29. März 2015 · Quelle: Inforiot

Erneut 200 bei Neonaziaufmarsch in Wittstock/Dosse

INFORIOT Zum zweit­en Mal fand in Wittstock/Dosse ein Neon­azi­auf­marsch gegen Asyl­suchende statt. Die offen neon­azis­tis­che Ver­anstal­tung am gestri­gen Sonnabend war ein Schaulaufen des “sozial-rev­o­lu­tionären” Flügels der West­bran­den­burg­er Neon­aziszene und einiger Grup­pen aus Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Während andere Bran­den­burg­er Grup­pierun­gen wie bpsw. BRAMM durch ein eher gemäßigtes Auftreten ein ras­sis­tis­ches Klien­tel in der Asyl-Frage abzu­holen, han­delte es sich in Witt­stock um einen reinen Neon­azi­auf­marsch. Dabei war vor allem die jüngst in Bran­den­burg aktive Kle­in­st­partei „Der III. Weg“ treibende Kraft bei der Ver­anstal­tung.

Das Fronttransparent

Das Front­trans­par­ent


Mit Sprechchören wie “Nationaler Sozial­is­mus Jet­zt” oder “Antifa Huren­söhne”, unter­mauert von rup­pigem Recht­srock, marschierten unge­fähr 200 Neon­azis durch Wittstock/Dosse. Die Demon­stra­tion unterteilte sich in fünf feste Blöcke. An der Spitze der Demon­stra­tion liefen Neon­azis aus dem Witt­stock­er Raum mit einem Trans­par­ent, was einen lokalen Bezug hat­te. Andere Blöcke hat­ten keinen Bezug zu Witt­stock. Der zweite und dritte Block wurde durch den “III. Weg” und die Eminger-Kam­pagne „Ein Licht für Deutsch­land gegen Über­frem­dung“ gestellt. Viele Aktivist*innen des III. Wegs sind in entsprechen­der Partei-Klei­dung zum Auf­tak­tort erschienen. Ihre Jack­en mussten sie allerd­ings wegen des Uni­vormierungsver­bots auf öffentlichen Ver­anstal­tun­gen able­gen. Das Auftreten als geschlossene, elitäre For­ma­tion war aber auch ohne die gle­ichen Out­fits sicht­bar. Die weit­eren Blöcke füll­ten die “Freien Kräfte Neuruppin/Osthavelland” (FKNRP) und ihr Prig­nitzer Ableger, die “Freien Kräfte Prig­nitz”, die ihre Grup­pen­zuge­hörigkeit durch bedruck­te Pullover zur Schau stell­ten. Für die FKNRP war die Ver­anstal­tung eine Werbe­möglichkeit für die Abschluss­demon­stra­tion zum „Tag der Deutschen Zukun­ft“ am 06. Juni in Neu­rup­pin. Hierzu nutzte der FKN­RP-Aktivist Mar­vin Koch die ihm vorge­se­hene Rede auf der Zwis­chenkundge­bung in der Polth­i­er-Sied­lung. Einen weit­eren Block führten die “Nationale Sozial­is­ten Müritz” bzw. “Aktion­s­gruppe Nord-Ost”, ein Ver­net­zung­spro­jekt soge­nan­nter “Autonomer Nation­al­is­ten” aus Witt­stock und Meck­len­burg-Vor­pom­mern.

III. Weg dominierte Ver­anstal­tung
Nicht nur durch ihr Auftreten der Demon­stra­tion dominierte der III. Weg die Ver­anstal­tung. Auch in der Organ­i­sa­tion machte sich der Ein­fluss des Süd­deutschen Exports bemerk­bar. So war Maik Eminger, Zwill­ings­brud­er des im NSU-Prozess angeklagte André Eminger, der organ­isatorische Dreh- und Angelpunkt der Ver­anstal­tung. Er bes­timmte den kom­plet­ten Ver­lauf des Auf­marsches, er heizte neben den Witt­stock­er Neon­azi-Kad­er Sandy „Lui“ Lud­wig die Stim­mung während des Laufens an und hielt Reden auf der Zwis­chenkundge­bung am Witt­stock­er Markt.
Von den fünf Redner*innen auf dem Auf­marsch, von dem Anmelder, der die Aufla­gen ver­lesen hat abge­se­hen, kamen drei Funk­tionäre der Kle­in­st­partei zu Wort. Die Eröff­nungsrede auf der Zwis­chenkundge­bung in der Polth­i­er-Sied­lung hielt der Bad-Belziger Stadtverord­nete Pas­cal Stolle, der erst kür­zlich sein Über­tritt zum III. Weg öffentlich verkün­dete. Als weit­er­er Red­ner auf der Zwis­chenkundge­bung auf dem Mark­t­platz trat Matthias Fis­ch­er auf. Fis­ch­er ist let­ztes Jahr aus Nürn­berg zurück in die Uck­er­mark, wo er ursprünglich herkommt, gezo­gen. Vor allem Fis­ch­er fiehl im Gegen­satz zu den anderen Redner*innen durch seine rhetorischen Sicher­heit auf. Er propagierte, als jemand, der nach eige­nen Angaben 25 Jahre in West­deutsch­land gelebt hat­te, ein Ausster­ben der Deutschen, welch­es nun Ost­deutsch­land dro­he.

Polizei unter­band Proteste
Knapp 100 Antifaschist*innen hat­ten sich im Friedrich-Ebert-Stadt­park ver­sam­melt, um den Neon­azi­auf­marsch zu begeg­nen. Kurz vor dem Auf­takt der Neon­azidemon­stra­tion unter­band die Bran­den­burg­er BFE eine ver­suchte Block­ade der Strecke, die auf der Kreuzung in der Kyritzer Straße mut­maßlich stat­tfind­en sollte. Weit­ere Ver­suche an den Neon­azi­auf­marsch ran zu kom­men, wur­den eben­falls schnell durch die Polizei im Keim erstickt. Auf den Mark­t­platz soll es zu einem Pfef­fer­sprayein­satz durch die Polizei gekom­men sein. Auf dem Weg in die Alt­stadt und während der Zwis­chenkundge­bung auf den Mark­t­platz wurde der Auf­marsch jedoch durch laut­en Protest begleit­et. Das zivilge­sellschaftliche Aktions­bünd­nis “Witt­stock beken­nt Farbe” hielt indes ein Willkom­mensfest in der Papageien­sied­lung ab, wo Geflüchtete dezen­tral unterge­bracht wer­den. Eine Putza­k­tion der Stadt ver­hin­derte, dass die Neon­azis direkt auf den Mark­t­platz ihre Kundge­bung abhal­ten kon­nten.

Bilder: hier, hierund hier.

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