18. Juni 2004 · Quelle: LR

Fraktions-Chef der CDU war bei SS-Kameradschaftstreffen

SPD-Lan­drat wirft Egon Wochatz vor, Ruf des Kreis­es zu schädi­gen

Der Machtkampf zwis­chen Lan­drat Dieter Friese (SPD) und
CDU-Frak­tionsvor­sitzen­dem Egon Wochatz nimmt an Schärfe zu. Hin­ter ver­schlosse­nen Türen kri­tisierte Friese im Kreisauss­chuss, dass der frühere Sprem­berg­er Bürg­er­meis­ter Wochatz an einem Tre­f­fen ehe­ma­liger SS-Ange­höriger
teilgenom­men hat. Wochatz bot gestern an, die Frak­tion­s­geschäfte bis zur Klärung der Angele­gen­heit ruhen zu lassen. CDU-Frak­tion und Kreisvor­stand wer­den am Dien­stag darüber berat­en.

Im Kreisauss­chuss ver­wies Friese nach RUND­SCHAU-Recherchen auf einen Brief, der an Min­is­ter­präsi­dent Matthias Platzeck (SPD) und Innen­min­is­ter Jörg Schön­bohm (CDU) ging. Friese äußert sich darin «in tiefer Sorge um den Ruf der Stadt, des Land­kreis­es, des Min­is­ter­präsi­den­ten und des
Innen­min­is­ters» — denn die bei­den führen­den Män­ner des Lan­des waren am ersten Juni-Woch­enende in Sprem­berg, als dort die Folk­lore-Law­ine mit großer inter­na­tionaler Beteili­gung stat­tfand.

Brief an den Min­is­ter­präsi­den­ten

Gle­ichzeit trafen sich in dort Ange­hörige der ehe­ma­li­gen SS-Divi­sion Frunds­berg, die im April 1945 an Kämpfen um Sprem­berg beteiligt war. Wochatz räumte ein, an zwei Tagen bei dem Tre­f­fen gewe­sen zu sein — «wie in jedem
Jahr» . Als Bürg­er­meis­ter und Grün­dungsmit­glied des örtlichen Volks­bun­des Deutsche Kriegs­gräber­für­sorge habe er per­sön­liche Kon­tak­te, weil in Sprem­berg die Umbet­tungsstätte für die Kriegs­gräber des Tage­baubere­ich­es Wel­zow liegt. Außer­dem führt der aus­ge­bildete Geschicht­slehrer «his­torisches Inter­esse» an.

Wochatz betonte gegenüber der RUNDSCHAU, nicht an der Kranznieder­legung auf dem deutschen Sol­daten­fried­hof teilgenom­men zu haben. Dort sei Älteren der Auftritt ein­er jün­geren Gruppe «unangemessen» erschienen, als diese sich -
teil­weise mit Stahlhelm — zu ein­er «Ehrenwache» postierten, so Wochatz mit Ver­weis auf Infor­ma­tio­nen aus der «Senioren­gruppe» . Die Organ­isatoren des Tre­f­fens seien ein eher los­er Ver­bund von Vere­inen. Offen­bar seien dieses
Mal auch zwei andere Grup­pen dabei gewe­sen, darunter die Stahlhelm­gruppe und eine Gruppe Amerikan­er, die Zeitzeu­ge­naus­sagen sam­melten. Er selb­st werde ange­sprochen, wenn es um die Ter­min­pla­nung gehe, so Wochatz, da die
Teil­nehmer in Sprem­berg­er Hotels über­nachteten. Wer aber zum Beispiel die Ver­samm­lungsräume bestelle, wisse er nicht.

Zurück­hal­tung bei Frak­tio­nen

Auf Anfrage äußerten sich die Frak­tionsvor­sitzen­den der PDS und SPD zurück­hal­tend. Man sollte der CDU zunächst Zeit geben, sich über den Vor­fall zu ver­ständi­gen, so Diethelm Pagel (PDS). Jörg Rakete (SPD) äußerte sich ähn­lich, betonte aber, dass die Anwe­sen­heit des Vor­sitzen­den ein­er
Kreistags­frak­tion bei einem SS-Tre­f­fen dem Anse­hen des Kreis­es schade. Es sei ein falsches Zeichen: «Die SS war eine ver­brecherische Organ­i­sa­tion.» CDU-Kreistags­frak­tion und CDU-Kreisvor­stand wer­den sich am Dien­stag tre­f­fen,
so Kreisvor­sitzen­der Michael Haidan. Wochatz hat gestern ange­boten, die Frak­tion­s­geschäfte vor­läu­fig ruhen zu lassen.

Vor sechs Jahren hat­te es in Sprem­berg Diskus­sio­nen gegeben, als Wochatz — damals Rathaus-Chef — ohne Wis­sen der Stadtverord­neten Gespräche mit Vertretern der SS-Kam­er­ad­schaft zur Auf­stel­lung eines Gedenksteins geführt
hat­te.

Der Hin­weis auf die Nähe zu SS-Ange­höri­gen kommt in ein­er Phase der schar­fen poli­tis­chen Auseinan­der­set­zung zwis­chen Friese und Wochatz. Wochatz fährt als Vor­sitzen­der der größten Kreistags-Frak­tion einen schar­fen Kurs gegen
Friese. Aktuell geht es um den über­ar­beit­eten Haushalt­s­plan.

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