23. April 2008 · Quelle: Berliner Zeitung

Erinnerungszug kommt nach Potsdam

(Mar­lies Emmerich) POTSDAM. Brandenburg/Havel ist heute und mor­gen die näch­ste Sta­tion für den “Zug der Erin­nerung”, der zuvor für eine Woche in Berlin weilte. In der Havel­stadt kom­men zur Ankun­ft SPD- und CDU-Lan­despoli­tik­er. Am Fre­itag und Sonnabend wird der Zug, der in zwei Wag­ons an das Schick­sal deportiert­er Kinder während der NS-Zeit erin­nert, dann in Pots­dam Halt machen. “Auf Gleis 1 im Bahn­hof — allerbeste Lage”, wie Jörg Stopa von der Pri­va­tini­tia­tive sagte. Zur Eröff­nung mor­gens um 9 Uhr haben sich Ober­bürg­er­meis­ter Jann Jakobs (SPD), Inte­gra­tions­beauf­tragte Karin Weiss und der Auschwitzüber­lebende Willi Frowein ange­sagt. Am Son­ntag fährt der Zug nach Cot­tbus weit­er, um schließlich am 8. Mai in Auschwitz einzutr­e­f­fen. Bran­den­burgs Poli­tik­er hof­fen, dass sich vor allem Schulk­lassen gemein­sam die Ausstel­lung anse­hen und auch selb­st Schick­sale von Deportierten in ihren Heima­torten erforschen und doku­men­tieren. Die Kosten für den Aufen­thalt in Bran­den­burg — ein­schließlich Wer­bung — belaufen sich auf täglich rund 2 100 Euro, ins­ge­samt auf mehr als 10 000 Euro. Das Land hat dafür Mit­tel des Pro­jek­ts Tol­er­antes Bran­den­burg sowie der Inte­gra­tions­beauf­tragten zur Ver­fü­gung gestellt. Wie berichtet, ver­langt die Bahn für jeden Aufen­thalt­stag 450 Euro und für jeden gefahre­nen Kilo­me­ter drei Euro. Nach Auskun­ft der Ini­tia­tive bleibt in Berlin trotz ein­er Spende des Sen­ats und von Bun­desverkehrsmin­is­ter Wolf­gang Tiefensee (SPD) in Höhe von 23 000 Euro ein kleines Defiz­it. Die Pro­jek­tkosten sollen deutsch­landweit bei ein­er hal­ben Mil­lion Euro liegen. Mehrfach hat­ten Poli­tik­er aller Parteien die Bahn — bish­er verge­blich — gebeten, von der for­mal kor­rek­ten Forderung abzurück­en. Um weit­er Geld zu sam­meln, ist deshalb geplant, nach dem 8. Mai nochmals Städte anz­u­fahren.

In Berlin hat­te die Bahn aus tech­nis­chen Grün­den den Haupt­bahn­hof als Stan­dort des Zuges ver­weigert und den Bahn­hof Grunewald erst nach Protesten zuge­lassen. Gestern Abend wurde wegen dieser Hal­tung noch ein­mal vor der Berlin­er Bahnzen­trale am Pots­damer Platz demon­stri­ert.

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