5. Juli 2005 · Quelle: MAZ

Es führt kein Weg nach Sarajevo

(MARION KAUFMANN, MAZ) NEURUPPIN Das Flugzeug war längst gelandet. Stun­den­lang standen die Großel­tern im Flughafen Sara­je­vo an der Glass­cheibe. Doch die vier Enkel und die Tochter aus Neu­rup­pin kamen ein­fach nicht. Dabei war die Fam­i­lie gut angekom­men und nur wenige Meter ent­fer­nt — in einem Büro der Flughafen­polizei. Aus dem Wieder­se­hen wurde nichts. Weil die Aus­län­der­be­hörde in Neu­rup­pin einen Stem­pel vergessen hatte. 

“Das war wohl der schlimm­ste Tag in meinem Leben”, sagt Saleh Eid. Am 2. Juli hat­te er seine Frau Fata und seine vier Kinder (11, 10, 7 und 3) zum Flughafen Berlin-Tegel gebracht. Vier Wochen Urlaub bei den Großel­tern. Einen Tag später kon­nte Saleh Eid seine Fam­i­lie in Tegel wieder abholen. Die Eids wur­den in Sara­je­wo post­wen­dend in den näch­sten Flieger zurück nach Deutsch­land geset­zt. Grund: Der Pass der Mut­ter war längst abgelaufen. 

“Das ist die Schuld der Aus­län­der­be­hörde”, sagt Saleh Eid, gebür­tiger Palästi­nenser und seit kurzem deutsch­er Staats­bürg­er. Seine Frau stammt aus Ex-Jugoslaw­ien, lebt seit neun Jahren in der Fontanes­tadt und hat eine befris­tete Aufen­thalt­ser­laub­nis. Für die Reise in ihre alte Heimat hat die 35-Jährige ihren Pass bei der Aus­län­der­be­hörde des Kreis­es abgegeben. “Dort lag er mehrere Monate”, sagt ihr Mann. Kurz vor der Reise bekam die Frau ihren Pass zurück — mit dem erforder­lichen Visum, gültig bis zum 29. Novem­ber 2005. Dass der Pass dabei nicht ord­nungs­gemäß ver­längert wurde, fiel den Eids nicht auf. “Wir haben uns da auf die Behörde ver­lassen, die dür­fen doch kein Visum erteilen, wenn der Pass abge­laufen ist”, sagt Saleh Eid. Bei den Passkon­trollen in Tegel und Mai­land nahm nie­mand Anstoß an dem Doku­ment. Doch die Zoll­beamtin in Sara­je­vo schaute genauer hin: Der Pass war seit 16. Sep­tem­ber 2004 abge­laufen. Die Aus­län­der­be­hörde hat­te zwar das Visum erteilt, dabei aber offen­sichtlich vergessen, den Pass zu verlängern. 

“Meine Fam­i­lie wurde behan­delt wie Krim­inelle”, empört sich Saleh Eid. Zehn Stun­den wur­den die Eids in Sara­je­vo fest­ge­hal­ten, dann ging es mit Polizeibegleitung zurück nach Berlin. “Meine Frau und meine Kinder sind völ­lig fer­tig”, sagt Eid. Vom finanziellen Ver­lust ganz zu schweigen: 2500 Euro hat den Fam­i­lien­vater die Reise gekostet, die nach einem Tag schon wieder been­det war. Nun will Eid die Aus­län­der­be­hörde verk­la­gen. Diese war gestern Nach­mit­tag für eine Stel­lung­nahme nicht mehr zu erreichen.

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