26. November 2006 · Quelle: Antifaschistische Recherchegruppe

Erneute Blamage für das Brandenburger Innenministerium

Als der Innen­min­is­ter des Lan­des Bran­den­burg Jörg Schön­bohm (CDU) am 12. April 2005 das Ver­bot der bei­den west­havel­ländis­chen Neon­azikam­er­ad­schaften “Hauptvolk” und “Sturm 27” im Zusam­men­hang mit, bei ein­er Großrazz­ia gegen deren Mit­glieder, fest­gestell­ten Waf­fen und Pro­pa­gan­da­ma­te­r­i­al der medi­alen Öffentlichkeit präsen­tierte, sorgte er damit schon für eine gewisse Über­raschung in der Region West­havel­land. Sollte jet­zt wirk­lich Schluss mit dem braunen Spuk in Rathenow und Prem­nitz sein?

Rel­a­tiv schnell stellte sich aber her­aus, dass dem doch nicht so war. Die Neon­azis set­zten ihre Aktio­nen, unter anderem am so genan­nten “Heldenge­denk­tag” (Volk­strauertag) im sel­ben Jahr fort.
Zwar gelang es der Polizei vor einem Jahr die Ver­anstal­tung, an der sich Mit­glieder und Sym­pa­thisan­ten der Kam­er­ad­schaften “Hauptvolk” und “Sturm 27” sowie des neu gegrün­de­ten NPD Stadtver­ban­des beteiligten, aufzulösen und die Kränze zu beschlagnah­men, das Alarm­sig­nal wurde im Innen­min­is­teri­um jedoch nicht wahrgenom­men. Im Gegen­teil, Schön­bohm bekräftigte in Stel­lung­nah­men immer wieder, das die vere­in­sähn­lichen Struk­turen erfol­gre­ich aufgelöst und Nachah­mer verun­sichert wur­den.

Am Son­ntag, dem 19. Novem­ber 2006, trafen sich nun die “aufgelösten” und “verun­sicherten” Kam­er­aden erneut um ihr “Heldenge­denken” zu zele­bri­eren. Nicht etwa im Ver­bor­ge­nen, son­dern rel­a­tiv offen­sichtlich am bish­er nicht enteigneten Tre­ff­punkt des “Sturm 27” in ein­er Gartensparte in Rathenow — Nord. Selb­st Zivilpolizei der SoKo MEGA / TOMEG war über die Ver­anstal­tung informiert und observierte die Zufahrtswege. Ein möglich­er Zugriff war anscheinend aber erst für den Höhep­unkt der Nazi­ak­tiv­itäten an jen­em Tag, der tra­di­tionellen Kranznieder­legung, geplant, mit der — deutete man die dort abgestell­ten Polizeiein­satz­fahrzeuge richtig — offen­bar an der üblichen Gedenkstätte auf dem Wein­berg gerech­net wurde.
Doch ähn­lich wie bei der Ver­legung der Nazi­großver­anstal­tung am Vortag von Halbe nach Seelow, macht­en auch die Rathenow­er Neon­azis im Angesicht der polizeilichen Maß­nah­men von der Tak­tik der Ver­schiebung gebrauch und planten ihre Kranznieder­legung kurz­er­hand hin­ter die bran­den­bur­gis­che Lan­des­gren­ze nach Sach­sen — Anhalt in die Gemeinde Schol­lene um. Hier wurde sich offen­bar an einem Kriegerdenkmal zu Ehren der Gefal­l­enen des ersten Weltkrieges ver­sam­melt und ein Blu­menge­binde niedergelegt.

In Rathenow sel­ber wurde die für let­zten Son­ntag geplante Ver­anstal­tung auf dem Wein­berg danach inner­halb der ver­gan­genen Woche polizeilich ungestört nachge­holt. Am Fre­itag, dem 24. Novem­ber 2006, wurde zwis­chen Gedenkplat­ten für Tote des zweit­en Weltkrieges, dies­bezüglich ein Blu­menge­binde fest­gestellt, für das sich die bish­er nicht in Erschei­n­ung getretene Vere­ini­gung “Freie Kräfte Rathenow” ver­ant­wortlich zeigt.

Über­haupt ist bemerkenswert wie die “verun­sicherte” Szene in der Region nahezu infla­tionär neue Kam­er­ad­schaften pro­duziert, die sich auch im Inter­net ver­stärkt artikulieren. Neuestes Pro­jekt sind dabei die so genan­nten “Freien Kräfte West­havel­land”, die auch in das von Eber­swalde aus koor­dinierte neon­azis­tis­che Net­zw­erk “Freie Kräften Bran­den­burg” inte­gri­ert sind.

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