21. September 2003 · Quelle: Berliner Zeitung

Waffenhändler war NPD-Mitglied

MENKIN. Seit nun­mehr zehn Tagen sind zwei junge Män­ner aus dem
uck­er­märkischen Brüs­sow inhaftiert. Die Bun­de­san­waltschaft wirft den bei­den
24-Jähri­gen vor, Unter­stützer oder gar Mit­glieder ein­er ter­ror­is­tis­chen
Vere­ini­gung zu sein. Dies bestätigte die Sprecherin der Bun­de­san­waltschaft,
Frauke-Katrin Scheuten, am Fre­itag. Nach Infor­ma­tio­nen der Berlin­er Zeitung
haben die jun­gen Män­ner offen­bar einen Großteil des Sprengstoffes
bere­it­gestellt, der für die geplanten recht­ster­ror­is­tis­chen Anschläge in
München ver­wandt wer­den sollte. Im Brüs­sow­er Ort­steil Menkin sind die
Festgenomme­nen seit Jahren als Waf­fen- und Muni­tion­ssamm­ler bekan­nt. “Dass
er altes Zeug auf dem Feld gesucht hat, das habe ich gewusst”, sagte Jür­gen
K. über seinen Sohn Mar­cel K., einen gel­ern­ten Tis­chler, der seit einein­halb
Jahren arbeit­s­los gewe­sen ist. In den ver­gan­genen Monat­en habe sein Sohn
aber vor allem “krampfhaft Bewer­bun­gen geschrieben”. Recht­sradikal sei er
nicht gewe­sen.

Doch eine recht­sradikale Ver­gan­gen­heit hat Mar­cel K. zweifel­sohne: Zwei
Jahre lang war er Mit­glied der NPD. Nach Angaben der Partei ist er aber am
26.9.2000 von der Mit­gliederliste gestrichen wor­den, weil er keine Beiträge
mehr gezahlt hat. Er soll auch beim Über­fall ein­er recht­sradikalen Clique
auf eine Gast­stätte dabei gewe­sen sein.

Sein Vater sagte, dass sein Sohn das Waf­fen­sam­meln zulet­zt aus kom­merziellen
Grün­den inten­siviert habe. Er suchte mit Met­allde­tek­toren auf ehe­ma­li­gen
Trup­penübungsplätzen und Schlacht­feldern des Zweit­en Weltkrieges.
Panz­er­mi­nen und Granat­en hat­te er offen­bar hin­ter dem Haus, in dem er mit
seinen Eltern wohnt, in einem Ver­schlag gehort­et und Sprengstoff ent­nom­men.
Offen ist, ob der Neon­azi-Anführer Mar­tin Wiese selb­st vor Ort war.

Auch der 24-jährige Steven Z., der zulet­zt allein in ein­er Zwei-raum­woh­nung
in Brüs­sow lebte, ist weit­er inhaftiert. Er arbeit­ete bei ein­er Garten­fir­ma.
Vor rund zehn Jahren büßte er seine linke Hand und Teile des Unter­arms beim
Hantieren mit einem explo­siv­en Gemisch ein. Auch Steven Z. hat­te lange Zeit
im Ort­steil Menkin gewohnt. Der dor­tige Gasthof galt früher als Tre­ff­punkt
der recht­en Szene. 1997 fand anlässlich des Rudolf-Hess-Geburt­stages ein
Skin­head-Konz­ert statt. Im vorigen Jahr set­zte die Amts­di­rek­tion Brüs­sow
gerichtlich Steuer­nachzahlun­gen durch, weil die Konz­ertver­anstal­ter die
Ein­trittspreise nicht ver­s­teuert hat­ten.

Andreas J. aus Menkin ist indes wieder auf freiem Fuß. “Ich wurde unter
Aufla­gen aus der Haft ent­lassen”, sagte er. Weit­ere Auskün­fte darf er nicht
geben, die Ermit­tlun­gen gegen ihn dauern an. Andreas J. war bere­its am 9.
Sep­tem­ber festgenom­men wor­den, Mar­cel K. und Steven Z. einen Tag später.
Alle drei wur­den nach Bay­ern gebracht und dort inhaftiert. Offen­bar rech­net
Andreas J. damit, dass er zumin­d­est einen sein­er Kam­er­aden so schnell nicht
wieder sehen wird.

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