2. Oktober 2004 · Quelle: MAZ

Flüchtlingsrat fordert Abschiebestopp

POTSDAM Der Flüchtlingsrat Bran­den­burg hat einen Abschiebestopp für
Asyl­suchende gefordert, die ab Jan­u­ar unter die Härte­fall­regelung des
neuen Zuwan­derungs­ge­set­zes fall­en kön­nten. Nach dem Vorbild
Schleswig-Hol­steins müsse drei Monate vor Inkraft­treten des Gesetzes
auch in Bran­den­burg auf Abschiebun­gen verzichtet wer­den, sagte Judith
Gleitze vom Flüchtlingsrat gestern in Pots­dam. Derzeit wür­den in fast
allen Bun­deslän­dern Men­schen abgeschoben, die ab Jan­u­ar die
Härte­fall­regelung nutzen kön­nten. In Bran­den­burg müsse zudem eine
Härte­fal­lkom­mis­sion ein­gerichtet wer­den, forderte Gleitze. “Wir gehen
davon aus, dass das im Koali­tionsver­trag von SPD und CDU festgeschrieben
wird.”

Ein Leben in der Warteschleife

Tag des Flüchtlings: Ini­tia­tiv­en erinnern

Ein Leben in der Lücke. Ein Leben, das ges­tat­tet ist, geduldet, befris­tet. Bis wieder eine Instanz entsch­ieden hat, ob es weit­er geht in Deutsch­land oder zurück in die — ja was eigentlich? 

Heute ist Tag des Flüchtlings. Gestern luden Flüchtlingsrat, Flüchtlingsini­tia­tive Bran­den­burg und der Schaus­piel­er Kostas Papanas­ta­siou (Lin­den­straße) zum Pressege­spräch. Auf dem Podi­um saß auch die seit Juli 2003 in Pots­dam lebende Adela B.. Seit zehn Jahren lebt sie in Deutsch­land, dieses Jahr machte sie in Berlin ihr Abitur. Die Eltern sind von den Kriegsereignis­sen in Bosnien, woher sie damals flo­hen, trau­ma­tisiert. 2003 soll­ten sie alle abgeschoben wer­den. Der Asy­lantrag ist in erster Instanz abgelehnt. Mehr als die Hälfte ihres Lebens hat Adela in Berlin und Pots­dam ver­bracht. Ist zur Schule gegan­gen. Würde gern hier Studieren. Oder der Koso­vare, den Papanas­ta­siou kurz­er­hand zu seinem Patenkind erk­lärte. Im Koso­vo von der ser­bis­chen Polizei ver­fol­gt, kam er mit sein­er Frau vor 13 Jahren nach Berlin. Geduldet. Drei Kinder kamen in Deutsch­land zur Welt. Gehen hier zur Schule. Ihre Mut­ter­sprache ist deutsch, sagt der Vater. 2001 kam die Fam­i­lie in Abschiebe­haft. Sie beantragten Asyl, leben heute in Pots­dam. Die Kinder wären im Koso­vo so fremd wie jedes andere deutsche Kind auch. 

Während die Betrof­fe­nen das erzählen, zer­schnipselt Papanas­ta­siou auf seinem Stuhl ein Maßband: Wäre jed­er Schnipsel ein ver­loren­er Tag, der durch das Warten entste­ht, der Haufen wäre riesig, sagt er. “Ver­lorene Zeit. Für sich und das Land wo sie leben, um etwas Schöpferisches zu tun.” 

Die derzeit­i­gen Zustände möcht­en die Flüchtlingsini­tia­tiv­en nicht hin­nehmen. Sie fordern Bleiberecht für Fam­i­lien, die seit drei Jahren hier leben, für Alle­in­ste­hende, die seit fünf Jahren in Deutsch­land sind und für Min­der­jährige, die allein hier­her kamen, nach zwei Jahren. Sie wollen eine Chance dieser Men­schen auf Sicher­heit, Aus­bil­dung, Studi­um oder Beruf.

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