14. Dezember 2005 · Quelle: Verfassungsschutz Brandenburg

Erfolgreicher Auftakt der Veranstaltungsreihe des Verfassungsschutzes

Das erste Sym­po­sium zum The­ma „Musik und Hass“ des Ver­fas­sungss­chutzes Bran­den­burg fand ein bre­ites pos­i­tives Echo. Sowohl die Mul­ti­p­lika­toren aus dem Bere­ich der Jugen­dar­beit im Pub­likum als auch die Ref­er­entin­nen und Ref­er­enten auf dem Podi­um emp­fan­den die Tagung als sehr gelun­gen. Sie gaben den Ver­anstal­tern vom Ver­fas­sungss­chutz bere­itwillig Tipps für die kom­menden Sym­posien und ermutigten sie, auf jeden Fall weiterzumachen.
Solcher­maßen ange­s­pornt geht man hier die Pla­nung weit­er­er Ver­anstal­tun­gen zu ver­fas­sungss­chutzrel­e­van­ten The­men nun natür­lich um so lieber an. 

Indizierung und Sensibilisierung 

„Musik kommt in der recht­sex­trem­istis­chen Pro­pa­gan­da in let­zter Zeit eine wach­sende Bedeu­tung zu,“ erk­lärte Ver­fas­sungss­chutzchefin Win­friede Schreiber ein­lei­t­end die Auswahl des The­mas für das erste Ver­fas­sungss­chutzsym­po­sium. Die Texte, die über die Musik trans­portiert wer­den, stellen dabei eine Gefahr dar. So heißt es z.B. bei den der selb­ster­nan­nten „Ter­ror­is­ten mit E‑Gitarren“ von der Band „Landser“: „Irgendw­er wollte den Nig­gern erzählen, sie hät­ten hier das freie Recht zu wählen. Recht zu wählen haben sie auch: Strick um den Hals oder Kugel im Bauch.” 

Staatssekretär Eike Lan­celle wies darauf hin, dass der demokratis­chen Gesellschaft mehrere Wege offen stün­den, gegen solche men­schen­feindliche Texte vorzuge­hen. Das Land Bran­den­burg habe im Jahre 2005 eine Indizierung von 60 vornehm­lich recht­sex­trem­istis­chen und gewalt­be­für­wor­tenden CDs und DVDs bei der Bun­de­sprüf­stelle für jugendge­fährdende Medi­en beantragt. Das seien zwei Drit­tel der bun­desweit gestell­ten Indizierungsanträge. 

„Wichtig ist es aber auch, in der Bevölkerung ein Prob­lem­be­wusst­sein gegenüber demokratiefeindlich­er Pro­pa­gan­da zu schaf­fen, die musikalisch vor­ge­tra­gen wird.“ fuhr Lan­celle fort. „Es ist deswe­gen zu begrüßen, dass der Ver­fas­sungss­chutz mit dieser Ver­anstal­tung ein Forum dazu bietet.“ 

Ver­schiedene Herange­hensweisen — Ein Ziel 

Die Ref­er­enten berichteten von ihren Erken­nt­nis­sen zum The­ma „Musik und Hass“ vor dem Hin­ter­grund ihrer jew­eili­gen Forschungs- bzw. Interessenschwerpunkte. 

Der Sozi­ologe Christoph Liell von der Uni­ver­sität Erfurt berichtete von der Darstel­lung von Gewalt­phan­tasien in der HipHop-Szene, die sich von der Gewaltver­her­rlichung recht­sex­trem­istis­ch­er Musik­er durch eine iro­nis­che Über­spitzung unter­schei­de. Ann-Sofie Susen, Poli­tolo­gin vom Archiv der Jugend­kul­turen in Berlin, legte dar, dass man recht­sex­trem­istis­che Bands an ihren Namen leicht erkenne, die oft an die ger­man­is­che Mytholo­gie oder den Sprachge­brauch des Nation­al­sozial­is­mus angelehnt seien. Dr. Rain­er Dol­lase, Pro­fes­sor für Psy­cholo­gie an der Uni­ver­sität Biele­feld, forderte dazu auf, Jugendliche, die recht­sex­trem­istis­che Musik hörten, aber noch kein gefes­tigtes recht­sex­trem­istis­ches Welt­bild hät­ten, als Per­so­n­en ernst zu nehmen und sie nicht in einem selb­st­gewählten Rol­len­klis­chee als Außen­seit­er zu bestäti­gen. Marc Leopoldseder, der für das größte €päis­che HipHop-Mag­a­zin „Juice“ schreibt, ging der Frage nach, ob recht­sex­trem­istis­che Texte in der HipHop-Szene eine Chance hät­ten. Sein Faz­it „HipHop ist safe“ ern­tete fröh­lichen Applaus im Publikum. 

„Es war schön, in solch ein­er lock­eren und zugle­ich prob­lem­be­wussten Atmo­sphäre über ein so wichtiges The­ma zu sprechen und gemein­sam Lösungsan­sätze gegen recht­sex­trem­istis­che Musik zu erar­beit­en,“ resümiert Ver­fas­sungss­chutzchefin Schreiber den Ver­lauf des Symposiums. 

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