27. September 2007 · Quelle: PNN

Fahrland: Streit um Treffpunkt

(H. Kramer)Fahrland — Wegen der Jugen­dar­beit im Tre­ff­punkt Fahrland ist es auf der ver­gan­genen Beiratssitzung zur Umset­zung des Lokalen Aktion­s­plans gegen Gewalt und Recht­sex­trem­is­mus zu hefti­gen Diskus­sio­nen gekom­men. Dies geht aus der Schilderung von Anwe­senden und aus dem Pro­tokoll der Sitzung vom 4. Sep­tem­ber her­vor. Danach war der Chef des Jugend­clubs, Thomas Liebe, gebeten wor­den, zur Sit­u­a­tion in Fahrland Stel­lung zu nehmen: Im Som­mer hat­te es in dem Ort­steil Auseinan­der­set­zun­gen zwis­chen Jugendlichen gegeben – linksalter­na­tive junge Leute hat­ten von mas­siv­en Ein­schüchterun­gen gesprochen (PNN berichteten).

Liebe soll dies laut Teil­nehmern der Sitzung rel­a­tiviert haben – und davon gesprochen haben, dass es in Fahrland mehr Prob­leme mit Linken als mit Recht­en gäbe. Zudem seien die recht­en Jugendlichen in seinem Club alle gewalt­frei, wür­den durch ihre Anwe­sen­heit „nicht absichtlich“ andere Jugendliche ver­drän­gen und „uns nicht für ihre Inter­essen“ aus­nutzen. „Über diese Aus­sagen herrschte Unbe­ha­gen“, so ein Anwe­sender. Liebe habe den klas­sis­che Fehler began­gen, alles abzus­tre­it­en, statt um Ver­ständ­nis für Schwierigkeit­en bei der Arbeit mit recht­en Jugendlichen zu bit­ten, hieß es. Liebe selb­st hat­te das Pro­tokoll gestern noch nicht gele­sen, bestätigte aber Diskus­sio­nen. Lei­der werde oft ver­sucht, den Ort­steil samt Club in die „rechte Ecke“ zu drän­gen.

Das Konzept akzep­tieren­der Jugen­dar­beit mit jun­gen Recht­en ist umstrit­ten: Kri­tik­er bemän­geln, dass sich Recht­sex­trem­is­mus nicht päd­a­gogisch ther­a­pieren lasse und poli­tisch bekämpft wer­den müsse. Auch Lutz Boede, im Beirat für die Frak­tion Die Andere, bew­ertet die akzep­tierende Jugen­dar­beit in Fahrland sehr kri­tisch: „Indiskutabel wird sie, wenn den Jugendlichen nur noch Räume zur Ver­fü­gung gestellt wer­den, was zur Ver­drän­gung von anderen jun­gen Leuten führt.“ Dies müsse geprüft wer­den. Er kenne von Fotos und vom Stadtwerke­fest Jugendliche aus dem Club, die der recht­en Szene zuge­hörige T‑Shirts tra­gen wür­den.

Jugen­damt­sleit­er Nor­bert Schweers dage­gen vertei­digt den Club: „Wir müssen auch recht­en Jugendlichen Ange­bote machen, damit sie nicht in recht­sex­treme Struk­turen abgleit­en.“ Er zweifele nicht an der fach­lichen Eig­nung der Clubleitung. Ange­bote, etwa zur Demokratie-Erziehung, wür­den „regelmäßig“ abgerufen. Eben­so gäbe es Kon­takt zu den Mobilen Beratung­steams. Die Polizei wertet die Sit­u­a­tion in Fahrland deut­lich entspan­nter als noch 2004, als in dem Ort­steil zu 13 Straftat­en mit recht­sex­tremen Motiv ermit­telt wurde. Zwar bestätigte Andreas Merten, Leit­er der Wache Mitte, dass im Som­mer ver­mehrt Jugendliche an der Hal­testelle Am Upstall reg­istri­ert wor­den seien und es Kon­flik­te gegeben habe. „Diese waren aber nicht poli­tisch motiviert, wed­er von links, noch von rechts.“ Seit Ferienende sei es zu keinen Straftat­en mehr gekom­men. Jedoch stün­den in Fahrland vier Per­so­n­en zwis­chen 18 bis 21 Jahren auf ein­er Liste der Son­derkom­mis­sion „Täteror­i­en­tierte Maß­nah­men gegen Recht­sex­trem­istis­che Gewalt“, die Per­so­n­en bein­hal­tet, die häu­fig mit recht­sex­tremen Delik­te auf­fall­en – zwei Män­ner weniger als noch vor einem Jahr.

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