Nachkriegdeutsch­land”, wo er seine Rede verteilte und in diesem Zuge auch die Glaub­würdigkeit der Wehrma­cht­sausstel­lung des Ham­burg­er Insti­tuts für Sozial­forschung in Frage stellte. Außer­dem erschien der Neon­azi Horst Mahler am 17.12.1998 auf Ein­ladung Bernd Rabehls und Jochen Staadts in dem bere­its genan­nten Haupt­sem­i­nar als Ref­er­ent. Bernd Rabehl ging im Som­merse­mes­ter sog­ar soweit, Studieren­den, die ihn auf seine recht­sex­treme Betä­ti­gung ansprachen, mit den Worten zu dro­hen: “Ich werde mir ihr Gesicht merken! Sie kom­men mir nicht davon. Sie entschuldigen sich noch”.

Vor dem Hin­ter­grund der anhal­tenden ras­sis­tis­chen Angriffe und Morde in Deutsch­land und dem Erstarken recht­sex­tremer Parteien und Organ­i­sa­tion­sstruk­turen ist die Ver­bre­itung recht­sex­tremer Posi­tio­nen unter dem Deck­man­tel eines ver­meintlich wis­senschaftlichen Diskurs­es im Namen des Otto-Suhr-Insti­tuts nicht hin­nehm­bar.

Es ist unver­ant­wortlich, daß ein wis­senschaftlich­er Angestell­ter seine priv­i­legierte Posi­tion und das Ver­trauensver­hält­nis gegenüber den Studieren­den für men­schen­ver­ach­t­ende, ant­ie­gal­itäre Zwecke instru­men­tal­isieren kann.

Aus diesem Grund fordern wir sie auf, ihrer insti­tu­tionellen Ver­ant­wor­tung gerecht zu wer­den:

Been­den Sie den unerträglichen Zus­tand, daß ein aus­gewiesen­er Recht­sex­trem­ist seine Parolen im Namen und mit Hil­fe der Freien Uni­ver­sität ver­bre­it­en kann.
Dis­tanzieren Sie sich öffentlich von den Äußerun­gen Bernd Rabehls.

Leit­en Sie die erforder­lichen Maß­nah­men ein, um die Lehrtätigkeit Bernd Rabehls am Otto-Suhr-Insti­tut und die Tätigkeit im “Forschungsver­bund SED-Staat” so schnell wie möglich zu been­den!

Unterze­ich­ner­In­nen:

Stu­dentin­nen und Stu­den­ten des Otto-Suhr-Insti­tuts; Fach­schaftsini­tia­tive am OSI; Fem­i­nis­tis­ches Frauen­plenum OSI; Café Asyl FU; AStA FU; Hochschul­gruppe der AAB; Aus­län­derIn­nen gegen Ras­sis­mus; Aus­län­derIn­nen Liste; Unab­hängige Antifa an der FU; AK Wis­senschaft und Poli­tik; Antifaschis­tis­che Aktion Berlin (AAB); Berlin­er Insti­tut für Faschis­mus — Forschung und Antifaschis­tis­che Aktion e. V.; Jugend­ver­band IG-Medi­en Berlin — Bran­den­burg, Dr. Abbas Ali­dous Azarbai­jani (Priv. Doz. OSI); Bun­desver­band Jungdemokrat­en / Junge Linke; Berlin­er Bünd­nis gegen Ras­sis­mus — Gle­iche Rechte für alle; Demokratis­che Linke (DL)

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