29. Januar 2005 · Quelle: MOZ

Erinnern für die Zukunft

Mehr als 150 Frank­furter aus mehreren Gen­er­a­tio­nen, Parteien und Glauben­srich­tun­gen erlebten am Don­ner­stag in der Konz­erthalle die Gedenk­feier zum 60. Jahrestag der Befreiung des Konzen­tra­tionslagers Auschwitz. Stadtverord­neten­vorste­her Volk­er Starke (CDU) und Bürg­er­meis­terin Kat­ja Wolle (SPD) begrüßten mit Peter Gin­gold dazu einen Zeitzeu­gen und Wider­stand­skämpfer, der mit bewe­gen­den Worten seine Erleb­nisse zur Zeit des Faschis­mus schilderte. Im Vor­feld der Ver­anstal­tung hat­te es Diskus­sio­nen um diesen Red­ner gegeben, weil er Sprech­er der von Ver­fas­sungss­chützern als link­sex­trem­istisch eingeschätzten Vere­ini­gung der Ver­fol­gten des Naziregimes — Bund der Antifaschis­ten ist. CDU-Vertreter waren deshalb nicht gekommen. 

Die Stüh­le im Kam­mer­musik­saal der Konz­erthalle reicht­en gestern Abend nicht aus. Neben vie­len älteren Frank­furtern waren auch sehr viele junge Leute gekom­men. Sie erlebten mit Peter Gin­gold sich­er einen der let­zten Zeitzeu­gen der schreck­lichen Ereignisse von damals, die, so Kat­ja Wolle, “durch das Erfahren solch­er Einzelschick­sale sehr viel konkreter wer­den, als es abstrak­te und kaum fass­bare Zahlen je ver­mit­teln kön­nen”. Schon zuvor hat­te die PDS erk­lärt, dass Gin­gold für sie der richtige Red­ner sei und gefordert, den Zeitzeu­gen zuzuhören, solange es sie noch gibt. 

Volk­er Starke beze­ich­nete den Gedenk­tag auch als einen Tag des Auf­bruchs, als den Ver­such, es bess­er zu ver­ste­hen. “Denn nur wer die Ver­gan­gen­heit ver­ste­ht, kann sich­er in die Zukun­ft gehen.” Doch Erin­nerung, so Kat­ja Wolle, müsse auch weh tun. Dass die Worte Peter Gin­golds nicht nur ihm selb­st, son­dern auch vie­len Anwe­senden Schmerzen bere­it­eten, spiegelte sich auf den Gesichtern wider.

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