7. August 2002 · Quelle: Märkische Allgemeine

Erster Prozeßtag gegen Prenzlauer Nazis wg. versuchten Mordes

NEURUPPIN “Junge Frau, Sie haben nichts gese­hen”, bekam eine Pren­zlauerin zu hören, als sie am 28. Sep­tem­ber ver­gan­genen Jahres nach einem Spazier­gang mit ihren Hun­den gegen Mit­ter­nacht ihren Haus­flur betrat. So ste­ht es in den Akten, die derzeit zur Ver­hand­lung auf dem Richter­tisch der Jugend­strafkam­mer des Landgerichts Neu­rup­pin liegen. 

Die Anklage­bank ist lang: auf ihr sitzen seit gestern (07.08.02)zehn Män­ner zwis­chen 17 und 38 Jahren, denen unter anderem Haus­friedens­bruch und Sachbeschädi­gung, in zwei Fällen sog­ar ver­suchter Mord vorge­wor­fen wird. Denn als die zehn in jen­er Sep­tem­ber­nacht die Woh­nung in der Bergstraße in Pren­zlau ver­ließen, war die Ein­rich­tung zertrüm­mert, lagen zwei Ver­let­zte auf dem Boden. 

 

Es ist keine ein­fach Sache, ein Geschehen zu beleucht­en, an dem so viele mut­maßliche Täter beteiligt sein sollen. Erschw­ert wird die Auf­gabe der Richter noch durch die Ver­suche eines Anwalts, das Ver­fahren mit Anträ­gen erst ein­mal zu block­ieren. Sein Man­dant möchte ihn als neuen Pflichtvertei­di­ger beige­ord­net bekom­men. Zu mehreren Stun­den Ver­spä­tung allerd­ings kam es zum Prozes­sauf­takt, weil der 23-jährige Timo M. nicht zur Ver­hand­lung erschien und erst mit Polizeige­walt vorge­führt wer­den musste. “Die Punks wür­den uns platt machen”, erzählte schließlich der jüng­ste Angeklagte über die Hin­ter­gründe jen­er Tat. Der 17-jährige Maik S. sprach über ein Gerücht, das jen­er in Umlauf geset­zt haben soll, der das eigentliche Ziel des Angriffs gewe­sen sei. Die Linken auf die Recht­en zu het­zen, eine Keil­erei zu provozieren, das hätte er gewollt und dafür hät­ten sie ihn alle zusam­men zur Rede stellen wollen. Nach ein­er Par­ty bei einem der Angeklagten seien sie also mit Autos, in denen sich schon ein Base­ballschläger und eine Stur­m­maske befan­den, in die Bergstraße gefahren. Der Woh­nungsin­hab­er, der sie wohl hat­te kom­men sehen, kon­nte rechtzeit­ig ver­schwinden. Seine bei­den Besuch­er, die bei ihm über­nachteten, nicht. Die zehn sollen die Woh­nung gestürmt und dort das Mobi­lar auseinan­der genom­men haben. Der 32-jährige Ingo M. und der 33-jährige Heiko R., bei­de in Haft, hät­ten mit dem Base­ballschläger und einem Regal­brett mit Trit­ten und Schlä­gen auf ihre Opfer eingeprügelt. Die bei­den Män­ner, die bis jet­zt von ihrem Aus­sagev­er­weigerungsrecht Gebrauch machen, wer­den am schw­er­sten von der Staat­san­waltschaft belastet. Ver­suchter Mord wird ihnen ange­lastet. Ob dieser Vor­wurf halt­bar ist, wer­den die kom­menden Ver­hand­lungstage zeigen.

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