17. Januar 2007 · Quelle: Indymedia

Feldbefreiungs-Prozess in Zehdenick

Im Juli 2006 wurde in Badin­gen (Bran­den­burg) eine öffentlich angekündigte Feld­be­freiung durchge­führt. Nach Polizeiangaben hat­ten etwa 80 Gen­tech­nikkri­tik­er ein Feld mit gen­tech­nisch verän­dertem Mais gestürmt und erhe­blich zer­stört – trotz großen Polizeiaufge­botes. Acht Per­so­n­en standen Don­ner­stag, den 11.01.2007 in Zehdenick (Mark) vor Gericht, begleit­et von hoher Polizei- und Medi­en­präsenz und augen­schein­lich auch mil­i­tan­ten Vor­fel­dak­tio­nen in der Stadt und am Gericht.

—Vor­fel­dak­tio­nen—

Der Weg zum Gericht war eigentlich schon für sich allein genom­men ein Genuss. Men­schen, die am Mor­gen des 11.01.2007 mit Zug anreis­ten, trafen schon am Bahn­hof Zehdenick auf die Ergeb­nisse nächtlich­er Aktio­nen (Bericht auf Polizei-Web­seite, http://www.internetwache.brandenburg.de/sixcms/detail.php?id=318995): Auf dem Bah­steig wurde mit weißer Farbe der Spruch „Gen­saat­en reisen über­all hin“ aufge­malt, dazu einige Pfeile mit Zusätzen wie „Hier hin“. Auf den Straßen zum Gericht waren weit­ere Parolen in gle­ich­er Machart zu lesen, z.B. „Soli für Feld­be­freier“ oder „No Gen­tec“. Zudem klebten an vie­len Lat­er­nen­mas­ten Zettel, die sich auf den Prozess bezo­gen und sich kri­tisch mit Gen­tech­nik beschäftigten. Bei einzel­nen Per­so­n­en stießen sie auf großes Inter­esse: So wan­derte ein ziv­il gek­lei­de­ter Mann – eventuell ein Staatss­chutzbeamter – von Lat­er­ne zu Lat­er­ne und sam­melte die Zettel in ein­er Papiertüte ein. Auf Nach­fra­gen nach dem Hin­ter­grund gab die Per­son an, die Flugzettel wür­den auf Fin­gerabrücke über­prüft. Par­al­lel dazu klin­gel­ten uni­formierte Beamte an nah gele­ge­nen Haustüren, wom­öglich, um Anwohn­er über verdächtige Beobach­tun­gen zu befra­gen. Daneben fuhren immer wieder Streifen­wa­gen und Fahrzeuge der Bere­itschaft­spolizei langsam, aber zurück­hal­tend durch die Straßen von Zehdenick. Viel Aufwand wegen Flugzetteln und Parolen auf Straßen?

Auch vor dem Amts­gericht war unver­hält­nis­mäßig viel Polizei anzutr­e­f­fen, darunter viele zivile Ein­satzkräfte, die bald schon die Flure des Gerichts „bevölk­ern“ wür­den. Die Fas­sade des Amts­gerichts war an auf­fäl­lig vie­len Stellen frisch gestrichen wor­den, so sah es jeden­falls aus.
Der Grund lässt sich aus Aus­sagen von PolizistIn­nen, Gerichts­be­di­en­steten und aus Presse­bericht­en erschließen. Daraus geht her­vor, dass es in der Nacht zum Prozess mil­i­tante Aktio­nen gegen das Gericht gegeben hat­te. Erwäh­nt wurde in der Presse, dass Parolen wie „Gen­dreck weg” oder „Gen­saat­en sind unkon­trol­lier­bar“ an die Wände des Gericht­es ange­bracht wur­den. Außer­dem sei „Milch­säure“ mit im Ein­gangs­berich des Amts­gerichts „ver­sprüht“ wor­den.

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