12. Juni 2004 · Quelle: MAZ

Es ist leiser geworden”

(MAZ, Vio­la Vol­land, Sach­sen­hausen) In Oranien­burg gibt es eine lebendi­ge rechte Szene. Sie wird aber nicht
angemessen wahrgenom­men, ist eine der Haupt­the­sen der ger­ade erschiene­nen Studie “Futur Exakt — Jugend­kul­tur in Oranien­burg zwis­chen recht­sex­tremer Gewalt und demokratis­chem Engage­ment”. Eine richtige Beobach­tung? Das war eine der Fra­gen, die am Don­ner­stagabend im Besucher­in­for­ma­tion­szen­trum der Gedenkstätte Sach­sen­hausen disku­tiert wurde.

“Es ist leis­er gewor­den um das Prob­lem”, sagte die Koor­di­na­torin gegen Frem­den­feindlichkeit und Gewalt in Oranien­burg, Silke Sielaff. Sie war eine von vier Red­nern auf dem Podi­um — neben dem Recht­sex­trem­is­mu­s­ex­perten am
Zen­trum für Anti­semitismus­forschung, Michael Kohlstruck, dem Direk­tor der Stiftung Bran­den­bur­gis­che Gedenkstät­ten, Gün­ter Morsch, und dem SPD-Kreis­poli­tik­er, Dirk Blet­ter­mann. RBB-Redak­teurin Car­la Kni­est­edt mod­erierte den Abend.

Die Ergeb­nisse der “Futur Exakt”-Studie seien zutr­e­f­fend, meinte Silke
Sielaff. “Die Szene ist nicht mehr so laut, aber die Reak­tion auf den Recht­sex­trem­is­mus ist auch nicht mehr so laut”, sagte die ehre­namtliche Koor­di­na­torin. Stiftungs­di­rek­tor Gün­ter Morsch schloss sich dieser
Ein­schätzung an. Die Bevölkerung und die Medi­en wür­den in den ver­gan­genen Jahren “deut­lich gemäßigter” dem Recht­sex­trem­is­mus begeg­nen, als dies noch Anfang der 90er-Jahre der Fall gewe­sen sei.

Der Großteil der Diskus­sion drehte sich deshalb um die Frage, was gegen Recht­sex­trem­is­mus in Oranien­burg unter­nom­men wer­den kann und wie man dem schwinden­den Inter­esse der Bevölkerung an dem The­ma ent­ge­gen wirkt. Denn
auch am Don­ner­stagabend wurde wieder deut­lich: Geht es um das The­ma Recht­sex­trem­is­mus, engagieren sich meis­tens diesel­ben. “Das ist ja fast wie bei ein­er Fam­i­lien­feier”, scherzte Ralph Gabriel, ein­er der “Futur Exakt”-Autoren, zu Beginn der Ver­anstal­tung. Die meis­ten in der Runde
kan­nten sich.

Beste­hende Ini­tia­tiv­en fördern, das sieht Michael Kohlstruck als wichti­gen Ansatzpunkt gegen rechts an: “Recht­sex­trem­is­mus ist ein Dauer­prob­lem, deshalb muss es dauer­hafte Struk­turen geben, um damit umzuge­hen”, sagte der
Extrem­is­mu­s­ex­perte. Doch wenn diese nur wenige erre­ichen? “Die Leute engagieren sich nur da, wo es sie tat­säch­lich bet­rifft, die Demokratie ist für sie rel­a­tiv weit weg”, meinte beispiel­sweise SPD-Poli­tik­er Dirk Blet­ter­mann desil­lu­sion­iert. Und Gün­ter Morsch betonte: “Wir waren schon
weit­er.” Mitte der 90er-Jahre habe in Oranien­burg noch Auf­bruch­stim­mung geherrscht. An diese pos­i­tive Bürg­er­be­we­gung müsse man wieder anknüpfen, so
Morsch. Der Stiftungsleit­er kri­tisierte, dass wichtige Pro­jek­te wie Libe­skinds “Schneise der Hoff­nung” gescheit­ert sind. Das habe viel kaputt gemacht. “Oranien­burg will nur das Pos­i­tive”, sagte der Stiftungs­di­rek­tor.

Die Stadt habe aber die Auf­gabe, bei­de Seit­en ihrer Geschichte auszuhal­ten — auch die neg­a­tive. Morsch forderte von der Poli­tik deshalb, ihrer “Vor­bild­funk­tion” nachzukom­men. “Poli­tik­er müssen Ini­tia­tiv­en Halt und
Rich­tung geben.”

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