14. Oktober 2004 · Quelle: Der Standard

Ermittlungen nach Skinheadparty


Sicher­heits­di­rek­tor: “Ich schicke meine Leute nicht in eine Schlacht, von der fest­ste­ht, dass ich sie ver­li­er.”

(Der Stan­dard) Krumbach/Feldkirchen – Ungestört von der über­rascht­en Exeku­tive kon­nten sich ver­gan­genen Sam­stag in Krumbach/Bregenzerwald 450 Skin­heads bei einem entle­ge­nen Ferien­heim zu einem Konz­ert tre­f­fen. Bei der Ver­anstal­tung, die der Gemeinde nicht angezeigt wurde, kam, wie berichtet, eine 23-jährige Frau aus München ums Leben. Sie stürzte über eine ungesicherte Böschung in einen Bach und ertrank. Nun wird gegen Ver­mi­eter und Ver­anstal­ter ermit­telt.

“Solche Leute wollen wir nicht”

Bürg­er­meis­ter Arnold Hirschbühl ist entset­zt, dass sein Dorf zum Glatzen­tr­e­ff wurde. Nie hätte er die Ver­anstal­tung genehmigt, sagte er zum STANDARD: “Wir hät­ten Aufla­gen gemacht, das Konz­ert hätte nicht stat­tfind­en kön­nen.” Nach­satz: “Solche Leute wollen wir nicht im Dorf.” Hirschbühl kann freilich nicht auss­chließen, dass der Ferien­heimver­mi­eter “eine etwas andere Mei­n­ung hat”.

Gen­darmerie zahlen­mäßig unter­legen

Die Gen­darmerie hat­te “keine Rechtsmit­tel einzu­greifen”, sagt Sicher­heits­di­rek­tor Mar­ent. Und war der recht­en Inva­sion auch zahlen­mäßig unter­legen. Mar­ent: “Ich schicke meine Leute nicht in eine Schlacht, von der fest­ste­ht, dass ich sie ver­li­er.”

Aufre­gung um eine Ver­anstal­tung mit recht­sex­tremen Hin­ter­grund herrscht auch in Kärn­ten. In Feld­kirchen hält die Arbeits­ge­mein­schaft für demokratis­che Poli­tik (AFP) dieses Woch­enende ein Tre­f­fen ab, das für Demon­stra­tio­nen sorgt. Die laut Doku­men­ta­tion­sarchiv des Öster­re­ichis­chen Wider­standes (DÖW) als “recht­sex­trem­istisch” beze­ich­nete AFP hält ihre jährliche Poli­tis­che Akademie bere­its zum zweit­en Mal in der lange frei­heitlich und jet­zt wieder rot kon­vertierten Bezirksstadt ab.

Rechte “Kaliber”

Dem DÖW zufolge sollen einige “starke Kaliber” des deutsche Recht­sex­trem­is­mus auf dieser geschlosse­nen Ver­anstal­tung im Hotel Ger­man referieren. Darunter etwa der Vor­sitzende des Märkischen Heimatschutzes (MHS), Gor­don Rein­holz, der samt seinen Vor­standsmit­gliedern unter beson­der­er Beobach­tung des deutschen Ver­fas­sungss­chutzes ste­ht. Dieser hat­te bei mehreren Haus­durch­suchun­gen bei Vor­standsmit­gliedern 2002 sog­ar Waf­fen, Bombe­nan­leitun­gen sowie “Umsturz­pläne” gefun­den.

Mit dabei als Vor­tra­gende sind unter anderem auch der berüchtigte “Führer” der rumänis­chen Neo­faschis­ten “Claudiu Mihutiu” sowie Pro­po­nen­ten des deutschen Recht­sex­trem­is­mus wie Carsten Beck, Gün­ter Deck­er oder der Öster­re­ich­er Her­bert Schweiger, “graue Emi­nenz” des öster­re­ichisch-deutschen Recht­sex­trem­is­mus.

Trotz heftiger Proteste von Grü­nen und Teilen der Kärnt­ner SPÖ kon­nte die Ver­anstal­tung nicht ver­hin­dert wer­den. “Es gibt laut Ver­samm­lungs­ge­setz keine Möglichkeit eines Ver­bots”, bedauert der Feld­kirch­n­er Bezirk­shaupt­mann Diet­mar Stück­ler. Laut Kärnt­ner Sicher­heits­di­rek­tion, Ver­fas­sungss­chutz und Innen­min­is­teri­um gäbe es keine Über­schre­itung des Ver­bots­ge­set­zes. Grüne und Junge SPÖ wollen in Feld­kirchen nun friedlich dage­gen protestieren.

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