17. Januar 2007 · Quelle: Junge Welt

Spreegurken von Neonazis bedroht


Tre­ff­punkt Lübben­er Schalke-Fans mehrfach ange­grif­f­en. »Keine rechtliche Hand­habe« gegen recht­en Klub

Nach­dem im bran­den­bur­gis­chen Lübben am 9. Dezem­ber rund 100 Neon­azis auf­marschierten, wird die rechte Szene in der Spree­wald­stadt offen­bar aggres­siv­er. Im Visi­er der Neo­faschis­ten ste­hen derzeit nicht nur Aus­län­der und Linke, son­dern auch eine Gruppe von Schalke-Fans, die »Spree­gurken«. Nach eige­nen Angaben wurde deren Tre­ff­punkt, eine Garage, mehrfach von Recht­en demoliert. Zudem seien bei Mit­gliedern des Fan­clubs mehrfach Dro­han­rufe einge­gan­gen. Offen­sichtlich ist den Neon­azis ein Dorn im Auge, daß die nicht expliz­it linke, aber doch antifaschis­tisch eingestellte Gruppe, durch ihre Aktiv­itäten Jugendliche davon abhält, sich den Recht­en anzuschließen.

Die rechte Szene Lübbens ver­sam­melt sich üblicher­weise im »Bunker 88«, eine ehe­ma­lige Brauerei. Da sich diese in Pri­vatbe­sitz befinde, habe man keine rechtliche Hand­habe, gegen den Tre­ff­punkt vorzuge­hen, erläuterte Polizeis­prech­er Jens Quitschke auf jW-Nach­frage. Allerd­ings habe die Polizei in den ver­gan­genen Monat­en drei Konz­erte aufgelöst – das let­zte am ver­gan­gene Sam­stag. Den »harten Kern« der Neon­aziszene bez­if­ferte Quitschke auf 20 Per­so­n­en. Hinzu kämen 50 bis 60, die deren Umfeld zuzurech­nen seien.

Ein »ern­stzunehmendes Poten­tial Recht­sex­tremer« in Lübben macht auch die bran­den­bur­gis­che Land­tagsab­ge­ord­nete der Linkspartei.PDS, Karin Weber, aus. Neben dem von der Diakonie getra­ge­nen »Forum gegen Rechts« und dem Aktions­bünd­nis Halbe, in dem die Linkspartei vertreten ist, beginne nun aber auch die Stadtver­wal­tung, sich dieses Prob­lems anzunehmen, sagte sie gegenüber jW. So hät­ten Bürg­er­meis­ter und Stadtverord­nete im Dezem­ber mit dazu aufgerufen, gegen den Auf­marsch der Neon­azis auf die Straße zu gehen. »Dabei haben über 800 Men­schen deut­lich gemacht: Wir wollen nicht, daß sich die Recht­sex­tremen in Lübben bre­it­machen – für eine kleine Stadt wie Lübben ist das schon sehr pos­i­tiv«.

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