21. September 2003 · Quelle: TAZ / Berliner Zeitung

Ex-Neonazi kein PDS-Kandidat

PDS-Orts­gruppe in Halbe (Bran­den­burg) stre­icht ehe­ma­li­gen Aktivis­ten der
“Nation­al­is­tis­chen Front” von der Wahlliste — 30 Minuten vor Ablauf der
Frist

BERLIN taz In let­zter Minute hat die PDS-Orts­gruppe im bran­den­bur­gis­chen
Halbe einen Exneon­azi von ihrer Kan­di­daten­liste gestrichen. Drei Stun­den vor
Ende der Anmelde­frist einigte sich der Ortsver­band am Don­ner­stag darauf, den
37-jähri­gen Ulli Boldt nicht für die Wahl zum Gemein­der­at zu nominieren.

Boldt ist ein ehe­ma­liger Aktivist der ver­bote­nen “Nation­al­is­tis­chen Front”.
Bis 1996 hat­te er in Bran­den­burg ein so genan­ntes “Nationales Infotele­fon”
betrieben und war bei Gedenkmärschen für den Hitler-Stel­lvertreter Rudolf
Hess als Anmelder aufge­treten. Bei der PDS-Orts­gruppe Halbe ahnte man nichts
von dieser Kar­riere, als sich Boldt um eine Kan­di­datur auf der offe­nen Liste
für den Gemein­der­at bewarb. Für die PDS-Kreisvor­sitzende Karin Weber war
Boldt lediglich ein “intellek­tuell begabter Men­sch”, der sich in der
Feuer­wehr und im Fußbal­lvere­in engagiert. Erst durch eine lokale
Antifa-Gruppe erfuhren die Genossen von der braunen Ver­gan­gen­heit ihres
Kan­di­dat­en. Boldt selb­st gibt an, seine recht­sex­treme Gesin­nung inzwis­chen
abgelegt zu haben. Den­noch entschloss sich der Ortsver­band, ihn nicht mehr
aufzustellen, weil er seine rechte Vita ver­schwiegen habe. Eine solche
“Unehrlichkeit” ver­di­ene das Ver­trauen der Wäh­ler nicht, sagte der
bran­den­bur­gis­che PDS-Wahlkampfchef Heinz Viet­ze.

Boldt wird nicht zum ersten Mal von der Geschichte einge­holt. Schon 1997
wurde er als Press­esprech­er der Jun­gen Union in Königs Wuster­hausen
(Bran­den­burg) gefeuert, weil er seinen braunen Lebenslauf für sich behal­ten
hat­te. Damals beteuerte Boldt, er “ste­he voll und ganz zu den demokratis­chen
Grund­sätzen der CDU”.

Ex-Neon­azi kein Kan­di­dat für PDS

Von Wahlliste gestrichen

(Berlin­er Zeitung) HALBE. Drei Stunde vor Ende der Anmelde­frist für die Kom­mu­nal­wahl im Okto­ber
hat die PDS-Orts­gruppe Halbe (Dahme-Spree­wald) den ehe­ma­li­gen Neon­azi Ulli
Boldt am Don­ner­stag von der Wahlliste für den Gemein­der­at gestrichen. Das
bestätigte der Geschäfts­führer des PDS-Kreisver­ban­des Arndt Reif. “Wir haben
bis Mittwoch nichts von sein­er Ver­gan­gen­heit gewusst”, sagte er. Kein
Genosse habe sich in ein­er eilig ein­berufe­nen Sitzung für Boldt
aus­ge­sprochen. Der 37-Jährige habe sich zwar zu den linken Posi­tio­nen der
Partei bekan­nt. “Doch sein Vor­leben ist nicht mit unseren Grund­sätzen
vere­in­bar”, sagte Reif. Boldt, der seit drei Jahren als Unternehmens­ber­ater
in Halbe lebt, war seit Anfang der 90er Jahre ein Aktivist der
recht­sex­trem­istis­chen Szene. Er war Mit­glied der später ver­bote­nen
Nation­al­is­tis­chen Front und ander­er vom Ver­fas­sungschutz beobachteten
Organ­i­sa­tio­nen. Er selb­st sagt, er habe sich vor Jahren von seinen
Gesin­nungsgenossen getren­nt.

“Das kön­nen wir nicht beurteil­ten”, sagte PDS-Mann Reif. Aber Boldt habe in
Gesprächen vor der Kan­di­datur die früheren recht­sex­trem­istis­chen Aktiv­itäten
ver­schwieben. “Es bleibt die Frage, wie uns das passieren kon­nte”, sagte
Reif.

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