15. Juni 2002 · Quelle: La Tique

Es ist schön in Vetschau

Vetschau ist ein schönes Städtchen. Direkt an der Auto­bahn, bekan­nt für Gurken, Wurscht und Nazis. Beweis dafür boten die Vorkomm­nisse am 18.5.

Die örtliche Band Warn­dreieck, die bere­its beim Laut gegen Rechte Gewalt-Konzi in CB auf­trat, hat­te zu diesem Tag ihre Anhänger­schaft in den Prober­aum geladen. Grund dafür war dicke Luft in der hiesi­gen Nasen­szene, die bere­its einige Wochen zuvor ver­sucht hat­te, eine Geburt­stags­feier zu spren­gen.

Es kamen immer­hin ca. 25 Leute, u.a. auch 2 Autos aus Guben. à Par­ty à gegen halb 2 war die Mehrzahl der Gäste ver­schwun­den und auch wir macht­en uns auf den Heimweg. Außer MEGA-Besuch und Bullen-Stip­pvis­ite wg. Ruh­estörung waren keine Zwis­chen­fälle zu verze­ich­nen. Kaum waren wir allerd­ings ver­schwun­den, rück­ten zeit­gle­ich 2 Feind­grup­pen an: Polizei und Nazis. Die Grü­nen mal wieder wg. ange­blich­er Lärm­beläs­ti­gung und den Glazis­ten wollen wir mal keine bösen Hand­lungsab­sicht­en unter­stellen…

Jeden­falls war die Bullerei aus­nahm­sweise nicht deplaziert und kon­trol­lierte die Per­son­alien der Nazis; einen nah­men sie mit.

Wiederum einige Stun­den später war der Prober­aum leer, auch die Vetschauer waren gegan­gen. Die Nazis kamen wieder und bewar­fen das Haus, in dem sich der Prober­aum befind­et, mit Brand­sätzen. Wahrschein­lich dem arischen Intel­li­gen­zquo­tien­ten geschuldet (oder kif­f­en sie doch?), ver­fehlten sie jedoch das eigentliche Ziel und bewar­fen eine ungenutzte Tür. Immer­hin musste die Feuer­wehr zum Löschen anrück­en, größer­er Schaden ent­stand nicht, am näx­ten Mor­gen fan­den sich nur Brand­flecke.

Noch mal Glück gehabt?

Der Bran­dan­schlag auf die Band entspricht dur­chaus dem Empfind­en der Spree­waldge­meinde. Wenige Tage nach dem Anschlag erre­ichte den Mieter eine Mah­nung wegen “Ver­stoss­es gegen die Brand­schutzverord­nung”.

Anwohn­er beschw­eren sich seit län­gerem über den Raum, der nicht nur von Band­mit­gliedern als Tre­ff­punkt genutzt wird. Da wer­den Lis­ten geführt, Tele­fon­num­mern erkund­schaftet und es tauchen Vor­würfe über Lärm­beläs­ti­gung durch abge­spielte Musik auf, wenn nicht ein­mal eine Anlage vorhan­den war u.v.a.m.

Das Ziel ist klar: Anwohn­er und Teile der Stadt wollen die Ansätze ein­er linken Sub­kul­tur vertreiben und aus­gren­zen. In Vetschau regt sich der Beginn ein­er Gegen­strö­mung zur recht­en All­t­ags-Ide­olo­gie, die über­all akzep­tiert wird. Doch Unter­stützung bekom­men sie von seit­en der Stadt nicht. Dort find­et man ihre Idee ja ganz gut, aber konkrete Ange­bote kön­nen sie nicht machen. Die Vetschauer brauchen einen Tre­ff­punkt als Aus­gangspunkt für Aktio­nen und Kom­mu­nika­tion. Aber nie­mand will sie haben. Das ist wie mit den Müll­con­tain­ern…

Mehr zu Vetschau: hier

Dieser Artikel stammt aus dem monatlich erscheinen­den Guben­er Zine La Tique

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