8. April 2003 · Quelle: Zelle 79

Feministische Theorie — Weibliche Subjektwerdung im Spätkapitalismus”

Fre­itag, den 25.04

um 20 UHR

in der Zelle 79 (Parzellenstr.79, Cot­tbus)

Die Frage nach der Vere­in­barkeit von Fam­i­lie und Beruf ist der immer wieder
neu gestellte Klas­sik­er der Frauen­frage. Hat­ten die 68er Frauen die Frage
noch ver­sucht kollek­tiv durch den Auf­bau von Kinder­lä­den zu beant­worten, so
wurde mit der Kam­pagne gegen den §218 und der Parole “Mein Bauch gehört mir”
auf die indi­vid­u­al­isierte Vari­ante geset­zt. Sei­ther wurde sich in der
Frauen­be­we­gung an dem an der Aufk­lärung angelehn­ten Ide­al­bild des
selb­st­bes­timmten Sub­jek­ts ori­en­tiert. Ziel war nicht nur wie bei der ersten
Frauen­be­we­gung die rechtliche Gle­ich­stel­lung, die doch an der konkreten
Sit­u­a­tion der Frau als vom Mann Abhängige nichts änderte, son­dern eine
voll­ständig selb­st­bes­timmte Exis­tenz.

Das hat, so die These Andrea Tru­mans, nicht zu ein­er Angle­ichung an die
Män­ner, son­dern zu ein­er spez­i­fisch weib­lichen Form der bürg­er­lichen
Sub­jek­twer­dung geführt, und zwar zu einem Zeit­punkt, an dem selb­st von der
Idee der bürg­er­lichen Sub­jek­tiv­ität im emphatis­chen Sinne nichts mehr übrig
geblieben ist. Diesen Wider­spruch reflek­tierte die Frauen­be­we­gung jedoch
sehr sel­ten. Nur während der Stu­den­ten­be­we­gung gab es eine Ahnung davon,
dass Frei­heit auch mehr bedeuten kön­nte als Arbeits­fähigkeit und Kon­trolle
über die eigene Gebährfähigkeit. Auf­grund dieser nicht hin­ter­fragten
Prämis­sen erwies sich die neue Frauen­be­we­gung als Katalysator
kap­i­tal­is­tis­ch­er Mod­ernisierung­sprozesse. Das hat nicht zu ein­er Abschaf­fung
patri­ar­chaler Ver­hält­nisse geführt, son­dern zu ein­er Verin­ner­lichung
patri­ar­chaler Herrschaft in die Sub­jek­te hinein. Nachgeze­ich­net wer­den soll
im Vor­trag die Geschichte bürg­er­lich­er Sub­jek­twer­dung sowie deren weib­lich­es
Äquiv­a­lent bis hin zu gen­tech­nol­o­gis­chen Zeit­en, in denen die Frauen ganz
selb­st­bes­timmt und autonom eugenis­che Sortierun­gen aus­führen.

Andrea Tru­man, geb. 1973, ist Diplom-Päd­a­gogin. Sie engagierte sich in
ver­schiede­nen fem­i­nis­tis­chen Grup­pen, führte bei Jungdemokratinnen/Junge
Linke Sem­i­nare zum The­ma Frauen­be­we­gung durch und veröf­fentlichte eine Rei­he
von Artikeln zu Fra­gen fem­i­nis­tis­ch­er The­o­rie. Schon seit län­gerem
beschäftigt sie sich im Berlin­er AK Wis­senschaft­skri­tik mit
Bevölkerungspoli­tik, Naturbe­grif­f­en und Gen­tech­nolo­gie.

2002 erschien von A. Tru­man im Schmetter­lingver­lag “Fem­i­nis­tis­che The­o­rie:
Frauen­be­we­gung und weib­liche Sub­jek­t­bil­dung im Spätkap­i­tal­is­mus”

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