16. September 2012 · Quelle: antifaschistische recherchegruppe frankfurt (oder)

FCV-Hooligans greifen Hoffest des Utopia e.V. an

Aktuelles zur Nazisituation in Frankfurt (Oder) und Umgebung

In der Nacht vom Sam­stag, den 01.09., auf Son­ntag den 02.09., grif­f­en 5–6 Neon­azis das Hoffest des Utopia e.V.1 in der Berlin­er Straße 24 in Frank­furt (Oder) an. Die Angreifer wer­den teil­weise der Anhänger­schaft der recht­en FCV-Hooli­gans zuge­ord­net. Grund genug, mal wieder einen genaueren Blick auf die jüng­sten Entwick­lun­gen der organ­isierten Naziszene in Frank­furt (Oder) und Umge­bung zu wer­fen.

Nach­dem es monate­lang ruhig um die rechte Anhänger­schaft des 1.FC Frank­furt Eintracht/Viktoria[2] gewor­den war, ver­sucht­en sie nun am ersten Sep­tem­ber-Woch­enende gezielt Gäste des jährlich stat­tfind­en­den Hoffestes des linksalter­na­tiv­en Vere­ins Utopia e.V. anzu­greifen. Gegen 3 Uhr nachts erschienen 5–6 schwarz gek­lei­dete und ver­mummte Per­so­n­en vor dem Hin­ter­hof der Berlin­er Straße 24. Sie riefen rechte Parolen und war­fen mehrere Flaschen in die Rich­tung der Konzertbesucher*innen. Ver­let­zt wurde nie­mand. Von Erfolg gekrönt war die Aktion der Neon­azis sicher­lich nicht. Denn wie die Polizei berichtete3, wur­den kurze Zeit später fünf Män­ner im Alter von 16 – 30 Jahren in der Nähe des Tatortes aufge­grif­f­en, die als die Angreifer gel­ten. Gegen sie wird jet­zt wegen des Ver­dachts der ver­sucht­en gefährlichen Kör­per­ver­let­zung ermit­telt.

Seit 2009 war nur noch wenig von den recht­en Umtrieben der Hooli­gans zu hören. Einige standen mit einem Bein im Knast und andere hat­ten auf­grund ihrer recht­en Aktiv­itäten Prob­leme mit ihrem Arbeit­ge­ber. Auch die Berichter­stat­tung der Recherchegruppe hat­te eine großen Anteil daran. Eine aus­führliche Doku­men­ta­tion der ver­gan­genen Aktiv­itäten der FCV-Hooli­gans kann den bere­its erschienen recherche out­puts4 ent­nom­men wer­den.

Doch Ende ver­gan­genen Jahres macht­en die FCV-Hools wieder von sich reden. Am 11. Novem­ber, beim Pokalspiel zwis­chen dem SV Babels­berg 03 und dem FC Vik­to­ria Frank­furt, riefen sie mehrfach anti­semi­tis­che und antizigan­is­tis­che Parolen5 in Rich­tung der als antifaschis­tisch gel­tenden Gäste­fans. Mit dabei waren auch angereiste Neon­azis aus Cot­tbus und Berlin, die der Anhänger­schaft von FC Energie und dem 1. FC Union zuzurech­nen sind. Knapp einen Monat später, am 27. Dezem­ber, grif­f­en sie die mit­gereiste Anhänger­schaft und die Mannschaft von Ten­nis Borus­sia Berlin bei einem Hal­len­turnier in Frank­furt (Oder) mit Flaschen und Steinen an6. Das (nicht-)Verhalten der Polizei und des örtlichen Sicher­heits­di­en­stes markierte den zweit­en Skan­dal an diesem Tag.

Weit­er­hin wer­den Kon­tak­te zu befre­un­de­ten, recht­en Fan­grup­pierun­gen ander­er Mannschaften gepflegt. Zum einen steigt die Präsenz der recht­en Hooli­gan­grup­pierung „Crimark“. Diese ste­ht dem 1.FC Union Berlin nahe und macht keinen Hehl aus ihrer neon­azis­tis­chen Gesin­nung7. „Crimark“ fungiert zudem als Sam­mel­beck­en recht­sof­fen­er Hooli­gans in Bran­den­burg. Desweit­eren gibt es schon lange gute Kon­tak­te zwis­chen Frank­furter und Cot­tbuser Hooli­gans. Die seit 1999 existierende Ultra-Grup­pierung „Infer­no Cot­tbus“ ste­ht eben­so für ihre neon­azis­tis­che Gesin­nung in der Öffentlichkeit. Ende Juli organ­isierten sie ein „Som­mer­turnier“, an dem auch ca. 15 FCV-Hools teil­nah­men. Die Lausitzer Rund­schau berichtete erst vor kurzem über die recht­en Umtriebe der Cot­tbusser Hooli­gan-Grup­pierung.8

Und was machen eigentlich die „Autonomen Nation­al­is­ten“? Am 1. Sep­tem­ber protestierten Neon­azis in Velten/Oberhavel gegen das Ver­bot eines von JN’lern organ­isierten Fuss­ball­turniers.9 Mit dabei waren auch zwei Anhänger der „AN-OS“, jedoch nicht aus dem Raum Frank­furt (Oder) – Eisen­hüt­ten­stadt, son­dern es han­delte sich dabei um Tim Wendt und einen weit­eren Neon­azi aus dem Raum Erkner/Schöneiche. Am let­zten Woch­enende ver­suchte die NPD erfol­g­los gegen den Euro zu demon­stri­eren.10 Waren son­st Anhänger*innen der „AN-OS“ bei nahezu jed­er NPD-Demon­stra­tio­nen in ganz Bran­den­burg präsent, blieben sie der Lan­deshaupt­stadt kom­plett fern. Lediglich vier nicht als „AN´s“ organ­isierte Frank­furter Neon­azis, u. a. Mario Schreiber und Eric Hempel kamen. Was ist los mit den son­st so reise­freudi­gen „AN´s“? Der Eisen­hüt­ten­städter Michael Meißn­er, der im März diesen Jahres seinen Ausstieg11 ver­laut­baren ließ, musste sich mit­tler­weile zwei Mal wegen ver­schieden­er Delik­te vor Gericht ver­ant­worten. Weil er im März 2011 bei ein­er NPD-Demon­stra­tion in Teterow ein Kam­er­ateam des NDR angriff, wurde er ein Jahr später zu ein­er Geld­strafe von 450 € verurteilt12. Des weit­eren musste der gel­ernte Met­all­bauer sich Mitte Juni diesen Jahres wegen dem Sprühen von „AN-OS“-Parolen ver­ant­worten. Dies­mal wurde er zu drei Monat­en Bewährung verurteilt. In bei­den Ver­hand­lun­gen beteuerte er, aus der Gruppe aus­gestiegen zu sein und erhoffte sich so ein milderes Straf­maß. Einen weit­eren „Ausstiegs­grund“ offen­barte er bei der Anhörung im Juli. Auf Druck sein­er Fre­undin hab er sich von seinen Eisen­hüt­ten­städter Kam­er­aden Mar­tin Schlechte, Dan­ny Zink, Jef­frey Win­dolf und Ramon Wellem­sen ver­ab­schiedet. Der eigentliche Aus­lös­er für seinen Rückzieher lässt sich jedoch wahrschein­lich­er darauf zurück­führen, dass Meißn­er seine Arbeit als Gerüst­bauer bei ein­er Tochter­fir­ma von Arcelor­Mit­tal, dem größten Arbeit­ge­ber der Region, ver­lor. Die Recherchegruppe machte Meißner’s Arbeit­ge­ber auf seine recht­en Umtriebe aufmerk­sam und dieser zog dann die Kon­se­quen­zen aus den außer­be­trieblichen Aktiv­itäten seines Mitar­beit­ers.

 

Zwar sind mit dem Ausstieg der Führungs­fig­ur Michael Meißn­er auch Sprühereien und Stick­er der „AN-OS“ aus dem Stadt­bild von Frank­furt, Eisen­hüt­ten­stadt und Umge­bung ver­schwun­den, doch die Inter­ne­tadresse der Gruppe ist weit­er­hin auf Meißner’s Namen angemeldet, Inhalte aber nicht mehr abruf­bar. Auf Demon­stra­tio­nen ließ sich der Eisen­hüt­ten­städter jedoch nicht mehr blick­en. Allein der Frank­furter Robert Krause tritt noch regelmäßig auf Neon­aziver­anstal­tun­gen in Erschei­n­ung. So nahm der 18-Jährige am 31.03. in Brandenburg/Havel13 und am 02. Juni in Ham­burg an Demon­stra­tio­nen teil und trat am 04. August bei NPD-Infos­tän­den in Eisen­hüt­ten­stadt und Frank­furt (Oder) in Erschei­n­ung14. Mit­tler­weile soll er jedoch über einen Wegzug Rich­tung Witt­stock nach­denken. Dor­thin pflegt er gute Kon­tak­te zu den Nazis der „Freien Kräfte Ost“. Und was macht Marten Erlebach? Er scheint sich von den AN-OS zurück­ge­zo­gen zu haben, da er schon seit Jan­u­ar nicht mehr auf Naziver­anstal­tun­gen in Erschei­n­ung getreten ist. Ein Blick auf sein Face­book-Pro­fil ver­mit­telt eher den Ein­druck, er hätte wieder zu sein­er recht­en Hooli­gan Lebenswelt zurück­ge­fun­den. So favorisiert er unter anderem den „FC Vor­wärts Frank­furt (Oder)“, „Infer­no Cot­tbus 99“ sowie ein­schlägige Ultra-Mag­a­zine und Bek­lei­dungs­marken.

Es bleibt abzuwarten, ob wirk­lich eine Reor­gan­isierung der Frank­furter Nazi- bzw. Hooli­gan­szene bevorste­ht. Auf­schluss darüber kön­nte eine mögliche Teil­nahme lokaler Nazis an der geplanten NPD-Demon­stra­tion am 10. Novem­ber in Frank­furt (Oder) geben. Das lokale Bünd­nis „Kein Ort für Nazis in Frank­furt (Oder)“ kündigte bere­its an, den Auf­marsch zu block­ieren.15

 

1 https://inforiot.de/artikel/utopia-ev-begeht-14-geburtstag
2 Der Frank­furter FC Vik­to­ria, Heimat der recht­en FCV-Hooli­gans, fusion­ierte im Juli diesen Jahres mit dem MSV Ein­tra­cht Frank­furt und heißt nun 1.FC Frank­furt Eintracht/Viktoria
3 http://www.internetwache.brandenburg.de/sixcms/detail.php?id=11189756
4 http://recherchegruppe.wordpress.com/recherche-output/
5 http://recherchegruppe.wordpress.com/2011/11/18/es-hat-sich-nichts-geandert-landespokalspiel-sv-babelsberg-03-vs-ffc-viktoria/
6 http://www.lila-kanal.de/journal/?p=2785
7 http://arpu.blogsport.eu/2012/05/30/gewaltromantik-trifft-auf-neonazidenken-crimark-neonazi-hools-in-rot-weis/#more-380
8 http://www.lr-online.de/nachrichten/Tagesthemen-Verantwortung-bis-zum-Stadionzaun;art1065,3922390
9 http://antifagruppeoranienburg.blogsport.de/2012/09/02/ofenstadt-velten-wehrt-sich-gegen-neonazis
10 https://inforiot.de/artikel/kleeblatt-gerupft
11 http://recherchegruppe.wordpress.com/2012/03/09/an-os-nun-ohne-michael-meisner/
12 http://endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=7046:angriff&Itemid=410&tmpl=component&print=1
13 http://afn.blogsport.de/2012/04/12/brandenburg-an-der-havel-und-der-npd-aufmarsch‑2/
14 http://recherchegruppe.wordpress.com/2012/08/05/npd-oderland-hetzt-weiter-gegen-polen-infotour-in-frankfurt-oder-massiv-gestort/
15 http://kein-ort-fuer-nazis.de/de/node/93

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