9. Dezember 2017 · Quelle: Don't call it Music!

Exzess – umtriebige Neonazis aus einem rockerähnlichen Milieu

“Exzess”: Tobias Vogt, Patrick Alf, Daniel Köhring

Exzess”: Tobias Vogt, Patrick Alf, Daniel Köhring


2010 in Straus­berg bei Berlin ins Leben gerufen, ist “Exzess” aus der Recht­srock-Szene heute nicht mehr wegzu­denken. Dies mag nicht nur an ihren rel­a­tiv pro­fes­sionellen Musikpro­duk­tio­nen liegen, son­dern vor allem an ihrer Verbindung zu Neonazi-“Bruderschaften” wie den Berlin­er “Van­dalen”, der “H8” aus Thürin­gen und Bran­den­burg sowie deren Nach­fol­ger “Turonen/Garde 20”.
Sänger und Bassist von “Exzess” ist Tobias Vogt, der in Straus­berg das ban­deigene Label “Exzess-Records” und die Autow­erk­statt “Caro­fol” betreibt und in sein­er Freizeit Kampf­s­port macht. Patrick Alf, Schlagzeuger bei “Exzess”, kan­di­dierte bei den Kom­mu­nal­wahlen 2008 für die recht­en Partei “Deutsche Volk­sunion” (DVU).
An der Gitarre ste­ht Daniel Köhring aus Fred­er­s­dorf-Vogels­dorf. Er ist Mit­glied des Bran­den­burg­er Ablegers der 2006 in Thürin­gen gegrün­de­ten “Brud­er­schaft” “H8”. Ähn­lich wie das in Deutsch­land ver­botene “Blood & Honour”-Netzwerk und die “Ham­mer­skins” tut sich die “H8” durch die Organ­i­sa­tion von Nazikonz­erten und die Ver­mark­tung rechter Bands her­vor. Die elitäre und mar­tialis­che Selb­st­darstel­lung dieser “Brud­er­schaften” übte in den ver­gan­genen Jahren eine hohe Anziehungskraft inner­halb der Neon­azi-Szene aus. Dadurch gewann man auch im Recht­srock-Geschäft an Bedeu­tung – und Musik­er, Pro­duzen­ten und Händler als Mit­glieder.
Die 2015 gegrün­dete “Brud­er­schaft Turonen/Garde 20” gilt als Nach­fol­ger der “H8”. Ihr führen­der Kopf ist der Neon­azi Stef­fen Richter aus Saalfeld (Thürin­gen), der bere­its Mit­glied der “H8” war. Die “Tur­o­nen” waren maßge­blich an der Organ­i­sa­tion des von rund 5000 Neon­azis besucht­en “Rock­to­ber­fest” im Okto­ber 2016 in der Gemeinde Unter­wass­er (Schweiz) beteiligt. Sie ini­ti­ierten auch die Konz­ertrei­he “Rock gegen Über­frem­dung” in Thürin­gen, deren zweite Auflage im Juli 2017 in The­mar (Thürin­gen) rund 6000 Neon­azis aus ganz Europa anzog. Während “Exzess” beim “Rock­to­ber­fest” auf der Bühne standen, war Gitar­rist Daniel Köhring beim “Rock gegen Über­frem­dung 2” an der Ord­ner­struk­tur und dem Auf­bau der Infra­struk­tur beteiligt – neben Mit­gliedern der “Brud­er­schaften” “Barn­imer Fre­und­schaft”, “Ham­mer­skins” und “Van­dalen”.
Tobias Vogt stand in The­mar während­dessen als Bassist der Berlin­er Neon­azi-Band “Die Lunikoff Ver­schwörung” auf der Bühne. “Die Lunikoff Ver­schwörung” besitzt in der Szene Kult­sta­tus, was vor­rangig an ihrem Sänger Michael “Lunikoff” Regen­er liegen dürfte. Regen­er gilt als Kopf der Berlin­er “Brud­er­schaft” “Van­dalen – Ari­oger­man­is­che Kampfge­mein­schaft”. Seine Band ist das Fol­ge­pro­jekt der als krim­inelle Vere­ini­gung ver­bote­nen Band “Landser”. Regen­ers ange­blich in Haft entwick­elte Klei­dungs­marke “Her­manns­land” ist an den “Her­manns­land-Ver­sand” ange­bun­den, über den CDs und Mer­chan­dise von “Die Lunikoff Ver­schwörung” ver­trieben wer­den. Als Betreiber des Ver­sands fungiert der Leipziger Neon­azi und Hooli­gan Nils Lar­isch.
Ein unvoll­ständi­ger Abriss des Konz­ert­geschehens, an dem die oben genan­nten Musik­er mitwirk­ten:
  • 1. April 2005 Auftritt von “Die Lunikoff Ver­schwörung” in Pöß­neck (Thürin­gen). Er gilt als Abschied­skonz­ert der Band, bevor Sänger Michael Regen­er seine Haft­strafe antritt. Organ­isiert wird das Konz­ert von der NPD Thürin­gen.
    6. März 2010 Auftritt von “Die Lunikoff Ver­schwörung” in Budapest, u.a. mit “Stahlge­wit­ter”, organ­isiert von “NS Front”
    2. April 2011 Auftritt von “Exzess” in Riesa (Sach­sen), u.a. mit “Wiege des Schick­sals” (Anklam) und “Mar­ci & Kapelle” (alias “Täter­volk”, Berlin). Organ­isiert wurde das Konz­ert vom “Deutsche-Stimme”-Verlag der NPD.
    8. Novem­ber 2014 Auftritt von “Die Lunikoff Ver­schwörung” in Zobes (Sach­sen), u.a. mit “Nahkampf” (Bre­men), organ­isiert von Nils Lar­isch und der Partei “Die Rechte”
    27. Dezem­ber 2014 Auftritt von “Exzess” in Kirch­heim (Thürin­gen), u.a. mit “Täter­volk” (Berlin/Brandeburg) und “Treue­or­den” (Thürin­gen)
    4. Juni 2016 Auftritt von “Exzess” im “Thing­haus” in Greves­mühlen (Meck­len­burg-Vor­pom­mern), u.a. mit “Haus­man­nskost” (Cot­tbus)
    15. Okto­ber 2016 Auftritt von “Exzess” beim Nazikonz­ert “Rock­to­ber­fest” in Unter­wass­er (Schweiz), mit “Amok” (Schweiz), “Con­fi­dent of Vic­to­ry”, “Frontalkraft” (Cot­tbus), “Makss Dam­age” und “Stahlge­wit­ter”
    30. April 2017 Auftritt von “Die Lunikoff Ver­schwörung” in der Ukraine, u.a. mit “Sokyra Peruna” und “Moloth” (bei­de Ukraine)
    2. Dezem­ber 2017 Auftritt von “Exzess” in der Nähe von Hamm (Nor­drhein-West­falen), u.a. mit “Blitzkrieg” (Chem­nitz)
  • Mehr dazu:
    Das «Rock­to­ber­fest» in Unter­wass­er (SG) – 5000 Neon­azis feiern ungestört, antifa.ch, 2016
    150.000 € bei Recht­srock-Konz­ert in der Schweiz – Geld lan­det auf Kon­to der Thüringer Neon­azi-Szene, Thürin­gen Recht­saußen, 2016

    Links Steffen Richter aus Saalfeld bei einem Rudolf-Heß-Marsch (Foto flickr). Rechts: Nils Larisch und Michael Regener fordern “Freiheit” für den Holocaust-Leugner Horst Mahler.

    Links Stef­fen Richter aus Saalfeld bei einem Rudolf-Heß-Marsch (Foto flickr). Rechts: Nils Lar­isch und Michael Regen­er fordern “Frei­heit” für den Holo­caust-Leugn­er Horst Mahler.

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