27. April 2002 · Quelle: lausitzer rundschau

Ex-NPD-Chef Deckert plant bei Freiberg rechtes Zentrum

Ex-NPD-Chef Deck­ert plant bei Freiberg recht­es Zentrum 

Ver­fas­sungss­chutz alarmiert / Bürg­erini­tia­tive macht mobil 

Ein graues Haus, geduckt unter Bäu­men, der Schriftzug “Gasthof Gränitz ” schim­mert noch aus alter Zeit. Jahre­lang tat sich in dem einst beliebten Land­lokal südlich von Freiberg gar nichts mehr. Erst seit eini­gen Wochen sind Bauleute am Werk. Ein­er von ihnen, ein kräftiger Kerl mit Brille, Karo-Hemd und Cord­hose, ist jedoch ein Mann, der jahre­lang düstere Schlagzeilen machte: Gün­ter Deck­ert, Anfang der 90-er Jahre Chef der recht­sex­tremen NPD und Auschwitz-Leugn­er, baut im Erzge­birge einen Knoten­punkt für sein neon­azis­tis­ches Net­zw­erk auf, seit der 62-Jährige das Haus vor eini­gen Monat­en erwarb. 

Der Ver­fas­sungss­chutz ist alarmiert. Es kann davon aus­ge­gan­gen wer­den, “dass Deck­ert mit Hil­fe des Objek­tes recht­sex­trem­istis­che Ide­olo­gie ver­bre­it­en will. Sollte es zur Ein­rich­tung dieses Tagungs- und Ver­anstal­tungszen­trums für Recht­sex­trem­is­ten kom­men, beste­ht die Gefahr des Anstiegs recht­sex­trem­istis­ch­er Aktiv­itäten in der Region ” , warnt das Lan­desamt. Aus einem Aufruf Deck­erts vom Juli 2001 gehe her­vor, dass er beab­sichtige, die Liegen­schaft in Gränitz nach den Ren­ovierungsar­beit­en als “Deutsches Haus ” für Tagun­gen, Sem­i­nare, Parteitage und Konz­erte zu nutzen. Deck­ert ist für die Fach­leute ein rotes Tuch: “Es kann von einem überzeugten Recht­sex­trem­is­ten gesprochen wer­den, dessen Aus­sagen nicht sel­ten frem­den­feindlichen, anti­semi­tis­chen und revi­sion­is­tis­chen Charak­ter haben ” , heißt es beim Ver­fas­sungss­chutz. NPD-Chef Deck­ert war im Herb­st 1995 von den eige­nen Leuten weggeputscht wor­den, wan­derte von Ende 1995 bis Okto­ber 2000 unter anderem wegen Auf­s­tachelung zum Rassen­hass, Volksver­het­zung und Verunglimp­fung in Haft. Wieder auf freiem Fuß, ver­sucht er, in der NPD erneut an Ein­fluss zu gewinnen­laut Ver­fas­sungss­chutz auch mit­tels Kon­tak­ten zu Recht­sex­trem­is­ten und NPD-Mit­gliedern im Erzge­birge und in Gör­litz. Freiberg­er NPD-Mit­glieder sowie Ange­hörige der recht­sex­trem­istis­chen Kam­er­ad­schaft “Norkus ” wür­den Deck­ert nun beim Auf­bau des Haus­es in Gränitz unter­stützen. Das Haus, so sagt Deck­ert, könne “Zum deutschen Erzge­birge ” heißen und solle für viele Gäste offen ste­hen, auch für den Feuer­wehrabend oder den Dorf­schwof. Der frühere Lehrer aus Wein­heim (Baden-Würt­tem­berg) schränkt aber zugle­ich ein: aus­ländis­che Grup­pen oder die PDS sind nicht willkom­men. Viele Leute im Ort beobacht­en Deck­erts Absicht­en mit Sor­gen­fal­ten. Wer weiß, was dann alles hier los ist ” ; sagt eine ältere Frau, die vom Garten­za­un den Gasthof sehen kann. Angst gebe es bei vie­len der 160 Ein­wohn­er. Inzwis­chen formiert sich der Protest. Eine Bürg­erini­tia­tive um die 26-jährige Geolo­gie-Stu­dentin Katy Unger, die als Parteilose für die PDS im Freiberg­er Stad­trat sitzt, will die Bürg­er und die Öffentlichkeit über die Aktiv­itäten aufk­lären. Deck­ert ver­suche bere­its, junge Leute aus der Region anzuwer­ben, sagt Unger. Für Mitte Mai plane sie eine Bürg­erver­samm­lung, nach­dem eine Ver­anstal­tung im April am Wider­stand des Bürg­er­meis­ters kurzfristig gescheit­ert war. In der Bürg­erini­tia­tive engagierten sich vor allem junge Leute aus der Region­darunter so manche, deren Jugend­häuser in der Ver­gan­gen­heit von Neon­azis ange­grif­f­en wur­den. “Und wir befürcht­en, dass die Über­griffe zunehmen ” , sagt Unger, die im Sep­tem­ber für den Bun­destag kan­di­diert. Sie will jet­zt darauf drän­gen, dass Deck­ert die Gast­stät­ten-Konzes­sio­nen gar nicht erst erhält. Große Hoff­nun­gen macht sie sich aber nicht.

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