2. Juli 2013 · Quelle: INFORIOT

Erinnerung an getöteten Obdachlosen

Neuruppin: 40 Menschen bei antifaschistischer Gedenkkundgebung zum Todestag von Emil Wendland

Unter dem Mot­to: „ Nie­mand ist vergessen!“ erin­nerten gestern Abend in Neu­rup­pin unge­fähr 40 Men­schen, darunter viele Mit­glieder und Fre­unde des JWP Mit­ten­drin e.V. sowie des Aktions­bünd­niss­es „Neu­rup­pin bleibt bunt“, an den Tod von Emil Wend­land. Der Obdachlose wurde am 1. Juli 1992 in ein­er Grün­fläche am alten Gym­na­si­um von mehreren Neon­azis ange­grif­f­en, mis­shan­delt und erstochen.

Gegen das Vergessen

In einem ersten Rede­beitrag von zwei Vertreterin­nen des JWP Mit­ten­drin e.V. wurde ver­sucht sich der Per­son Emil Wend­land anzunäh­ern und die let­zten Stun­den seines Lebens zu rekon­stru­ieren. Doch die Erin­nerung an ihm ist nur in Frag­menten erhal­ten, selb­st sein Tod scheint nicht abschließend aufgek­lärt zu sein. Lediglich zwei, der bis zu sieben Täter, wur­den wegen „Totschlag“ oder „gefährlich­er Kör­per­ver­let­zung“ verurteilt, so die Vertreterin­nen des JWP Mit­ten­drin.
Den­noch will sich der Vere­in nicht mit der Erin­nerungslücke zu diesem düsteren Kapi­tel der Neu­rup­pin­er Stadt­geschichte abfind­en. Zwar wurde die Forderung nach Umbe­nen­nung ein­er Straße zum Gedenken an Emil Wend­land von der Stadt abgelehnt, im let­zten Jahr jedoch auf Betreiben des JWP Mit­ten­drin eine Gedenk­tafel am Tatort errichtet. Auf ihr ist übri­gens auch ver­merkt, dass Neon­azis für den Tod des Obdachlosen ver­ant­wortlich waren. Ein wichtiges Detail, denn Emil Wend­land wird von den Behör­den nicht als „Opfer rechter Gewalt“ anerkan­nt. Entsprechend forderten die bei­den Vertreterin­nen des JWP Mit­ten­drin wieder­holt die Auf­nahme in die entsprechen­den Sta­tis­tiken und somit ein Ende der Bagatel­lisierung der Tat.

Kein Einzelfall

Denn die Tötun­gen von Obdachlosen sind keine drama­tis­chen Einzelfälle, wie ein Vertreter der Antifa West­bran­den­burg in einem weit­eren Rede­beitrag dar­legte. Neun woh­nungslose Men­schen wur­den allein im Land Bran­den­burg aus sozial­dar­win­is­tis­ch­er Moti­va­tion umge­bracht. In der öffentlichen Erin­nerungskul­tur erfährt dies jedoch kaum Beach­tung, so der Antifa-Vertreter weit­er, denn „im Gegen­satz zu Opfern, welche aus ras­sis­tis­chen oder poli­tis­chen Motiv­en ermordet wur­den, haben sie keine Com­mu­ni­ty“. Um so wichtiger erscheint auch die in diesem Rede­beitrag geforderte Anerken­nung Emil Wend­lands als „Opfer neon­azis­tis­ch­er Gewalt“. Staat, Poli­tik und Behör­den sollen sich nicht mehr vor ihrer Ver­ant­wor­tung im Umgang mit dem Neon­azis­mus drück­en kön­nen, so der Vertreter der Antifa West­bran­den­burg. Und den Mördern soll nicht der Erfolg gegön­nt sein, eine Exis­tenz spur­los ver­nichtet zu haben.

Kranznieder­legun­gen als Zeichen der Erinnerung

Anschließend wur­den zwei Kränze zur Erin­nerung an den gewalt­samen Tod von Emil Wend­land neben der Gedenk­tafel nieder­legt und nach ein­er Schweigeminute die Kundge­bung beendet.

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